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09/03/2026
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Alljährlich seit 1990 veranstalten viele im Weltverband der Gästeführer (WFTGA) vertretene Organisationen am oder um den 21. Februar (Gründungstag des WFTGA) herum den „International Tourist Guide Day“. Der Weltverband der Gästeführer /World Federation of Tourist Guides Association (WFTGA) wurde 1985 gegründet. 1999 schloss sich der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V. (BVGD) dieser Tradition mit Schaffung des Weltgästeführertages (Weltgästeführertag (WGFT) an. Seitdem entscheidet die Mitgliederversammlung jährlich über ein bundesweites Thema, welches dann von den einzelnen Gästeführervereinigungen vor Ort entsprechend den lokalen Gegebenheiten angepasst und umgesetzt wird.

In Berlin haben am 21.02.2026 sieben Gästeführerinnen und die Gästeführer der ca. 300 Mitglieder des Berlin Guide e.V. mit der Aktion „Kostenfreie Führungen“ bei 7 verschiedenen Führungen auf die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung ihrer Berufstätigkeit hingewiesen. Sie luden zu jeweils zwei Führungen ein, die eine um 11:00 Uhr und die andere um 13:00 Uhr. Es gab 190 Meldungen für beide Termine, zuzüglich einer Dunkelziffer, da auch Teilnehmer ohne Anmeldungen kamen.

Organisiert wurde der Berliner Weltgästeführertag von Stefan Heitbrink, Mitglied des Vorstands mit dem Ressort Weltgästeführertag, Tag des offenen Denkmals, Redaktion und Webmaster von berlin-guide.org, Technische Betreuung Vorstandssitzungen & Mitgliederversammlungen. Er bedankte sich bei Tagesspiegel, TP Presseagentur, Deutsche Presseagentur (DPA) und den Berliner Büros der Medienhäuser, die alle den Berliner Verband bei der Vermarktung der Aktion unterstützt haben. Bei seiner Eröffnungsrede der Aktion Weltgästeführertag gab er eine Einführung in die Geschichte des Weltgästeführertags, des Weltverbands der Gästeführer, des Bundesverbands der Gästeführer in Deutschland (BVGD), den Berliner Verband (Berlin Guide e.V.), in die Persona von Herbert Baum und sein Denkmal sowie in das Programm dieser Aktion in Berlin-Mitte. Heitbrink fand die Aktion eine gute Möglichkeit, den Berlinerinnen und Berlinern die Aufgabe der Geisterfahrer näherzubringen. Diese Aufgabe bestehe darin, die Schönheit in der Geschichte, der Kultur aber auch den Alltag der Stadt zu erklären, damit die Gäste diese Informationen und Erlebnisse von denjenigen, die wissen, wovon sie reden, nach Hause mitnehmen können.

Der Treffpunkt war das Herbert-Baum-Denkmal auf der Museumsinsel gegenüber dem Berliner Dom. Dies ist ein bedeutendes Denkmal in Berlin, das an die Widerstandsgruppe um Herbert Baum erinnert. Die Gruppe, die 1942 einen Brandanschlag auf die antikommunistische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten verübte, war stark von jungen und jüdischen Widerstandskämpfern um den Kommunisten Herbert Baum geprägt. Der Denkmalstein wurde 1981 im Auftrag des Magistrats von Berlin (Ost) geschaffen und ist ein Symbol für die Geschichte der Gedenkpolitik der DDR und den Umgang damit nach 1989.

Herbert Baum wurde 1912 geboren und war Teil der nach ihm benannten Herbert-Baum-Widerstandsgruppe. Als jüdischer Mitbürger schloss er sich früh der kommunistischen Linken an. Seine Gruppe stellte einen intellektuellen Protest gegen die National-sozialisten dar. Herbert Baum wurde von den Nationalsozialisten als Zwangsarbeiter in Spandau eingesetzt. Später erhängte er sich in seiner Zelle, um der Hinrichtung zu entgehen. Daraufhin erfolgte  eine Vergeltungsaktion, bei der 150 jüdische Bürger verhaftet wurden. Die Hälfte von ihnen wurde hingerichtet und die andere Hälfte in Konzentrationslager geschickt. Auf der Südseite  des Denkmals führt ein Text in vier Sprachen die 34 Namen der unter den Nationalsozialisten hingerichteten, zumeist jungen und jüdischen Widerstandskämpfer um den Kommunisten Herbert Baum (1912-1942) auf.

Das Programm des Weltgästeführertags 2026 hatte die Folgende Führungen:

  1. Berlin begann an den Ufern der Spree: Diese Führung zeigt, wie sehr die Geschichte Berlins mit dem Wasser verbunden ist. Die Spree diente nicht nur als Wasserquelle, sondern vor allem als Transportweg. Die Funktion der Spree hat sich heute geändert, ihre Bedeutung aber nicht.
  2. Berliner Lustgarten & Museumsinsel: Diese Führung zeigt den ehemaligen Nutzgarten der Hohenzollern und die Museumsinsel mit ihren Kunstschätzen.
  3. Mit offenen Augen durch Schinkels Berlin: Diese Tour gibt einen Überblick über die Bauten Schinkels – die, die noch stehen und die, die verlorengegangen sind.
  4. Mit offenen Augen durch die historische Mitte: Die Teilnehmenden erfahren auf dem Rundgang Wissenswertes über längst verschwundene Gebäude wie die Börse, Schloss Monbijou, die Garnisonskirche oder die Synagoge Heidereutherstraße.
  5. Street Art: Diese Street-Art-Tour gibt einen Überblick über Kunst im öffentlichen Raum – von verborgenen Schätzen bis zu bekannten Werken. Sie zeigt verschiedene Techniken, die Werke etablierter Künstler sowie aufstrebender Talente.
  6. Das Humboldt-Forum, verschwunden und rekonstruiert: Die Teilnehmenden entdecken einen Ort mit bewegter Geschichte, an dem einst das Berliner Schloss und der Palast der Republik standen. Sie erleben, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind.
  7. Verschwundene Gotteshäuser: Die Teilnehmenden entdecken Überreste der Denkmalkirche am Dom und der Alten Synagoge – zwei Gotteshäuser, die einst wichtig waren, heute aber längst vergessen sind.

Wie sahen die teilnehmenden Berliner Gästeführer die Bedeutung des WGFT für die Berlinerinnen und Berliner?

Maren Richter (Beisitzerin im BVGD Vorstand): zeigt regelmäßig ganz unverbindlich den Einwohnerinnen und Einwohnern, dass es sich auch für sie lohnt, ihre Region mit einem professionellen Guide zu erkunden. Sie erfahren die Perspektive von Touristen, und das ist gut für das Verständnis dieses so wichtigen Wirtschaftszweiges.

Anna Haase

„Der WGFT ist wichtig für Berlinerinnen und Berliner, damit sie darüber informiert werden, dass es unseren Verband gibt und darüber, was wir machen. In wie vielen Sprachen wir führen, wie vielfältig unsere Arbeit ist und welche Probleme wir haben.“

Gundula Schmidt-Graute

„Der WGFT ist wichtig für Berlinerinnen und Berliner, weil sie Unbekanntes in ihrer Stadt kennen und uns Gästeführer schätzen lernen. Ich habe meine Gäste zu den Orten nicht mehr existierender Gebäude in Mitte geführt. Erstaunlich, wie viele Menschen gekommen sind, um sich „nichts“ anzuschauen.“

Lillian Kapraun

wollte die Gelegenheiten nutzen, „mal in einem Thema, wo ich sonst in die Breite gehe, heute in die Tiefe zu gehen.“ Sie möchte einen guten Eindruck hinterlassen und Gäste begeistern, was unsere tolle Stadt alles zu bieten hat. Lillian ist Geschichtsnerd und sie denkt, es ist ganz wichtig, dass Menschen wissen, wo sie herkommen und wie ihre eigene Geschichte aussieht, um die Gegenwart zu verstehen.

Martin Januszewski

fasste die Bedeutung der heutigen Aktion mit wenigen Worten zusammen: „Man beschäftigt sich meistens wenig mit der eigenen Stadt, in der man lebt. Unsere Gäste können heute Berlin mit unseren Augen kennenlernen und Dinge erfahren, auf die man sonst nicht achtet, und das passt zu unserem diesjährigen Motto „Mit offenen Augen durch …“.

Pascal Jeanrenaud

„Viele Berliner glauben, ihre Stadt bereits gut zu kennen – manchmal so gut (oder auch so

schlecht), dass sie Berlin nicht unbedingt als ihre große Liebe bezeichnen würden. Und Stadtführungen? Sind die nicht nur für Touristen? Der Weltgästeführertag bietet die Möglichkeit zu zeigen, dass Gästeführer ein wichtiges Bindeglied in unserer Hauptstadt sind – für alle. Einmal im Jahr finde ich es besonders toll, dass so viele Gästeführer ganz unterschiedliche Themen anbieten – und das alles kostenlos, in der Hoffnung, das Interesse an Stadtführungen zu wecken. Wir zeigen Berlin in seiner ganzen Vielfalt und helfen dabei, die Stadt mit offenen Augen und echtem Interesse zu verstehen … und vielleicht sogar zu lieben. Ich jedenfalls liebe meine Stadt.“

Peter Putz

wollte als Fremdenführer einen kleinen Beitrag leisten. Er ist seit zwei Jahren Mitglied bei Berlin Guide e.V.,  stammt aus Bayern und lebt seit langer Zeit in Berlin. Er kann Führungen in Englisch, Deutsch und Niederländisch anbieten.

von Mag. phil. Nader Mohamed aufgenommen und verschriftet
und von Kirsten Mische revidiert.

Stefan Heitbrink bei seiner Eröffnungsrede

Maren Richter

Peter Putz

Anna Haase

Pascal Jeanrenaud

Gundula Schmidt-Graute

Lillian Kapraun

Martin Januszewski

Alljährlich seit 1990 veranstalten viele im Weltverband der Gästeführer (WFTGA) vertretene Organisationen am oder um den 21. Februar (Gründungstag des WFTGA) herum den „International Tourist Guide Day“. Der Weltverband der

Das Korrespondenten Cafe und – erstmals – der diplo.academy haben gemeinsam am 18. Februar 2026, zwischen18:00 Uhr und 20:00 Uhr in der österreichischen Botschaft, in der Stauffenbergstr. 1, 10785 Berlin eine Veranstaltung organisiert. Diese Veranstaltung war die Buchvorstellung und Diskussion: „SICHERHEIT IM ALL – WIE WIR EUROPA IM WELTRAUM VERTEIDIGEN“. Die Teilnehmer waren Prof. Dr. Heinrich Kreft und Dr. Nicolaus Hanowski (Ph.D. Earth and Planetary Sciences, der Leiter der Satelliten-Missionen der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Die Begrüßung und die Einführung hat der Journalist Ewald König übernommen, die Moderatorin war Gudrun Dometeit, die Chefredakteurin von diplo.news.

Zu dem Buch:

Das Buch „Sicherheit im All – Wie wir Europa im Weltraum verteidigen“ bietet eine umfassende Analyse der Sicherheitslage im Weltraum und die notwendigen Maßnahmen, um Europa in diesem strategisch wichtigen Sektor zu verteidigen. Die Autoren, die aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft stammen, haben konkrete Empfehlungen und Strategien skizziert, um die Sicherheit und Interessen Europas im Weltraum zu schützen.

Die Themen der Diskussion waren:

  1. Der US-Präsident Trump will 2028 wieder Astronauten auf den Mond schicken, einen ständigen Außenposten errichten und dabei China zuvorkommen.
  2. China wiederum plant zahlreiche Mars-Missionen und setzt spätestens 2040 auf fliegende Flugzeugträger als Teil seiner strategischen Luftverteidigung.
  3. Elon Musk, größter Satellitenbetreiber weltweit, träumt von Datenzentren im All.
  4. Der Kampf um den Weltraum hat längst begonnen. Aber wo steht Europa in diesem Wettrennen? Kann es mithalten?
  5. Wem gehört überhaupt der Weltraum? Und welche Folgen hat die Nutzung für Sicherheit und Umwelt?

