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28/05/2022
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Norbert John: Streiten innerhalb der jüdischen Gemeinden führte 2011 zum Baustopp der Synagoge

Norbert John war der Direktor und Technischer Geschäftsführer des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen (BLB) von 2006 bis 2021

BKZ: Wer sind Sie?

John: Mein Name ist Norbert John. Ich war lange Jahre des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen.

BKZ: Warum sind Sie heute da?

John: Weil ich jetzt nach meinem Ausscheiden Sonderbeauftragter geworden des BLB für dieses Synagogenprojekt in Potsdam bin.

BKZ: Warum ist diese Synagoge wichtig für Potsdam oder für Deutschland, oder allgemein die Bedeutung des Projekts?

John: Na, ich würd sagen, das hat zwei Gründe, der eine Grund ist der, dass die Landeshauptstadt Potsdam die letzte Landeshauptstadt ist, die bisher noch keine Synagoge hatte. Insofern ist es ein ganz wichtiger Tag, dass wir heute mit dem Grundstein den tatsächlichen Baubeginn feiern. Und der andere Grund ist der – der ist ein bisschen schwierig zu erklären –  normalerweise Christen bauen Kirchen für sich selber. Im Land Brandenburg war es so, dass die jüdische Gemeinde damals vor zwölf Jahren das Land gefragt hat, ob das Land auch als Bauherr für diese Synagoge auftreten würde, und da war es mein Job zu sagen, das zu übernehmen…  diese Aufgabe zu übernehmen, und seitdem begleite und betreue ich dieses Projekt.

BKZ: Können Sie bitte kurz die Entwicklung des Projektes zeigen? Wo oder wann sind Sie in das Projekt eingestiegen? Von Anfang an vielleicht? Können Sie die Bauphasen, also die Projektphasen beleuchten

John: Ja, vielleicht kann man so grob in drei Projektphasen einteilen. Die erste Phase war die, dass wir 2008 den Auftrag bekamen, mit der damaligen jüdischen Gemeinde, die für uns die einzige Gemeinde war in Potsdam, weil die anderen gab’s noch gar nicht, das Projekt zu starten, d.h. wie haben ’n Raumprogramm entwickelt, wir haben aus dem Raumprogramm dann ne Ausschreibung entwickelt, eine Architektenplanung, und haben dann einen großen internationalen Wettbewerb durchgeführt. Mit dem Siegerentwurf von dem Architekten Haberland, der ja heute auch hier ist, und dann haben wir begonnen, das Projekt mit der Gemeinde auch zu besprechen, bis zur Frage des Baubeginns. Wir waren also kurz vor dem Baubeginn 2011 und dann gab’s den großen Streit innerhalb der jüdischen Gemeinden und der damalige Ministerpräsident Herr Platzeck hat gesagt: ,Wenn da gestritten wird, dann können wir nicht bauen.’ Also war ein Baustopp 2011 und da wurde gesprochen, gesprochen, gesprochen bis zum Jahr 2020. Und da hat Frau Schüle dann gesagt: ,Jetzt ist Schluss, wir können nicht weiterreden, weil wir kommen zu keiner Einigung innerhalb der jüdischen Gemeinden. Jetzt machen wir eine Vereinbarung mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland, also mit Herrn Schuster, der ist ja auch hier, und dann gab’s quasi ’nen neuen Start, wir haben zwar die alten Pläne genommen, uns aber dann mit dem neuen Partner, ZWST, dann dieses Projekt vorgenommen, sind jetzt in der dritten Phase, und das ist jetzt die eigentliche Bauphase.

BKZ: Wann wird dieses Projekt realisiert? Sie wissen, dass Berlin/Brandenburg bei Projekten einen schlechten Ruf hat, z.B. der Flughafen. Wie sieht es hier aus, also in welchem Jahr wird das fertig?

John: Ich glaub, dass wir jetzt relativ sagen können, dass wir in zwei Jahren, also Ende 2023, das Projekt im Wesentlichen fertig haben werden. Dann gibt’s noch so eine Eingewöhnungsphase, ’ne Einarbeitungsphase, da muss also der Nutzer das Haus dann kennen lernen, wie’s funktioniert, so dass ich sagen kann, im Jahr … Anfang 2024 wird das Gebäude dann feierlich eröffnet werden.

BKZ: Ist das nur ein Gebetsraum?

John: Nein, das ist viel mehr als nur ein Gebetsraum. Es ist ja klar, das Zentrum ist die Synagoge, der Synagogenraum, aber es gibt auch ’n großen Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss, es gibt ’n Café dazu, es gibt Büroräume, es gibt Aktivitätsräume. Das ist insgesamt ein schönes, rundes Gemeindezentrum einschließlich einer Synagoge.

BKZ: Vielen Dank für Ihre Zeit. Danke schön.

Interview geführt von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

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