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18/06/2024
HomeBerlinZentralrat der Juden setzt sich vehement für ausreichende Ausstattung der Gedenkstätten ein.

Zentralrat der Juden setzt sich vehement für ausreichende Ausstattung der Gedenkstätten ein.

Am Rande der Konferenz „Erinnern, um nicht zu vergessen? Erinnerungskultur und Gedenkpolitik in der Pluralistischen Gesellschaft.“ Hat die Berliner Kriminalitätszeitung die folgenden Fragen an Herrn Dr. Josef Schuster, den Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland gestellt.

Warum war die Konferenz „Erinnern, um nicht zu vergessen?“ wichtig? Welche Botschaft wollte der Zentralrat der Juden in Deutschland an die deutsche Politik und die deutsche Gesellschaft schicken?

    Der Zentralrat hat durch die Konferenz „Erinnern, um nicht zu vergessen.“ die große Bedeutung der Erinnerungskultur für unser Land hervorheben wollen. Es ist aus unserer Sicht besonders wichtig den erinnerungspolitischen Diskurs selbstbestimmt zu gestalten.  Die für die Bundesrepublik konstitutive Erinnerungskultur droht im Deutungskampf der Extreme zerrieben zu werden. Daher ist ein entschiedenes Eintreten der gesellschaftlichen Mitte erforderlich.

    Wie sieht der ZdJ die gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren in Deutschland, besonders nach der Gründung der AfD und welchen Einfluss haben diese Veränderung auf die deutsche Erinnerungskultur?

     Mit der AfD hat Deutschland eine Partei in Landesparlamenten und im Bundestag, die geschichtsrevisionistisches Denken bis weit in die Mitte der Gesellschaft bringen will. Wer die Schoa als ,,Vogelschiss der Geschichte“ bezeichnet, will mit dem bundesrepublikanischen Konsens in der Erinnerungspolitik brechen.  Das ist unbestritten ein Angriff auf die Demokratie in Deutschland. Es ist aber auch der Wunsch nach einem „Schlussstrich“ unter die Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Dieser beunruhigenden Entwicklung muss entschieden entgegengetreten werden.

    Es gibt Personalmangel und finanzielle Probleme bei den Gedenkstätten, führt das zur Vernachlässigung der Erinnerungskultur?

    Die Gedenkstätten erlangen als authentische Orte eine noch größere Bedeutung, wenn es keine Überlebenden der Schoa mehr gibt, sodass sie finanziell abgesichert werden müssen. Ebenso muss die wichtige Bildungsarbeit vor Ort materiell und personell gefördert werden. Dafür müssen Bund und Länder ihrer besonderen Verantwortung gerecht werden. 

    Warum müssen die Klassen € 3,– / pro Schüler nur in der Gedenkstätte Sachsenhausen bezahlen? Warum gibt es keinen freien Eintritt für die Schüler – und Studentengruppen? Sie dürfen es nicht „Eintritt “ nennen, sondern „Führungsentgelt für externe Gruppen“.

    Das finde ich kontraproduktiv für die Beförderung der Erinnerungskultur. Der Eintritt zu Gedenkstätten ist frei. Allerdings werden betreute Führungen von Guides angeboten, die für ihre Dienstleistung vergütet werden. Um sicherzustellen, dass alle Gruppenführungen kostenfrei angeboten werden können, ist eine ausreichende Ausstattung der Gedenkstätten erforderlich. Dafür setzt sich der Zentralrat vehement ein.

    Interviewed von Mag. phil. Nader Mohamed

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