Prof. Dr. Heinrich Kreft, der ehemalige deutsche Botschafter in Luxemburg, der Direktor eines Programms bei Diplomatic Academy des Auswärtigen Amts, Buchautor & Dozent der Diplomacy und International Relations an der Andrássy Universität Budapest hat die folgende Rede gehalten:

Meine Damen und Herren,

der Weltraum ist kein ferner Ort mehr. Er ist Teil unseres Alltags. Und er ist Teil unserer Sicherheit, Navigation, Kommunikation, Finanzmärkte, Energieversorgung, Katastrophenschutz, und militärische Führung. All das hängt heute vom Weltraum ab. Wenn Satelliten ausfallen, steht mehr still als uns bewusst ist. Der Weltraum ist damit zu einer kritischen Infrastruktur geworden. Und damit zu einer geopolitischen Sicherheitsdimension. Genau davon handelt dieses Buch.

1. Der Weltraum als geopolitische Sicherheitsdimension

Lange galt das All als neutraler Raum, als wissenschaftliche Sphäre und als Ort der Kooperation. Diese Zeit ist vorbei. Der Weltraum ist heute ein strategischer Raum. Er wird überwacht. Er wird militärisch genutzt. Und er wird vorbereitet auf Konflikte. Nicht, weil Europa das will, sondern weil andere es längst tun. Die Satelliten sind keine zivilen Objekte mehr, sie sind militärische Ziele, Kommunikationsknoten, Sensoren und Machtinstrumente. Wer den Weltraum kontrolliert, kontrolliert Informationen. Und damit Entscheidungen. Der Weltraum ist damit ein Teil moderner Abschreckung und ein Teil moderner Kriegsführung.

2. Globale Weltraumakteure: USA, China und Russland

Die drei Staaten prägen heute die strategische Ordnung im All.

Die USA sind führend technologisch, militärisch und kommerziell. Sie denken den Weltraum seit Jahren als „War-Fighting Domain“. Also als eigenständigen militärischen Operationsraum mit eigener Teilstreitkraft und klaren Doktrinen.

China holt schnell sehr schnell auf. Der Weltraum ist für China ein Schlüssel zur Großmachtstellung. Peking investiert massiv in Trägerraketen, Satelliten und Anti-Satelliten-Fähigkeiten. China denkt langfristig und strategisch.

Russland schließlich ist ein revisionistischer Akteur mit großer Erfahrung, aber begrenzten Ressourcen. Moskau setzt auf Störfähigkeit, Sabotage und Abschreckung durch Unsicherheit. Alle drei Akteure haben eines gemeinsam: Sie bereiten sich auf Konflikte im All vor. Europa tut das bislang nicht ausreichend.

3. Wo steht Europa?

Europa ist stark, aber nur auf den ersten Blick. Europa verfügt über exzellente Technologie, gute Wissenschaft und erfolgreiche Programme wie Galileo oder Copernicus, aber Europa ist strategisch, politisch, militärisch und industriell fragmentiert. Es gibt keine einheitliche europäische Weltraumdoktrin, keine gemeinsame Abschreckungslogik oder klare Verantwortung. Europa ist abhängig von amerikanischen Startdiensten, amerikanischer Technologie und amerikanischem Schutz. Diese Abhängigkeit ist bequem, aber sie ist gefährlich, denn Sicherheit, die man nicht selbst gewährleisten kann, ist keine echte Sicherheit.

4. Europas strategische Verwundbarkeit

Europa ist im Weltraum besonders verwundbar aus drei Gründen.

Erstens: Europa besitzt nur begrenzte Resilienz. Ein Ausfall weniger Satelliten hätte massive Folgen.

Zweitens: Europa hat kaum eigene Schutz- und Abwehrfähigkeiten im All, weder technisch, noch politisch klar legitimiert.

Drittens: Europa zögert aus historischen, rechtlichen und politischen Gründen. Doch Verwundbarkeit lädt zur Erpressung und zur Eskalation ein. Strategische Naivität ist heute kein moralischer Vorteil mehr. Sie ist ein Risiko.

5. Militärische Dimensionen und Rüstung im Orbit

Die Rüstung im Weltraum findet statt. Ob wir es wollen oder nicht. Die Satelliten können geblendet, gestört, manipuliert oder zerstört werden. Es gibt Anti-Satelliten-Waffen vom Boden aus, aus der Luft und aus dem All. Es gibt Cyberangriffe auf Bodensegmente und elektronische Kriegsführung gegen Signale. Das alles geschieht bereits, teilweise täglich unterhalb der Schwelle des offenen Konflikts. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Wollen wir Militarisierung?“ Sondern: „Wie gehen wir mit ihr um?“. Das Ignorieren oder Regeln ohne Macht schützen nicht. Die Abschreckung ist kein Tabu. Sie ist eine Realität.

6. Normative Ordnungen und Weltraumrecht

Der Weltraum ist rechtlich geregelt, zumindest auf dem Papier. Der Weltraumvertrag von 1967 war ein Meilenstein. Er verbietet Massenvernichtungswaffen im All. Er schreibt die friedliche Nutzung fest. Aber er stammt aus einer anderen Zeit. Aus einer bipolaren Welt. Aus einer Welt ohne private Akteure. Heute ist das Weltraumrecht lückenhaft, unpräzis und schwer durchsetzbar. Was ist eine aggressive Handlung im All? Was ist die Selbstverteidigung? Was ist noch zivil, was schon militärisch? Diese Fragen sind offen. Und sie werden politisch instrumentalisiert. Das Recht braucht die Durchsetzungsfähigkeit, sonst bleibt es eine Dekoration. Europa sollte hier eine führende Rolle übernehmen. Aber realistisch, nicht naiv.

7. Der Einfluss privater Akteure

Der Weltraum ist nicht mehr staatlich dominiert. Private Akteure prägen ihn zunehmend, wie z.B. SpaceX, Blue Origin, Amazon, Start-ups in Europa und Asien. Private Unternehmen starten heute mehr Raketen als viele Staaten zusammen. Das verändert die Machtstrukturen und die Verantwortlichkeiten. Wer haftet bei Schäden? Wer kontrolliert sicherheitsrelevante Daten? Wer entscheidet im Krisenfall? Diese Fragen sind nicht geklärt. Und sie sind hochrelevant, auch juristisch. Der Staat zieht sich zurück. Aber die Sicherheit bleibt staatliche Aufgabe. Hier braucht es klare Regeln und klare Rollen.

8. Deutschlands und Europas Aufholjagd im Weltraum

Europa hat begonnen zu spät, aber nicht zu spät umzudenken. Deutschland investiert stärker in Raumlageerfassung, militärischen Satelliten und in der europäischen Kooperation. Die EU entwickelt die ersten sicherheitspolitischen Instrumente. Der Weltraum ist ein Teil der Sicherheitsstrategie geworden. Das ist richtig, aber es reicht nicht. Europa muss schneller, entschlossener und strategischer werden. Die Koordination zwischen EU, ESA und nationalen Programmen ist entscheidend.

9. Eine ambitionierte europäische Raumfahrtstrategie

Europa braucht eine klare Strategie, nicht zehn Papiere. Diese Strategie muss drei Ziele haben: Erstens: Autonomie, i.e. Zugang zum All und unabhängige Systeme. Zweitens: Resilienz, i.e. Schutz kritischer Infrastruktur, Redundanzen und schnelle Ersatzfähigkeit. Drittens: Handlungsfähigkeit, i.e. Politisch, Rechtlich und Militärisch. Eine Strategie bedeutet Prioritäten und Prioritäten kosten Geld.

10. Mehr Marktwirtschaft in der europäischen Raumfahrt

Europa ist zu langsam, zu bürokratisch und zu staatlich. Der New-Space-Ansatz funktioniert auch in Europa, wenn man ihn lässt. Der Wettbewerb schafft Innovation. Die Innovation schafft die Sicherheit. Der Staat muss steuern, aber nicht alles selbst machen. Die öffentlich-privaten Partnerschaften sind kein Risiko, sondern eine Notwendigkeit. Europa muss seine Industrie stärken und nicht behindern.

11. Autonome Verteidigungsfähigkeit im Weltraum

Am Ende geht es um eine einfache Frage: Kann Europa sich selbst schützen? Auch im Weltraum? Autonomie heißt nicht Autarkie (Anmerkung der Redaktion: wirtschaftliche Unabhängigkeit eines Privathaushalts, einer Region oder eines Staates durch die vollständige oder teilweise Selbstversorgung mit Gütern und Dienstleistungen), aber sie heißt Entscheidungsfreiheit. Europa muss in der Lage sein, Bedrohungen zu erkennen, Angriffe zuzuordnen und angemessen zu reagieren. Nicht aggressiv, aber glaubwürdig. Die Verteidigungsfähigkeit ist kein Widerspruch zu Recht. Sie ist dessen Voraussetzung.

Meine Damen und Herren, der Weltraum entscheidet nicht über alles. Aber ohne ihn funktioniert fast nichts mehr. Dieses Buch ist kein Alarmismus. Es ist eine nüchterne Analyse. Es fordert nicht Militarisierung. Es fordert Verantwortung. Europa steht an einem Wendepunkt. Auch im All. Die Frage ist nicht, ob wir handeln müssen. Die Frage ist, ob wir es rechtzeitig tun.

Vielen Dank.

Das Korrespondenten Cafe und – erstmals – der diplo.academy haben gemeinsam am 18. Februar 2026, zwischen18:00 Uhr und 20:00 Uhr in der österreichischen Botschaft, in der Stauffenbergstr. 1, 10785 Berlin

Der Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik (ASP) Oberbayern der CSU Starnberg hat in der Schlossberghalle in Starnberg bei München ein Treffen mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr General Carsten Breuer veranstaltet. General Breuer hat einen Vortrag vor ca. 500 Gästen gehalten und eine lange Fragerunde geführt. Das Publikum zeigte ein großes Interesse an der Sicherheitspolitik, dies wurde durch die Diskussion mit General Breuer in der Fragerunde des Vortrages oder sogar nach dem Ende des Vortrages und auch bei den Small-Talks und Seitengesprächen unter dem Publikum bis in den S-Bahn Zug nach München deutlich.

Die Leute waren von dem Bildungsniveau des Generals, seiner Präsenz und seinem Charisma, was vielen Politikern in Deutschland fehlt sowie von seiner köstlichen Sinn für Humor sehr begeistert und beeindruckt. General Breuer sprach ausführlich über die aktuelle Lage der Bundeswehr und die Einstellung der Gesellschaft zur „Kriegsertüchtigung“ der Bundeswehr und  über das gute Verhältnis in der NATO zu den USA. Der General nahm sich viel Zeit für direkte Gespräche, dies erlaubte die Berliner Kriminalitätszeitung mehr Diskussion über die Bundeswehr.  

Unter den Gästen waren:

– Fromuth Heene – Vorsitzende des Außen- und Sicherheitspolitischen Arbeitskreises Starnberg

– Stefan Frey – Landrat

– Ute Eiling-Hütig MdL

– Michael Kießling MdB

– Max Eckhart – Deutscher Bundeswehr Verband e.V.

– Ulrich-Peter Staudt – ASP Oberbayern

– Andreas Weger – CSU Starnberg

– Fabian Forster – Reservistenverband Bayern

In seiner Rede „Sicherheit in Zeiten des Umbruchs“ hob General Breuer zunächst die starke Verbundenheit der Region um den Starnberger See und in Bayern überhaupt mit der Bundeswehr hervor, auch die Bereitschaft, „aktuelle Herausforderungen gemeinsam zu schultern“. Für Breuer ist der genannte Umbruch ein „Epochenbruch“.

Was geht an der sicherheitspolitischen Lage über das Normale hinaus? Was ist heute noch das Normale? Anders sei auf jeden Fall die Komplexität, die Geschwindigkeit, in der sich diese Lage immer wieder ändere. Dies sei praktisch die Konstante, auf die man sich verlassen könne. So war Venezuela vor zwei Monaten noch nicht in den Schlagzeilen. Wir ändern unsere Gewohnheiten, unsere Gewissheiten und unsere Perspektiven. Auch die Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende habe vielleicht noch Überraschungen parat. In dem angesprochenen sicherheitspolitischen Bruch gebe es eine bedrohliche Konstante, und zwar Russland, das aufgrund seiner Größe aus militärischer Sicht noch immer die größte, unmittelbare, Bedrohung für den euroatlantischen Raum sei. Es liege in der deutschen Verantwortung, dieser Bedrohung etwas entgegenzusetzen. Trotz erheblicher Verluste rüste Russland permanent auf, Analysten erwarteten einen Zuwachs seiner Streitkräfte auf 1,5 Millionen noch in diesem Jahr, also auf das Doppelte der Vorkriegsstärke. Präsident Selenskyj auf der anderen Seite spreche von über 2,3 Millionen, was aber bis jetzt unbestätigt sei. Russland baue neue militärische Strukturen auf, die insgesamt gegen den Westen ausgerichtet seien. Es lerne systematisch aus seinen Fehlern. So habe es zuerst Schildkrötpanzer gegen Drohnen eingesetzt, dann Drohnen-Dummies gegen die Luftabwehr. 2029 könnte Russland in der Lage sein, einen Krieg gegen einen NATO-Mitgliedsstaat zu führen.

Wir Deutschen sähen wohl die Dinge, aber wir wollten sie nicht wahrhaben. Breuer sieht seine Aufgabe jedoch darin, das „worst-case“-Szenario zu denken. Deutschland müsse auf 2029 vorbereitet sein, indem es möglichst abschreckt. Es müsse Putin zeigen, dass sich ein Angriff gegen uns bzw. das NATO-Bündnisgebiet nicht lohnt, weil der Preis zu hoch wäre. Wir NATO-Mitglieder müssten also unsere Reihen geschlossen halten.

Wenn man Putin den Donbass und die Krim überließe und die Garantie gäbe, dass die Ukraine nicht in die NATO aufgenommen wird, würde er nach Breuers Ansicht einfach weitermachen, mit allen wirtschaftlichen und politischen Folgen. Putin gehe es nicht nur um die Ukraine, Landgewinne oder Bodenschätze, Putin ziele auf das ab, was liberale Demokratien wie unsere im Innersten zusammenhalte: unsere Werte, unsere Freiheiten, unsere Überzeugungen. Es gehe um viel mehr als nur darum, den Status Quo zu bewahren. Wir müssten die Voraussetzung dazu verteidigen, dass wir unsere Zukunft gestalten und weiterhin in Frieden und Freiheit leben können.

Wie sehr fühlen wir uns unserem Frieden und unserer Freiheit verpflichtet? Wenn wir darüber nachdenken, fühlen wir uns beklommen, wünschen uns das Gewohnte zurück, für das wir die gewohnten Lösungen haben. Aber dafür gebe es jetzt keine Zeit mehr. Man könne nicht auf Veränderungen von selbst hoffen. Es gebe eine Bedrohung, die nicht wegzudiskutieren ist. Wir müssten den nächsten Schritt in Richtung Lösung des Problems machen. Der General versteht alle die, die Uniform tragen, als Teil dieser Lösung. Frieden und Konflikt seien Zustände, die mehr und mehr miteinander verschwimmen, nicht mehr klar zu trennen sind. Auch in Deutschland seien mehr und mehr Angriffe in diesen Graubereich zu beobachten. „Nicht mehr Frieden, aber auch noch nicht ganz Krieg.“ Aktionen wie Spionage, Sabotage, Desinformation, Diskreditierung und nukleare Rhetorik nähmen sowohl an Quantität wie auch an Qualität weiter zu, in Deutschland wie in anderen NATO-Ländern. Dies finde gezielt an der Nahtstelle unterschiedlicher Zuständigkeiten statt, zwischen innerer und äußerer Sicherheit. Bei allen Militärs sei bekannt, wenn man beim Gegner eine Grenze erkennt, setzt man am besten an dieser mit der eigenen Aktion an. Dort hat der Gegner die größten Schwierigkeiten zu koordinieren, abzustimmen, einem Angriff etwas entgegenzusetzen. An dieser Grenze müssen wir abstimmen, wer eigentlich was macht. Die Angriffe an unserer Grenze haben das Ziel, uns zu verunsichern, unsere Gesellschaft zu spalten und Zweifel an unseren staatlichen Institutionen zu säen. Doch welche Schlussfolgerungen ziehen wir aus diesen Angriffen? Die gesamte Gesellschaft ist hier gefragt, nicht nur die Regierung.

General Breuer war zuletzt in der Ukraine in Charkiw, 35 km hinter der Front. Er sah sich einen Gefechtsstand an und nahm Gelegenheit, durch die Stadt zu fahren. Es sei wie in einer normalen mitteleuropäischen Stadt gewesen, mit nahezu ungestörtem Alltag. Nur ab und zu unterbreche der Krieg die Normalität der Leute. Der General habe sich, wie andere Leute auch, eine App aufs Handy geladen, die anzeigt, wenn Drohnen oder Marschflugkörper im Anflug sind. Damit könne man selbst entscheiden, ob man in den Luftschutzbunker geht. Diese App habe Breuer inzwischen auf Vibrationsalarm gestellt und erlebe nun immer noch mit, wieviele Angriffe dort stattfinden.

Neben Russland stehen Israel, Gaza, Libanon, Jordanien, Iran, Irak und immer wieder Syrien auf der Tagesordnung. Wir würden in einer Welt voller gegensätzlicher Ordnungsentwürfe, wachsender Polarität, und in einer Welt systematischer Rivalität leben, in der sich jede Krise, jeder Konflikt, aber auch jeder Krieg global auswirken könne. Alles sei miteinander verbunden. Wir müssten diese Hotspots miteinander verbinden, denn genau das machten andere auch. Putin handele schon nicht mehr allein, sondern gemeinsam mit China, Iran und Nordkorea. Wie müssten diese Wechselwirkungen und Zusammenhänge aus 360 Grad betrachten, aus Deutschland heraus. Wir müssten sie diskutieren und die Folgerungen daraus ziehen, und zwar im nötigen Tempo. Unser sicherheitspolitisches Umfeld wird nicht nur volatiler, sondern auch komplexer. Vor wenigen Jahren noch hätten wir uns das so nicht vorstellen können oder wollen. Was wir jetzt erleben, ist für Breuer die gefährlichste Zeit in seinen über 40 Jahren als Soldat. Wir haben in Europa mehr als 30 Jahre in absolutem Frieden gelebt. Er stellt die Frage, ob das der Normalzustand war, oder was wir jetzt gerade erleben. Wir dächten immer, es kann doch nicht sein, was nicht sein darf – aber wir müssen damit leben.

Während Deutschland am Anfang der NATO eher unten gehalten werden sollte, werde heute zunehmend aus dem Bündnis heraus die Aufforderung immer lauter, dass Deutschland Verantwortung übernehmen möge, und zwar wirtschaftlich, politisch und auch militärisch. Denn die NATO müsse stark bleiben, was auch immer passiert. In der Bundeswehr würden an allen möglichen Stellen Hebel angesetzt, um dieser wachsenden militärischen Verantwortung gerecht zu werden. Die grundgesetzlich verankerte Ausklammerung der Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben aus der Schuldenbremse habe dazu den Weg sehr deutlich geebnet. Breuer unterstreicht die daraus resultierende Verlässlichkeit und Planungssicherheit für die Truppe wie auch für die Industrie. Das Sondervermögen dagegen sei gut, aber bei weitem nicht ausreichend gewesen. Die jetzt vorhandenen großen Spielräume gingen jedoch auch mit einer großen Verantwortung einher. Es müsse das Richtige gekauft werden, um kriegstüchtig zu werden, um damit Deutschland, das Bündnis und Europa zu verteidigen. Kann die Bundeswehr Deutschland verteidigen? Der General bejaht das. Sie könne das auch besser als die Ukraine, wenn das bestellte Material ankommt. Die Truppe sei also einsatzbereit und kriegsfähig.

Die Berliner Kriminalitätszeitung hat die Möglichkeit die folgenden Fragen Herrn General Breuer zu stellen:

BKZ: Herr General Breuer, Sie haben hier vor der Presse gesagt, dass wir jeden Zentimeter der NATO verteidigen können. Aber ich habe Ihren Kollegen, den Inspekteur der Marine Admiral Kaack, interviewt und er hat mir gesagt ,Heutzutage gibt es nur 25 % der Schiffe, die es zu der Zeit gab, als ich angefangen habe’. Ist jetzt Deutschland sehr weit weg von dem Ziel, jeden Zentimeter zu verteidigen?

General Breuer: Die NATO hat sich auf die Fahne geschrieben, jeden Zentimeter des Bündnisgebietes verteidigen zu können, und daran arbeiten wir im Moment. Ich glaube, ich habe die Lücken, die wir ja nicht nur in Deutschland haben, sondern die wir ja insgesamt auch in vielen anderen westlichen Staaten haben, ich glaube diese Lücken sind uns allen klar. Und genau deshalb müssen wir jetzt auch, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in der NATO insgesamt, die Verteidigungsanstrengungen nach oben schrauben. Ich meine, genau das ist doch der Grund, weshalb wir über 3,5 % des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung sprechen. Genau das ist doch der Grund, weshalb wir darauf die 1,5 % für verteidigungswichtige Infrastruktur nochmal legen, so dass wir auf Ausgaben in diesem Bereich von 5 % kommen. Mit dem Ansatz und über die nächsten Jahre hinweg wird genau das passieren. Wenn wir das heute schon könnten, würden wir wahrscheinlich solche Diskussionen kaum führen.

BKZ: Ich habe nur die Marine angesprochen, also Flugabwehr, Luftwaffe. Es gibt viele Mängel in verschiedenen Bereichen.

General Breuer: Das ist absolut richtig. Und deswegen habe ich ja auch eine Pyramide, eine Prioritätenpyramide, aufgestellt, um für mich und für die Bundeswehr… für mich klar ist, und wie ich das versucht habe, deutlich zu machen, auch für die Bundeswehr einen klaren Fahrplan hingelegt habe, was wir in welcher Priorität zunächst mit aufbauen müssen. Und dazu gehört die Flugabwehr auf jeden Fall mit dazu, da gehört zu der Arbeit eben auch der Weltraum mit dazu, also Aufklärungsfähigkeiten und Führungsfähigkeiten aus dem Weltraum zum Beispiel auch. Da gehört aber auch die precision strike, also low-range-Waffen, ebenso wie Luftfahrzeuge oder Kampfpanzer. Und das in einer Priorisierung so abgestimmt, dass es in die NATO-Pläne mit hineinpasst.

Auf einer Frage der BKZ nach der Notwendigkeit eines Flugzeugträgers für die Bundeswehr lehnte General Breuer dies vehement ab und sagte: „Nein, nein, nein. Deutschland braucht keinen Flugzeugträger.“.  

Der Beitrag wurde von Mag. phil. Nader Mohamed aufgenommen, geschrieben

und von Kirsten Mische revidiert.

Der Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik (ASP) Oberbayern der CSU Starnberg hat in der Schlossberghalle in Starnberg bei München ein Treffen mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr General Carsten Breuer veranstaltet. General

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, sagte in seinem Grußwort am 44. Tag der offenen Tür der Polizei Berlin in der Polizeiakademie: „Wir sollen unsere Berliner Polizei feiern, denn die haben das richtig verdient.“. Im Hinblick auf die gute Zusammenarbeit zwischen ihm und Iris Spranger, der Senatorin für Inneres, Digitalisierung und Sport, fügte er hinzu: „Zwischen uns beiden passt kein Blatt.“ Für Wegner ist die Berliner Polizei sowohl Bürgerpolizei als auch Hauptstadtpolizei mit den größten Herausforderungen.

Über die Berliner Polizei sagte Wegner: „Mit der Berliner Polizei kann man lachen, kann man Spaß haben, aber wer unsere Polizei angreift, sie beschimpft oder Hass und Hitze gegen unsere Polizeikräfte sät, wird mit unserer Polizei keinen Spaß haben und das ist auch gut so. Die Innensenatorin und ich wollen unserer Polizei den größten Rückhalt geben. Über 80% der Bürger vertrauen unserer Polizei und ich wünsche mir, dass es 95% werden. Unsere Polizei verdient diesen Rückhalt. Sie leisten tagtäglich Großartiges für unsere Sicherheit, ja für unsere Freiheit, für die Art, wie wir in unserer Stadt leben und für mich ist es wichtig, dass wir unseren Kräften Vertrauen schenken und ich tue es aus tiefer Überzeugung. Wir haben in den letzten zweieinhalb Jahren unser Polizeigesetz verschärft und unser Berliner Polizeigesetz ist das konsequenteste in ganz Deutschland. Wir als Hauptstadt haben Demonstrationsgeschehen, das es so nicht in ganz Deutschland gibt. Ich bin den Einsatzkräften dankbar, dass sie die Demonstrationen schützen und begleiten. Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut und das gehört auch zu unserer Demokratie, zu unserer Freiheit. Berlin ist die Stadt der Freiheit, der Vielfalt, der Toleranz und der Offenheit, aber meine Toleranz endet dort, wo unsere Toleranz mit Füßen getreten wird. Die ersten, die das meistens abbekommen, sind die Einsatzkräfte der Polizei, die angegriffen werden, beschimpft werden, mit Steinen beschmissen werden, und ich kann ihnen nur sagen: „Sie haben meinen vollen Rückhalt bei Ihren Einsatzlagen und wenn es mal nötig ist, robust gegen solche Straftaten vorzugehen, dann sollen Sie das auch tun. Da haben Sie meine volle Unterstützung. Ich empfehle den Jugendlichen, sich mit der Polizei auseinanderzusetzen, wir brauchen viele Frauen und Männer in Uniform, auch in Zivil.“ Kai Wegner bedankte sich bei der Polizeipräsidentin, Frau Slowik, und bei den Organisatoren des Festes.

Kai Wegner unternahm auch einen Rundgang durch die Polizeiakademie, wo er spannende Einblicke in den Arbeitsalltag der Berliner Polizei erhielt und ein paar Vorführungen erlebte, wie z. B. einen spektakulären Einsatz des Spezialeinsatzkommandos (SEK) mit ihren Diensthunden und der Wasserschutzpolizei Berlin. Die Polizeiabteilungen und -dienststellen stellten ihre Fähigkeiten unter Beweis und zeigten ihre Aufgaben: Verkehr, Opferschutz und Seniorensicherheit, Schutz vor Einbruch, Autodieben, Alkohol und Drogen, „Brennpunktarbeit“, Landeskriminalamt, Einsatzlagen und Einsatzmittel, Polizei als Arbeitgeber, Ausbildung und Studium. Die Berliner Polizei braucht dringend Nachwuchs, deswegen macht sie viel Werbung für sich als Arbeitgeber. Der Einstieg in den Polizeivollzug ist von 16 bis 41 Jahren möglich. Es gab auch viele erlebnisreiche Aktivitäten für die Kinder: Spielen, Basteln und Geschenke. Neben der Polizei haben auch z. B. der Zoll, die AWO (Seniorennetz Berlin), die Gewerkschaft der Polizei, Zentrum für Berufsethik und Reflexion und die Mitarbeiter des Justizvollzuges teilgenommen.

Am Rande dieses Festes der Berliner Polizei hatte die Berliner Kriminalitätszeitung die Möglichkeit, das folgende kurze Interview mit der Polizeipräsidentin Frau Barbara Slowik zu führen:

BKZ: Frau Slowik, was wünschen Sie sich als Behördenleiterin, von der Politik?
Slowik: Ich wünsche mir von der Politik vor allem Rückhalt für die Polizei, natürlich immer mit differenziertem Blick. Wenn etwas nicht gelingt, wenn etwas nicht gut gearbeitet ist, dann ist Kritik natürlich erforderlich, aber ansonsten ist Rückhalt wichtig für unsere Kolleginnen und Kollegen. Und natürlich brauchen wir eine optimale Ausstattung, um sicher zu sein, das kostet Geld und wir brauchen Digitalisierung. Das ist von zentralerer Bedeutung. Wenn wir weniger Menschen werden, auch Nachwuchskräfte weniger werden, brauchen wir mehr Technologie und mehr Digitalisierung in der Polizei Berlin.

BKZ: Wie akut ist die Situation der Berliner Polizei in den Punkten, die Sie gerade erwähnt haben?
Slowik: Wir sind in der Nachwuchsbildung sehr stark, wir unternehmen ganz vieles. Aber dennoch ist es natürlich immer schwieriger – wie in allen Branchen – gutgeeigneten Nachwuchs zu finden, das ist durchaus schwierig. Der Haushalt ist soweit auskömmlich. Die Politik hat vieles für uns getan. Aber natürlich gerade im Bereich Digitalisierung kostet es zu viel Geld, Lizenzen kosten viel Geld und wir brauchen durchaus Unterstützung.

Der Beitrag wurde von Mag. phil. Nader Mohamed aufgenommen, geschrieben
und von Kirsten Mische revidiert.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin Kai Wegner, Die Polizeipräsidentin von Berlin Barbara Slowik und die Senatorin für Inneres, Digitalisierung und Sport, Iris Spranger

Spezialeinsatzkommando (SEK)

AWO (Seniorennetz Berlin)

Zentrum für Berufsethik und Reflexion, die Präsidentin der PolizeiakademieTanja Knapp

Landesstelle Digitalfunk BOS Berlin

Zollfahndungsamt: Gemeinsame Ermittlungsgruppe Zigaretten (GEZig)

Hauptzollamt Berlin: Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS)

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, sagte in seinem Grußwort am 44. Tag der offenen Tür der Polizei Berlin in der Polizeiakademie: „Wir sollen unsere Berliner Polizei feiern, denn

Berlin, 4. September 2025 – Die IFA Management GmbH, GFU Consumer & Home Electronics GmbH, Clarion Events Ltd, Messe Berlin GmbH, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, und Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Franziska Giffey, geben bekannt: Der Vertrag für den Verbleib der IFA (Innovation for all) in Berlin wird vorzeitig verlängert. Damit ist geklärt, dass das weltweit größte Event für Home & Consumer Tech auch weiterhin bis mindestens 2034 auf dem Berliner Messegelände stattfinden wird. Diese Entscheidung unterstreicht die zentrale Bedeutung der IFA für Berlin, den Wirtschaftsstandort Deutschland und die globale Technologiebranche. Die Vertragsunterzeichnung erfolgte im Rahmen der IFA Opening Night am 4. September 2025 und schafft damit langfristige Planungssicherheit für Aussteller, Handelspartner und Besucher

„Wir freuen uns insbesondere darauf, die Zusammenarbeit mit dem Technologiestandort Berlin weiter zu intensivieren. Ziel ist es, gemeinsam Zukunftsthemen weiterzuentwickeln und Talente, KMUs und Kreative zu vernetzen. So entsteht ganzjähriger Mehrwert für Stadt, Wirtschaft, Bürger und die IFA“, ergänzt Dr. Sara Warneke, Geschäftsführerin der GFU. Die GFU Home & Consumer Tech ist die zweite Gesellschafterin der IFA Management GmbH und Markeninhaberin der IFA.

Über die IFA Berlin

Die IFA Berlin ist das weltweit führende Event für Home & Consumer Technologies und feiert über ein Jahrhundert Innovation. Seit 1924 ist die IFA Berlin das führende globale Event, auf der Technologieführer, Innovatoren und Branchenexperten zusammenkommen, um bahnbrechende Produkte zu präsentieren und die Zukunft der Unterhaltungselektronik zu gestalten. Die Veranstaltung findet jedes Jahr im September in Berlin statt.

  • Es folgt die Eröffnungsrede von Dr. Sara Warneke, Geschäftsführerin der GFU Home & Consumer Tech :

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Bär,

sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister Wegner,

Ehrengäste aus Politik, Industrie, Handel und Medien,

Liebe Partner,

Meine Damen und Herren,

Willkommen auf der IFA 2025 —

hier in Berlin, wo diese Woche das Herz der Innovation höher schlägt. „Stell dir die Zukunft vor“ lautet der diesjährige Slogan. Doch ist es nicht nur ein Slogan, sondern die Herausforderung, mutig zu denken und jetzt zu handeln. Auf der IFA trifft Fantasie auf Ausführung. Ideen werden getestet, Partnerschaften gebildet und Produkte vorgestellt. In den nächsten fünf Tagen werden Visionen Wirklichkeit. Das ist es, was „Imagine the Future“ bedeutet. Letztes Jahr haben wir 100 Jahre IFA gefeiert. Es war ein stolzer Rückblick auf eine einzigartige Messegeschichte. Als eine der ältesten Branchenmessen der Welt trägt die IFA ein Erbe und Momentum. Heute schauen wir nach vorne. Auf das, was kommt. Auf die Technologien und Innovationen, die unser Leben von morgen prägen werden.
Die IFA hat sich geändert. Seit der Pandemie haben wir sie umgestaltet, physisch und strategisch. Mit klarerem Profil, stärkerer Kuration und neuen Formaten. Sie können es überall am Veranstaltungsort sehen und fühlen. Und die Transformation geht noch weiter. Die IFA ist auf einem starken und vielversprechenden Weg, den wir vor drei Jahren einschlugen, als wir diese Transformation gestartet haben. Es war eine Freude, dies strategisch mitzugestalten, in enger Partnerschaft mit unserem Joint Venture Partner Clarion und dem gesamten IFA Management Team. Dieser Weg, auf dem die IFA fest steht, zeigt auch, wie wir arbeiten. Mit öffentlichen Institutionen, mit unseren Stakeholdern und Partnern. Wir gehen als eins voran. Wir gestalten die IFA mit Sorgfalt und Ehrgeiz, so wächst und inspiriert sie und behält ihre Relevanz und Reputation.
Aber wir kommen in turbulenten Zeiten zusammen. Mit Kriegen und geopolitischen Spannungen. Mit erneuten Handelskonflikten und Zollstreitigkeiten, die den Welthandel belasten. Mit Schocks in der Lieferkette und wirtschaftlicher Unsicherheit. Mit Klimadruck, schnellem technologischem Wandel und wachsender Fragmentierung. Umso mehr sind wir dankbar für Ihr klares Bekenntnis für und Ihr Vertrauen in die IFA. Für Ihre Innovationskraft. Und ja…das „I“ in IFA steht jetzt für Innovation. Aber auch seine ursprüngliche Bedeutung ist wichtig, vielleicht jetzt mehr denn je: International. Die IFA bleibt ein globaler Treffpunkt. Ein Ort, an dem sich Menschen, Ideen und Märkte treffen. Nicht nur eine Bühne für Innovationen, sondern ein Netzwerk für die Zukunft stellen wir uns gemeinsam vor. Eine Messe ist mehr als bloße Exponate. Es ist ein Ort, an dem sich Menschen verbinden. Wo Austausch stattfindet. Wo Brücken gebaut werden über Länder, Kulturen und Branchen hinweg. Internationale Zusammenarbeit macht Ideen zu Größenordnungen. Sie setzt Standards und schafft Interoperabilität.
Auf der IFA treffen sich Ingenieure, Gründer und Standardsetzer, testen und stimmen sich ab. Produkte arbeiten also zusammen. Damit die Verbraucher ihnen vertrauen können. Und sie öffnet Türen – für KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) und Start-ups – zu Partnern, Märkten, Investoren und Talenten. Hier beginnen Deals, Pilotprojekte starten und F & E-Teams bilden sich. So wachsen Ökosysteme. Dieses internationale Gefüge betrifft auch die Wirtschaft.
Lieferketten überschreiten Grenzen. Standards reisen mit ihnen. Offene Märkte, stabile Rahmenbedingungen und vertrauenswürdige Datenflüsse machen Innovationen schneller und sicherer. Wir brauchen belastbare Interdependenzen mit fairen Regeln und keine Isolation. Die Globalisierung darf nicht der Vergangenheit angehören. Sie bleibt ein Treiber für unsere Branchen in puncto Innovation, Fortschritt und Kooperation. Zumal isolationistische Trends wieder auftauchen. Die IFA setzt ein klares Zeichen: für Offenheit, für den Dialog, für Multilateralismus. Gemeinsam mit dem Land Berlin sind wir stolz, Gastgeber dieses internationalen Austausches zu sein. Es ist das, was der IFA ihr besonderes Flair verleiht.
Wir alle haben vom Multilateralismus profitiert. Er hat unseren Generationen Freiheit, Chancen und Sicherheit gegeben. Es lohnt sich, ihn zu bewahren und zu verteidigen, damit junge Menschen die gleiche Offenheit und gleiche Chancen genießen können. Lassen Sie uns ihn weiter gemeinsam ausbauen. Offenheit ist nicht abstrakt. Sie ist der Motor der Innovation. Sie bewegt Ideen, Talente und Kapital und skaliert Durchbrüche. Technologien wie KI, Robotik, Quantencomputer, Smart Homes und Konnektivität verändern unsere Welt mit hoher Geschwindigkeit. Innovationszyklen sind kürzer. Die Erwartungen sind höher. Einmal im Jahr bleibt die IFA das zuverlässigste Schaufenster. Hier wird Innovation nicht nur gesehen, sondern sie wird erlebt. Keine andere Veranstaltung bietet einen so umfassenden Überblick über Home- und Consumer-Tech. Mein Dank ist kurz und von Herzen: an unsere politischen Partner auf Bundes- und Landesebene, an unsere Teams, Vorstände und Aktionäre, an die Messe Berlin und an alle Aussteller, Partner und Unterstützer. Danke. Ich freue mich darauf, fünf inspirierende und bahnbrechende Tage mit Ihnen zu verbringen.

Der Beitrag wurde von Marie-Charlotte von Heyking aufgenommen,

Von Mag. phil. Nader Mohamed übersetzt und erstattet
und von Kirsten Mische revidiert

Berlin, 4. September 2025 – Die IFA Management GmbH, GFU Consumer & Home Electronics GmbH, Clarion Events Ltd, Messe Berlin GmbH, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, und Bürgermeisterin

Herr Jan Tombiński, Geschäftsträger ad interim der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland

Anlässlich des 81. Jahrestages des Ausbruchs des Warschauer Aufstands organisierten die Botschaft der Republik Polen in Berlin, das Museum des Warschauer Aufstands, das Polnische Institut in Berlin, die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und das Pilecki-Institut in Berlin eine Gedenkveranstaltung vor der Polnischen Botschaft. Die Teilnehmer wollten gemeinsam an das Leben, den Mut und das Opfer der Aufständischen von 1944 erinnern, während die Fassade der Botschaft mit historischen Fotografien des Warschauer Aufstands illuminiert wurde. Herr Jan Tombiński, Geschäftsträger ad interim der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland, richtete einige einführende Worte an das Publikum, bevor Auszüge aus Tagebüchern von Aufständischen vorgelesen wurden und das Ensemble „Surowica“ Lieder aus dem Aufstand zu Gehör brachte.

Das war am 01.08.2025 um 21.15 Uhr| vor der Polnischen Botschaft in Berlin (Unter den Linden 70). Die Veranstaltung dauerte ca. 90 Minuten. Die Kuratorin und Regisseurin der Veranstaltung war Anna Krenz.  

Inmitten der Trümmer der Stadt entstand damals eine starke Gemeinschaft. In den Kanälen, auf den Barrikaden und in den Lazaretten standen Menschen einander bei. Seite an Seite kämpften Soldaten und Sanitäterinnen, Pfadfinder, Zivilisten und Künstler. Jede und jeder hatte eine Aufgabe. Jede und jeder war wichtig. Frauen übernahmen zentrale Rollen. Sie versorgten Verwundete, überbrachten Meldungen und spendeten Hoffnung. Häufig griffen auch sie zu den Waffen. Der Warschauer Aufstand war zugleich Tragödie und Ausdruck tiefster Entschlossenheit. Es war eine blutige Lektion der Geschichte, aber auch ein Symbol für das größte Streben: Dass Polen frei sein möge und niemand den Menschen ihr Recht auf ein Leben in Würde nehmen darf.

Die Veranstaltung hat für viele Polinnen und Polen, insbesondere für jene, die in Berlin leben, eine besondere Bedeutung. Der Warschauer Aufstand steht für Unbeugsamkeit, den Einsatz für Freiheit und das Vertrauen in eine bessere Zukunft. Der Gedenkabend in der deutschen Hauptstadt sollte das Heldentum der Aufständischen würdigen und gleichzeitig an universelle Werte erinnern. Werte wie Mut, Solidarität und Menschlichkeit, die Menschen verschiedenster Herkunft miteinander verbinden.  

Der Blick auf die Ereignisse von damals soll nicht zu einer romantisierenden Verklärung von Leid führen. Vielmehr geht es um das Erinnern und das Bewusstsein dafür, wie kostbar Freiheit ist. Demokratie, Menschenrechte und nationale Souveränität sind verletzlich. Umso wichtiger ist es, sie nicht nur in Zeiten der Bedrohung zu verteidigen, sondern auch im Alltag. Das bedeutet, die Wahrheit zu sagen, Schwächere zu unterstützen und eine Gemeinschaft zu gestalten, die auf Empathie und Solidarität gründet – nicht auf Hass und Ausgrenzung.

Berlin ist eine Stadt mit eine facettenreichen Geschichte und gilt heute als Symbol der Versöhnung. Genau deshalb ist sie ein besonderer Ort, um des Warschauer Aufstands zu gedenken. Das Ziel der Veranstaltung war es auch, diese Geschichte mit der internationalen Gemeinschaft zu teilen und den Austausch zwischen Kulturen und Generationen zu fördern.  

Am 1. August 1944 begann um 17 Uhr der Warschauer Aufstand.

In der größten bewaffneten Untergrundaktion im vom nationalsozialistischen Deutschland besetzten Europa kämpften die Aufständischen neun Wochen lang gegen die deutsche Besatzungsmacht und für ein freies, demokratisches Polen, also auch für ein freies Europa. Eine bekannte Parole des Aufstands lautete:

»Wir wollten frei sein und uns diese Freiheit selbst verdanken.« –  Vize-Ministerpräsident der polnischen Exilregierung, Jan Stanislaw Jankowski:

„Wir wollen der Aufständischen gedenken und gemeinsam Lieder des Warschauer Aufstands singen. Diese Lieder sollen zugleich Erinnerung, Gedenken, Geschichtsvermittlung und Mahnung sein. Der Warschauer Aufstand war ein mutiger und aufrichtiger, letztlich aber schmerzlich ungleicher Kampf, den die Polnische Heimatarmee führte. Er kostete Hunderttausende Polinnen und Polen das Leben.  

Viele der Aufständischen – ebenso wie zahlreiche Zivilistinnen und Zivilisten – wurden verschleppt, zur Zwangsarbeit gezwungen oder starben in deutschen Konzentrationslagern. Nach der Niederschlagung wurde die Stadt systematisch dem Erdboden gleichgemacht – von deutschen Spezialeinheiten mit Dynamit und schwerer Artillerie, über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten.

Die militärische Bilanz war verheerend: Rund 18.000 Aufständische wurden getötet, weitere 25.000 verwundet. Etwa 3.500 Soldaten der 1. Infanterie-Division „Tadeusz Kościuszko“ fielen ebenfalls. Die Zahl der zivilen Todesopfer wird auf bis zu 150.000 geschätzt. Die verbliebenen 500.000 Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt wurden vertrieben.

Zwischen der Kapitulation am 2. Oktober 1944 und dem 16. Juni 1945 wurde ein noch größerer Teil der Bebauung zerstört als während der Kämpfe selbst. Warschau verzeichnete während des Zweiten Weltkriegs die höchsten prozentualen Verluste aller europäischen Städte.

Herr Jan Tombiński, Geschäftsträger ad interim der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland,hielt die folgende Rede:

„ Der Aufstand dauerte lange 63 Tage und wurde zu einer der größten Städteschlachten der Geschichte. Jedes Jahr am 1. August gedenken die Polen der Opfer des Aufstandes, aber auch erwägen die Botschaften dieses Kampfes. In Berlin haben wir uns für eine öffentliche Veranstaltung entschieden, um nicht im Kreis der Vertrauten in einem Konferenzsaal über die vergangenen Ereignisse zu sprechen. Im Zentrum Berlins in der Nähe vom Brandenburger Tor möchten wir der Opfer und Helden des Aufstandes gedenken. Und die Fassade der neuen Botschaft fügt sich sehr gut als Bildschirm für die Bilder, die an die Aufständischen erinnern. Ich bin den zahlreichen Polen und Freunden von Polen für das Kommen zutiefst dankbar. Sie wissen sehr gut, wie wichtig die Erinnerung an den Warschauer Aufstand für das kollektive polnische Bewusstsein ist, und wie wichtig es ist, an Warschau als einzige Hauptstadt zu erinnern, die im 2. Weltkrieg zum Schauplatz von zwei Aufständen wurde, dem Aufstand im Ghetto im April 1943 und dem Warschauer Aufstand im August und September 1944.  

Die beiden Aufstände brachten keinen Sieg auf dem Kampfplatz, sie endeten mit Hekatombe der Zivilen und Aufständischen, wie auch Zerstörung der Stadt. Die Tragödie der Aufstände hat jedoch die neuen Generationen dazu berufen, die Freiheit, die menschliche Würde und die Unabhängigkeit über das eigene Leben zu schätzen. An die vielen Passanten Unter den Linden heute Abend, die nichts oder wenig vom Warschauer Aufstand gehört haben, will ich sagen: Damals ging es um das Überleben der polnischen Nation, aber auch um die menschliche Fähigkeit, Gräueltaten zu begehen. Der Mensch ist zum Heroismus und grenzenloser Opferbereitschaft fähig. Er kann aber auch zum Henker und skrupellosen Ausrichter der widrigsten Befehle werden.  

Als der Aufstand begann, war Warschau schon seit fünf langen Jahren unter der deutschen Besatzung und mit allen möglichen Formen der Unterdrückung konfrontiert. Das Schicksal des Krieges schien jedoch im Sommer 1944 angesichts des Vorrückens der Roten Armee von Osten und der westlichen Alliierten von Westen und Süden besiegelt. Ziel des Aufstandes war es, die Hauptstadt Warschau mit den polnischen Händen und Waffen zu befreien und als Herr im eigenen Hause über die Zukunft zu entscheiden. Man hoffte darauf, dass sich die deutschen Truppen auf die Verteidigung der Reichsgrenzen konzentrieren und Warschau verlassen, um die unnötigen Verluste zu vermeiden. Dieses Kalkül erwies sich leider falsch. Nach der Euphorie der Siege der ersten Tage des Aufstandes folgten lange Wochen der dramatischen Kämpfe zwischen gut bewaffneten deutschen Truppen und den unterausgerüsteten Aufständischen mit Pistolen gegen Panzer und Maschinengewehre. Der Aufstand hat fast keine Unterstützung von außen bekommen.  

Die Rote Armee, die inzwischen am rechten Ufer der Weichsel stand, verweigerte auch den polnischen Soldaten in ihren Reihen, dem Aufstand zu helfen. Die eingekesselten Auständischen begriffen sich trotz der aussichtslosen Lage als Teil des gesamten Kampfes der Alliierten gegen die Hitler-Regime. Zu den ergreifendsten Beweisen dafür galt die Radiobotschaft aus dem kämpfenden Warschau zur Befreiung von Paris am 25. August 1944. Die Bilanz des Aufstandes war dramatisch: Mindestens 180.000 Opfer unter der Zivilbevölkerung, bis 20.000 unter den Aufständischen. Kurz nach der Kapitulation des Aufstandes am 3. Oktober 1944 erteilte Heinrich Himmler den Befehl zur vollständigen Zerstörung der Stadt Warschau.  

Die noch in der Stadt verbliebenen Einwohner mussten gehen. In den folgenden Tagen und Wochen verwandelten die Truppen der Wehrmacht die wichtigste polnische Metropole in einen Trümmerhaufen. Die Verantwortlichen für die Ermordung der Zivilisten in Warschau entgingen in der Regel ihrer Verantwortlichkeit wie SS-Gruppenführer Heinrich Reinefarth, der die Massaker vom Stadtviertel Wola befahl und vollzog. Die Operation wurde zur größten organisierten Vernichtung der Zivilisten während des Krieges. Mindestens 15.000 Männer, Frauen und Kinder wurden kaltblütig getötet. Heinrich Reinefarth wurde aber wenige Jahre nach dem Kriege zum Bürgermeister der Stadt Westerland auf der Insel Sylt, wo er auch ungestört bis zum Tode im Jahre 1979 lebte. Dies illustriert deutlich, warum die Wunden des Krieges bis heute noch bluten und nach Gerechtigkeit rufen. Die dauerhafte Botschaft des Aufstandes gehört zu den Gründungsmythen vom heutigen Polen.  

Mit der Befreiung von Warschau wollten die Aufständischen zeigen, dass Polinnen und Polen Herren im eigenen Lande sind, dass wir bereit sind, mit allen Mitteln unsere Freiheit und Souveränität zu verteidigen, dass die Ehre und nationaler Stolz mehr wiegen als das Leben. Gerade aus dem Grund wollten die kommunistischen Behörden die Erinnerung an den Aufstand aus den Schulen und der gemeinsamen Wahrnehmung verbannen. Viele von den Warschauer Aufständischen wurden in den Nachkriegsjahren den Repressalien ausgesetzt. Erst Jahrzehnte nach dem Kriege wurde der Warschauer Aufstand als Grundstein der polnischen Staatlichkeit anerkannt.

Mit der heutigen Veranstaltung wollen wir auch in Berlin, woher der Krieg mit seinem Übel und den Gräueltaten auf Polen und Europa kam, wieder an das Leid der von den Kriegen betroffenen Menschen erinnern. Egal, ob in der Ukraine, im Nahen Osten, in Afrika oder Asien genügt es nicht, „Nie wieder!“ zu wiederholen. Im Notfall muss der Frieden und die Freiheit erkämpft werden. Konfrontiert mit dem Bösen darf der Mensch nicht gleichgültig bleiben. Im Andenken an die Opfer des Warschauer Aufstandes bitte ich Sie alle um eine Weile der Stille, so wie wir es in Polen an jedem 1. August um 17 Uhr zu tun pflegen.  Ich bedanke mich bei Ihnen, danke!“.

Am Rande der Veranstaltung hat die Berliner Kriminalitätszeitung das folgende kurze Interview mit Herrn Jan Tombiński geführt:

BKZ: Wer sind Sie und warum sind Sie heute da?

Tombiński: Der erste August ist ein wichtiger Tag in der polnischen Geschichte. Wir erinnern an den Ausbruch des Warschauer Aufstandes am 01.08.1944, als die polnischen Aufstandskämpfer die Hauptstadt Polens von den deutschen Besatzern befreien, bevor die sowjetischen Truppen in Warschau eingehen, um in dem eigenen Zuhause zu sein und über unsere Zukunft selbst zu entscheiden.  

BKZ: Die Schicksale Polens und Europa hangen immer zusammen. Immer war es ein freies Polen bedeutet ein freies Europa. Stimmt das?

Tombiński: Ja, wir können so sagen. Es sind auch andere Länder, die die Geschichte von Europa prägten und die Schicksale von Europa gestalteten. Also Unabhängigkeit, Souveränität und Freiheit Polens sind ein Bestandteil Europas. Das wollen wir auch immer in Erinnerung haben und dafür sind wir auch heute hier, um an die zu gedenken, die ihr Leben dafür gegeben haben.  

BKZ: Im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine kann man sagen, Polen ist die letzte Bastion der freien Welt gegen die Träume von Vladimir Putin?

Tombiński: Heute ist die Ukraine die Barrikade gegen das Verrücken des russischen Imperialismus und aus dem Grund wollen wir alles tun, um die Ukraine zu unterstützen.  

Der Bericht wurde von Mag. phil. Nader Mohamed erstattet
und von Kirsten Mische revidiert

Herr Jan Tombiński, Geschäftsträger ad interim der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland Anlässlich des 81. Jahrestages des Ausbruchs des Warschauer Aufstands organisierten die Botschaft der Republik Polen in Berlin, das

Erster Zolldirektor Majid Abdul Wahed Al Zarooni und die Akademiedirektorin Lubna Saeed Ahmad Almheiri

Nach Herrn Majid Abdul Wahed Al Zarooni, dem ersten Direktor des Hauptkontrollraums (Operationsraums) des Zollamts in Dubai sind die Aufgaben seines Operationsraums die Verwaltung, die Unterstützung und die Erbringung von Dienstleistungen für die 28 Zollämter im Emirat Dubai einschließlich See-, Luft-, Land- und natürlich Passagiersektor. Dieser Operationsraum enthält gut 80 Kameras, um das gesamte Zollgebiet bei Zolloperationen zur Bekämpfung des Schmuggels abzudecken und vorsorglich einzugreifen, die Teams zu sichern und sich mit taktischen Gruppen abzustimmen. Der Operationsraum hat auch einen gemeinnützigen Dienst unter dem Namen „Rafid“ (arabisch: Quelle). Durch diesen Dienst können die Bürger, falls jemand eine bestimmte Situation in der Zuständigkeit des Inspektionssektors sieht oder zu einem bestimmten Thema berichten will, rund um die Uhr den Operationsraum kontaktieren. Die Spezialteams des Operationsraums erhielten eine spezifische Schulung zur Verwaltung von Operationsräumen. Diese Spezialteams zeichnen sich durch Reaktions- und Dokumentationsfähigkeit sowie Schlagfertigkeit aus, um solche Fälle zu überwachen und zu bearbeiten. Die Streitkräfte des Operationsraums haben ein Spezialeinsatzkommando eines strategischen Partnerunternehmens im Sicherheitsbereich, an dieses Partnerunternehmen kommentiert der Operationsraum den Verlauf aller Operationen. Der Operationsraum ist gleichzeitig der Sektor der Inspektion von Betäubungsmitteln und Waffen, sowie der Interline-Gepäckraum (IBR). Der IBR am Flughafen und am Hafen ist zuständig für die Abfertigung von Gepäck, das falsch zugestellt wurde, nicht abgeholt wird oder weitertransportiert werden muss. Der Operationsraum verfügt über Säle als Teil der Zollverfahren, um die ordnungsgemäße Verwaltung und Sicherheit des Gepäcks zu gewährleisten, bevor es für die Weiterreise oder den Export beansprucht oder abgefertigt wird. Im Falle einer Schmuggeloperation durch den Körper greift man in diesen Sälen auf die Wachleute der Specialeinheiten zurück, auf die vorhandenen Werkzeuge, Zollhunde, sowie bestimmte Kontrollgeräte, um die Schmuggelware sicherzustellen und  zu beschlagnahmen. 

Arbeitssystem im Zollamt Dubai

Nach Frau Farida Fadil, Direktorin der Zollabwicklung und geschäftsführende Exekutivdirektorin des Politik- und Gesetzgebungssektors, verwendet das Zollamt Dubai nach der Analyse der gesammelten Daten bei seinen Operationen den risikobasierten Ansatz. Es führt auch eine Nachprüfung oder Nachkontrolle der Handelsdaten, Verträge, Finanzunterlagen und Lagerbestände eines Unternehmens durch, jeweils nach der zollrechtlichen Abfertigung der Waren. Das Ziel dieser Kontrolle ist die Einhaltung und Überprüfung der Zollvorschriften des Unified JJC Joint Judicial Committee (Vereinter Gemischter Justizausschuss). Die Kontrolle der Importe und der Exporte läuft durch einen weltweit einheitlichen sechsstelligen Code des harmonisierten Systems der Weltzollorganisation und der Welthandelsorganisation (WTO). In diesem Code ist  der Steuersatz, die Steuerbefreiung oder die bilateralen Abkommen miterfasst. Alles läuft über eine App. Bei einer Feststellung von Unregelmäßigkeiten ergreift die Zollbehörde Maßnahmen wie die Bestrafung der Firma, die Verhängung eines Bußgeldes oder zusätzliche Aktionen betreffend das Unternehmen. Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain spielen in allen Schritten der Zollarbeit in Dubai eine große Rolle. Deswegen können 2.800 Zollbeamte ca. 40 Millionen Transaktionen bei Importen und Exporten jährlich schaffen. 

Dubai Logistik Akademie

Nach Frau Lubna Saeed Ahmad Almheiri, der Direktorin der Dubai Logistik Akademie, ist diese Akademie als Teil des strategischen Plans des Zentralzollamts Dubai gegründet worden, da die Logistikbranche im Nahen Osten sich ständig entwickelt. Das Ziel dieser Akademie war die Unterstützung des Logistiksektors und der Abteilung des Personalwesens in Bezug auf Lieferketten und Zollarbeit  durch professionelle und praktische Ausbildung und Training, um die Lücken in den Fähigkeiten der Mitarbeiter zu schließen. Die Akademie ist international anerkannt. Die Akademie bemüht sich um den Erwerb des ISO-Zertifikats (International Organization for Standardisation). Bei der Akademie gibt es Online-Training, Präsent-Seminare und Praktika. Arbeitsuchende Bürger des Emirats wie auch und frischgebackene Absolventen der Akademie können eine Berufsausbildung in der Akademie durchlaufen und dann Berufe bei den Logistikfirmen bekommen, da die Akademie gute Kontakte zu diesen hat. Die Akademie unterstützt damit als Vermittler das nationale Programm der Einstellung von einheimischen Bürgern in unbesetzte Stellen und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. In den UAE gibt es eine Einstellungsquote für die einheimischen Bürger bei den Firmen des Privatsektors, die Schwierigkeiten bei der Suche nach qualifiziertem Personal haben. Die Stellen sind direkt nach der Absolvierung der Ausbildung zu besetzen. Die Akademie beschäftigt sich mit den Branchen der Logistik, d. h. die Lieferung, die Verteilung, die Lagerarbeit, die Produktion  und der Einkauf/die Beschaffung. Die Ausbildung in der Akademie umfasst 3 Niveaus: Anfänger, Mittlere und Fortgeschrittene. 

KI und Drohnen bei der Polizei Dubai

Nach Herrn Mohammad Almeiri von der Polizei Dubai bietet die Polizei Dubai den Bürgern 70 digitale Dienste wie Genehmigungen, Zertifikate und Verkehrssachen. Die Bürger können Unterstützung von der virtuellen Assistentin Amina erhalten, gesteuert durch eine KI GPT-Engine. Nach Khalifa vom Drohne-Box Projekt der Polizei Dubai wird 2026 ganz Dubai davon abgedeckt. Es dient dem schnellen Eingriff der Polizei bei großen Autounfällen. Nach der Meldung eines Unfalls fliegt eine Drohne zum Unfallort. Herr Ghaiath von der Smart Police Patrol erklärte die Fähigkeiten der Polizeiwagen in Dubai, die über 13 Kameras verfügen. Alles läuft mit KI System. Das System hat eine Gesichtserkennung und kann den Fahrer des Polizeiwagens alarmieren, falls sie auf eine zur Fahndung ausgeschriebene Person treffen oder einen müden Fahrer, dessen Fahrweise auffällig ist. Es gibt 6 verschiedene Typen von Polizeiwagen der Smart Police Patrol, z.B. für Rettungszwecke oder Drohnentransport. Dieser Drohnenpolizeiwagen dient der Observierung während des Tages und auch der Nacht aufgrund seiner technischen Fähigkeiten. Der Preis eines dieser Polizeiwagen mit Drohne ist 120.000€.

KI bei der Feuerwehr Dubai

Die Feuerwehr Dubai verwendet KI bei der Bekämpfung von Bränden in Dubai durch die Analyse der Brandursachen oder sogar die Vorhersage von Bränden, bevor sie noch geschehen. Sie fertigen Landkarten der kritischen Stellen in den Stadtgebieten an, wo das Risiko des Ausbruches eines Brandes hoch ist. Sie haben in diesen interaktiven elektronischen Landkarten die Historie der Brandausbrüche. Durch Beobachtung dieser Gebiete mit Drohnen kann die Feuerwehr Dubai die Bürger vor möglichen Brandausbrüchen warnen und ihnen raten, was zu tun ist. Die KI-Einheit berichtet die Ursachen der Brandausbrüche, die genaue Zeit des Ausbruchs, die Verantwortlichen und wieviel Schaum oder Wasser dort vor Ort benötigt wird. Dazu kommt die Identifizierung der Verursacher und ihrer Sprachen. Eine App generiert einen KI-Avater, der 180 Sprachen sprechen kann. Dieser KI-Avater unterrichtet die Menschen in ihrer Muttersprache über den Fall, also welche Anweisungen sie für Ersthilfe, Fluchtwege oder Ähnliches brauchen.   

Der Bericht wurde von Mag. phil. Nader Mohamed erstellt

und von Kirsten Mische revidiert.

Erster Zolldirektor Majid Abdul Wahed Al Zarooni und die Akademiedirektorin Lubna Saeed Ahmad Almheiri Nach Herrn Majid Abdul Wahed Al Zarooni, dem ersten Direktor des Hauptkontrollraums (Operationsraums) des Zollamts in Dubai

Es folgt die Rede Seiner Exzellenz Sheikh Hamoud al-Hinawi, einer der drei Führer der Drusen in Syrien, die er an der FU Berlin während seines Besuches in Deutschland 2023 gehalten hatte:

„Möge der Frieden Gottes auf euch sein, Seine Barmherzigkeit und Sein Segen.

Ich werde versuchen, die Zeit bei diesem Treffen an der Universität Berlin, der Kultur- und historischen Hochburg, so weit wie möglich zu berücksichtigen. Ich freue mich, in der Botschaft der Bekenner der Einheit Gottes über die Eigenschaaften und die menschlichen Beziehungen zu sprechen. Ich meine mit dem Wort „Botschaft“ nichts anderes als eine Mitteilung an unsere Kinder, die diese Bedeutung in ihren Taschen immer mit sich tragen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wenn sich eine Person mit Wissenschaftlern trifft, wird eine glatte Goldkette aus Ringen und ein Austausch zwischen sachkundigen Menschen entstehen. Dieser Austausch bringt ein Verständnis zwischen menschlichen Gruppen, wo Dimensionen konvergieren und Entfernungen verkürzt werden. Wir kamen von einem Ort, der trotz seiner Besonderheit kein Rätsel war, auf welches die Aufmerksamkeit gelenkt wird. Wir bewahren die Existenz einer menschlichen Gruppe, die eine spirituelle Entität hat, die die Zeit begleitet und den Ort im Laufe der Jahre nie verließ.

Oh Leute der Wissenschaft,
wir sind zuversichtlich, dass Sie erkennen, dass jede Nation ihre Gesetze und ihre Wissensmethode hat, denn die fortgeschrittenen und gutgebildeten Völker respektieren die Zivilisationen, Kulturen, Verhaltensmuster, intellektuellen und religiösen Muster aller Menschen. Dies ist der Zustand der Menschheit, wenn sie den Weg der Wissenschaft erkennt. Wenn die Leute sich selbst anschauen und erkennen, erlangen sie die Liebe und den Frieden und können ein sicheres Leben führen. Da der Mensch aus derselben Zeit und am selben Ort geschaffen wurde, muss er den Existenz- und Erschaffungsgrund wissen.

Glückselig sind die Seelen, die ewige Beständigkeit und ewiges Sein haben.

Das Bekenntnis der Einheit Gottes, zwischenmenschliche Beziehungen und der Umgang:

Das Universum ist für den kollektiven menschlichen Verstand lesbar, offen für die Besitzer von Verstand und Instinkten, Lebewesen sowie für die Objekte, wobei alle in die Natur integriert sind, dann kann der Meditierende nach Fakten suchen. Zwischen der Menge der Fragen kommt er auf die Antworten mit schlüssigen Beweisen, die ihn dazu bringen, alle Dinge seit dem kosmischen Ursprung im Laufe der Generationen zu erkennen, um das Ziel zu erreichen, das er nicht erreicht hatte. Wenn man es sich überlegt, kommt man auf folgende drei Beziehungen:

  1. Die Beziehung zu Gott, die durch Bewusstsein, Wissen, Wissenschaft und Vernunft erreicht wird, wird letztendlich durch eine enge Beziehung gestützt, die auf den Regeln des Gewissens, des Affekts, des Glaubens, der Glaubernsrichtigkdit und der Frömmigkeit beruht.
  2. Die zweite Beziehung ist untrennbar mit der ersten Beziehung verbunden, nämlich die Beziehung einer Person zu sich selbst. Der Mensch macht sich zum Moralrichter mit Rechenschaft und Bestrafung.
  3. Durch die erste und die zweite Beziehung erreicht ein Mensch die dritte Beziehung, die mit den Menschen, Lebewesen, sogar leblosen Gegenständen und Pflanzen, besteht. Der Mensch wurde frei geschaffen, aber seine Freiheit endet, wo die Freiheit anderer beginnt. Alle Beziehungen sind gleich. Wir Drusen als Gruppe, die in die Liste der Minderheiten aufgenommen wurde, sind aufgefordert, die Wahrheit und Realität, die im Laufe der Jahre mit Leid behaftet waren, öffentlich und offen zu verkünden. Also wenn unser Schicksal darin liegt, dass wir uns durch unser Bekenntnis der Einheit Gottes auszeichnen, dann hatten wir in diesem Bekenntnis eine uns sehr gut bekannte Zeit zusammengefasst. Wobei manche uns auf die Liste der im Ofen gegrillten Falken gesetzt und damit ungerecht beurteilt hatten. Wir hielten und halten noch an den Eigenschaften unseres Bekenntnisses der Einheit Gottes fest, die uns eine klare Vision und einen scharfen Sinn verliehen haben.
    Durch ihre wahre Kenntnis haben wir uns richtig und zweifellos erkannt. Das Problem, das uns begegnet, liegt darin, dass manche anderen, die mit uns in Beziehung stehen, die Wahrheit nicht erkennen, die für die kosmische Ordnung eine Rolle spielt. Keiner kann dies begreifen außer demjenigen, der dafür qualifiziert ist und der sich an das Prinzip von Gerechtigkeit und Dankbarkeit hält. Wir wissen, dass die Beziehungen auf Zusammenarbeit beruhen, deswegen sind wir nach Berlin gekommen, das von Prinzipien und dem Geist von Zielen geleitet wird, die menschliche Eigenschaften bewahren, und dann werden Frieden, Harmonie und Liebe in unserer Welt herrschen.

Das Konzept der göttlichen Gerechtigkeit bei der Bekenntnis der Einheit Gottes

Leben und Tod sind die erste und zweite Wahrheit, da wir alle geboren sind und sterben werden. Der Mensch besteht aus Seele und Körper, die miteinander zusammenwirken. Die menschliche Seele gebietet mit Nachdruch das Böse. Die Kenntnis über die Seele ist bei allen Völkern unterschiedlich. Als der Prophet nach der Seele gefragt wurde, antwortete die Offenbarung des Allmächtigen den Fragenden und sagte: Die Angelegenheit der Seele obliegt meinem Herrn, und Euch ist nur wenig Wissen darüber gegeben worden.“ Der Körper wird im Staub begraben, aber die Seele ist nicht mit diesem zu begraben. Das Bekenntnis der Einheit Gottes hat das Problem des Menschen mit der Frage der Seele gelöst, wobei darin steht, dass sie sich nicht zersetzt wie der Körper, da sie transparent und formbar ist, quasi im Leib wohnt, sie ist ewig. Dies ist die Frage der Seele bei Gott trotz der Unterschiede dabei unter den Menschen und der Menge an Theorien und Unstimmigkeiten darüber. Die Seele kehrt zu Gott zurück. Wir gehören Gott, und zu ihm werden wir zurückkehren. Das Leben ist kontinuierlich, Geburt und Tod existieren, und nach dem Brauch der Menschheit ist das Jenseits immer für Gott.

Die religiöse Justiz der Drusen

In der Provinz Suweida in Südsyrien lebt immer noch die größte drusische Gemeinschaft, so dass die Lehrrichtungsjustiz nach den vier Imamen während der gesamten osmanischen Ära für sie nicht eingerichtet wurde und die rechtlichen Angelegenheiten unter den Drusen den geistlichen Oberhäuptern und ihren Referenzpersonen anvertraut waren, bis das Religionsgericht eingerichtet wurde und unter dem Gesetz über den persönlichen Status in das syrische Recht aufgenommen wurde.

Das Schlusswort:

Abschließend sage ich, dass das Bekenntnis der Einheit Gottes die früheste himmlische Botschaft und der Ort der Verklärung Gottes ist. Sie findet im Laufe der Zeit statt und verlässt nie den Ort. Sein Wesen ist die Essenz der Bedeutungen und das Geheimnis der Existenz. Zwischen ihm, dem Himmel un der Erde ist eine untrennbare Verbindung, deren Zweck die Fortsetzung des Lebens ist. Und seine Forderung ist die gute Existenz. Die Ansiedlung des Universums ist die zuverlässigste Verbindung zwischen allen Menschen und sie ist der wahre Weg der Menschen zu Gott. Fazit ist, das Bekenntnis der Einheit Gottes ist die Versammlung der ausgewählten Elite und der Verlegungsort der guten und der rechtschaffenen Menschen. Sein Zweck ist die Reinigung des Menschen, um ihm zu einem guten Leben zu verhelfen und die Verbreitung der Liebe und des Friedens. Deswegen kamen wir nach Berlin, um diese Botschaft zu übermitteln: Möge der Friede Gottes auf euch sein, Seine Barmherzigkeit und Sein Segen!“

Die Rede wurde von Mag. phil. Nader Mohamed aufgezeichnet und übersetzt
und von Kirsten Mische revidiert

Es folgt die Rede Seiner Exzellenz Sheikh Hamoud al-Hinawi, einer der drei Führer der Drusen in Syrien, die er an der FU Berlin während seines Besuches in Deutschland 2023 gehalten

Der Berliner Stadt- und Regionalplaner Dietmar Arnold bekam vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, im Roten Rathaus den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Er erhielt ihn als Gründer des Vereins „Berliner Unterwelten e. V.“, dessen Vorsitz er innehat und der seit 1997 unterirdische Bauwerke der Bundeshauptstadt erforscht, dokumentiert und möglichst der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Kai Wegner (CDU) hob die Wichtigkeit der so geleisteten Arbeit des Geehrten für alle Berliner, aber auch interessierte Touristen und ganz Deutschland hervor.

Arnolds Buch „Dunkle Welten“ sei inzwischen zum Standardwerk geworden und in 11. Auflage erschienen.

Auch „Die lange Nacht der Unterwelten“, die dieses Jahr zum vierten Mal stattfindet und Standorte öffnet, die sonst nur im Rahmen von Führungen zugänglich sind, geht auf Arnold zurück.

Der Regierende Bürgermeister würdigte das außerordentliche Engagement Arnolds, der auch ein Museum gegründet hat. Er habe sich mit seiner Expertise auch unter Denkmalschützern und im universitären Bereich große Anerkennung erworben.

Bereits 2006 verlieh das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz an Dietmar und seinen Bruder Ingmar Arnold den Deutschen Preis für Denkmalschutz, 2018 erhielt er den Berliner Verdienstorden.

Wegner halte die Arbeit Arnolds „für einen unschätzbaren Wert für unsere Stadt“. Es sei wichtig, Zeitgeschichte auch unterhalb der Straße erlebbar zu machen.

Wegner erinnerte sich dabei an seine eigenen Erlebnisse nach dem Mauerfall in der Berliner Unterwelt, wo man Boxen aufgebaut und getanzt habe. Er verband seine besten Wünsche an den Laureaten mit der Bitte, die Arbeit fortzuführen.

Anwesend war auch die Wirtschaftssenatorin von Berlin Franziska Giffey (SPD), die auch die Arbeit von Dietmar Arnold gelobt hatte.   

Die Rede wurde von Mag. phil. Nader Mohamed aufgezeichnet
und von Kirsten Mische verschriftet

https://www.berliner-unterwelten.de

Der Berliner Stadt- und Regionalplaner Dietmar Arnold bekam vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, im Roten Rathaus den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Er erhielt ihn als Gründer des

Der Ministerpräsident von Brandenburg, Dietmar Woidke, hielt im Konzentrationslager Sachsenhausen eine Rede zum 80. Jahrestag der Befreiung von den Nationalsozialisten. Darin gedachte er der mindestens 55.000 Menschen, die dort zwischen 1936 und 1945 durch Misshandlung, Hunger und Entkräftung, Krankheiten und Hinrichtungen ihr Leben verloren haben, sowie der weiteren 145.00 dort Inhaftierten, die unsäglichen Qualen überlebt haben. Besonders herzlich begrüßte Woidke eine Gruppe von Überlebenden, deren Zahl immer weiter abnimmt. Er dankte ihnen für ihr Kommen auf teilweise weiten Wegen und ihr dadurch gezeigtes großes Engagement. Er betonte „wie außerordentlich einprägsam es ist, Berichte von Zeitzeugen zu hören, weil sie eben auf ganz persönlichen, tief erschütternden Erfahrungen mit den Verbrechen des Nationalsozialismus beruhen“.

Der Ministerpräsident spannte den Bogen zwischen den Nationalsozialisten von damals und den Rechtsextremisten von heute, die beide die Demokratie in Deutschland gefährdeten. Es gelte, die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen aufrechtzuerhalten. Allerdings sei ihm ein gemeinsames Gedenken mit Vertretern der Regierung, die den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine zu verantworten habe, nicht möglich. Trotzdem sei man dankbar „für den riesigen Beitrag, den auch russische und weißrussische Soldaten für die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus erbracht und mit einem hohen Blutzoll bezahlt haben“ und werde diese Dankbarkeit immer wieder zum Ausdruck bringen.

Thematisiert wurde auch der Terrorangriff der Hamas im Herbst 2023 gegen die israelische Zivilbevölkerung, infolgedessen es in Deutschland zu antisemitischen Kundgebungen kam. Dass viele jüdische Mitbürger bei uns wieder Angst um ihre Sicherheit haben, nannte Woidke unter Applaus „eine Schande für unser Land“.

Danach hob er die Bedeutung der historischen Orte der nationalsozialistischen Verbrechen für den Umgang von uns Nachgeborenen mit unserer nationalen Geschichte hervor. „Sie zeigen uns nämlich auf erschütternde Art und Weise, wohin Ausgrenzung, Hass und Rassismus eine Gesellschaft führen. An den historischen Orten sehen wir hin, wir hören zu und wir fühlen mit.“ Diese Orte seien aber auf das ehrenamtliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger sowie der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten angewiesen, um zu uns zu sprechen.

Hier sprach der Ministerpräsident den Mitarbeitenden der Gedenkstätten seinen besonderen Dank aus, die die ehemaligen Konzentrationslager zu Lernorten und zu Orten der Wissensvermittlung gemacht sowie das Gedenken weiterentwickelt hätten. Die Gedenkstätten seien neben Orten der Mahnung und Erinnerung heute durch ihre Arbeit u.a. im Bereich der Forschung und der Bildungsarbeit ebenso „Orte demokratischer Wehrhaftigkeit“, die gegen Antisemitismus und Rechtextremismus wirkten. Woidke würdigte an dieser Stelle die Arbeit jener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den „Kampf der Wahrheit gegen die Lüge mit Entschlossenheit“ führten. Er versicherte die Absicht der Landesregierung, diese Arbeit weiter zu unterstützen, schon deshalb, „weil wir sensibel bleiben müssen für die Mechanismen von Ausgrenzung, für die Verschiebung von Grenzen im Hinblick auf das, was sagbar ist, aber auch auf das, was nicht sagbar ist.“ Die Gedenkstätte Sachsenhausen wolle in Zukunft verstärkt die zweite und die dritte Generation zu Wort kommen lassen, etwa in Form von Führungen durch Enkelkinder von Überlebenden über das Areal.

Beim Besuch der Orte der NS-Morde und aktiver, kritischer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit könne man nicht gleichgültig bleiben. „Dann kann man nicht weggucken bei Ausgrenzung, man kann nicht weggucken bei Diskriminierung, man kann nicht weggucken bei Fremdenhass und schließlich auch nicht bei der Umdeutung dieses schlimmsten Kapitels deutscher Geschichte.“ Hier hob Woidke schließlich die Verantwortung aller für den Umgang mit unserer Geschichte hervor, die uns alle angehe.

Das Verschriften der Rede des Ministerpräsidenten von Brandenburg, Dietmar Woidke

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Konzentrationslager Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200000 Menschen unter grausamsten Bedingungen inhaftiert.

Sie wurden hierher deportiert, weil sie politisch unliebsam waren, nicht der nationalsozialistischn Ideologie entsprachen, in den Augen der Nationalsozialisten minderwertig waren, wie beispielsweise Juden, Sinti und Roma. Mindestens 55.000 Menschen haben hier in Sachsenhausen durch Misshandlung, Hunger und Entkräftung, Krankheiten und Hinrichtungen ihr Leben verloren. Das sind furchtbare Zahlen, hinter denen furchtbare Einzelschicksale stehen. Das kommt in den Zeilen des Überlebenden Charles Papier nicht zum Ausdruck, Zitat: „Sachsenhausen ist das Lager des langsamen Todes.

Hier wandeln 30.000 Kadaver durch das Lager. Wenn jemand versucht, ein Stück Gemüseschale zu stehlen, läuft er Gefahr, aufgehängt zu werden.“ Zitat Ende. Auch nach der Befreiung durch die Rote Armee am 22. April 1945 blieb oft nur Verzweiflung und Trauer. Zwie Kleine schrieb, Zitat: „Nach außen war ich frei, doch innerlich, in meiner Seele, in meinem Herzen, fühlte ich mich wirklich befreit?“ Zitat Ende.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

gemeinsam begehen wir heute den 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Sachsenhausen. Im Namen der Brandenburger Landesregierung möchte ich mich bei Ihnen ganz herzlich für die Teilnahme an diesem Gedenken bedanken. Ganz besonders möchte ich Überlebende begrüßen, mich bedanken für Ihr Kommen, mich bedanken für Ihr großes Engagement und für Ihre tiefe Verbundenheit zu diesem für Sie persönlich sehr schwierigen Ort. Ich bin tief berührt, dass Sie, lieber Herr Bartenkowski, Sie, lieber Herr Urban, Sie, lieber Herr Zawatzki und Sie, lieber Herr Dr. Fagold, weite Wege und Strapazen auf sich genommen haben und diesen wichtigen Tag hier mit uns gemeinsam begehen. Ich bin dankbar, dass Sie bereit sind, über Ihre Erlebnisse hier in Sachsenhausen zu sprechen. Wenngleich es mich auch nachdenklich und traurig macht, dass wir nunmehr an einem Punkt angekommen sind, an dem die Abwesenheit von KZ-Überlebenden an solchen Tagen immer stärker zur Regel wird. Bis eben noch habe ich zusammen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegener mit vier KZ-Überlebenden gesprochen. Es hat uns gemeinsam noch einmal verdeutlicht, wie außerordentlich einprägsam es ist, Berichte von Zeitzeugen zu hören, weil sie eben auf ganz persönlichen, tief erschütternden Erfahrungen mit den Verbrechen des Nationalsozialismus beruhen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

so etabliert das gemeinsame Gedenken ist, so wenig selbstverständlich ist es doch, in einer Zeit, in der wir uns immer wieder aufs Neue mit ernsthaften Gefährdungen unserer Demokratie hier in Brandenburg, in Deutschland und Europa, aber auch weltweit konfrontiert sehen. Rechtsextremisten sind wieder auf dem Vormarsch und sitzen in vielen Parlamenten in Deutschland, auch in Brandenburg. Werte und Grundprinzipien unserer Verfassung werden immer häufiger in Frage gestellt. Viele wollen vom Holocaust nichts mehr wissen oder leugnen ihn sogar. Dieser Entwicklung müssen wir uns entschlossen widersetzen. Denn anderenfalls könnten die monströsen Verbrechen der Nationalsozialisten wirklich langsam in Vergessenheit geraten.

Seit nunmehr über drei Jahren herrscht wieder Krieg in Europa. Der brutale völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine ist eine humanitäre, aber eben auch eine moralische Katrastrophe. Es ist nach wie vor ein Krieg gegen Zivilisten und ein Krieg gegen das Völkerrecht. Und ich sage das hier ganz klar: Solange dieser Krieg tobt und den Frieden in ganz Europa bedroht, solange ist es für mich nicht vorstellbar, dass wir hier gemeinsam mit Vertretern einer Regierung, die diesen Krieg zu verantworten hat, dieses Gedenken begehen können. (Applaus)

Nichtsdestotrotz sind wir für den riesigen Beitrag, den auch russische und weißrussische Soldaten für die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus erbracht haben und mit einem hohen Blutzoll bezahlt haben, dankbar. Wir werden diese Dankbarkeit immer wieder zum Ausdruck bringen. (Applaus)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

dass die Welt instabil ist, sehen wir nicht nur in der Ukraine. Dazu trägt leider auch der Terrorangriff der Hamas im Herbst 2023 gegen die israelische Zivilbevölkerung bei, bei dem viele Menschen brutal ermordet worden sind. In Deutschland kam es in der Folge zu antisemitischen Kundgebungen. Viele jüdische Mitbürger bei uns haben wieder Angst um ihre Sicherheit. Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist eine Schande für unser Land. (Applaus)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir Nachgeborene dürfen trotz aller schlimmen Geschehnisse um uns herum nicht aufhören uns zu fragen, wie diese Gräuel des Nationalsozialismus in diesem Land passieren konnten. Wir dürfen nicht aufhören zumindest zu versuchen, das zu verstehen, um es nie wieder dazu kommen zu lassen. Dazu brauchen wir die historischen Orte dieser nationalsozialistischen Verbrechen wie hier die Gedenkstätte und das Museum in Sachsenhausen, und wir brauchen sie mehr denn je. Sie zeigen uns nämlich auf erschütternde Art und Weise, wohin Ausgrenzung, Hass und Rassismus eine Gesellschaft führen. Sie machen uns das Ausmaß der nationalsozialistischen Diktatur deutlich, das Ausmaß des Rassenwahns und des Völkermordes, dem Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, entrechtet, verfolgt, gequält und schlussendlich ermordet. An den historischen Orten sehen wir hin, wir hören zu und wir fühlen mit. Aber sie sprechen eben nicht von selbst zu uns. Noch weniger tun es die vielen dezentralen Orte der Verbrechen, die wir in ganz Brandenburg finden, nämlich die Außenlager. Ich bin daher dem ehrenamtlichen Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger sowie der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten überaus dankbar dafür, dass sie auch diese Orte zum Sprechen bringen. Ich möchte mich bei den Mitarbeitenden der Gedenkstätten bedanken, die die ehemaligen Konzentrationslager zu Lernorten und zu Orten der Wissensvermittlung gemacht haben. Sie erzählen und bewahren die vielfältigen Geschichten der Menschen, die hier an dieser Stelle gelitten haben. Sie haben sich der sehr komplexen Aufgabe angenommen, diese Orte weiterzuentwickeln, das Gedenken weiterzuentwickeln. Längst sind die Gedenkstätten eben nicht nur Orte der Mahnung und Erinnerung. Unsere Gedenkstätten wirken mit ihrer Arbeit u.a. im Bereich der Forschung und der Bildungsarbeit jeden Tag ein gegen Antisemitismus und Rechtextremismus. Es sind Orte demokratischer Wehrhaftigkeit. Vielen Dank an alle… (Applaus)

Und wir wissen alle, dass es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in den letzten Jahren immer schwerer geworden ist, diesen Kampf der Wahrheit gegen die Lüge mit Entschlossenheit zu führen. Und deswegen auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein ganz, ganz herzliches Dankeschön. (Applaus)

Und es ist genau diese Arbeit, die der Grund ist, warum die überlebenden Angehörigen der Überlebenden diesem Ort so verbunden sind. Wir als Landesregierung wissen diese Verbindung in unsere Vergangenheit sehr zu würdigen und wir werden sie weiter unterstützen. Wenn wir wollen, dass unsere Gesellschaft weltoffen und tolerant bleibt, ist das eine gute Grundlage dafür und wir werden diese Arbeit weiter fortsetzen. Wir müssen diese Arbeit schon deshalb stärken, weil wir sensibel bleiben müssen für die Mechanismen von Ausgrenzung, für die Verschiebung von Grenzen im Hinblick auf das, was sagbar ist, aber auch auf das, was nicht sagbar ist. Wir wollen dies alles, deswegen braucht Brandenburg seine Gedenkstätten heute mehr denn je.

Die Gedenkstätte Sachsenhause hat an diesem Wochenende mit einer Mitmachstation aktiv aufgerufen, sich gemeinsam über neue Formen des Gedenkens auszutauschen. Sie geht neue Wege, indem sie – wie auch in Ravensbrück – verstärkt die zweite und die dritte Generation zu Wort kommen lässt, etwa in Form von Führungen durch Enkelkinder von Überlebenden über das Areal.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wenn man die Orte der NS-Morde besucht, wenn man sich aktiv und kritisch mit der Vergangenheit auseinandersetzt, dann kann man nicht gleichgültig bleiben. Dann kann man nicht weggucken bei Ausgrenzung, man kann nicht weggucken bei Diskriminierung, man kann nicht weggucken bei Fremdenhass und schließlich auch nicht bei der Umdeutung dieses schlimmsten Kapitels deutscher Geschichte. Denn wir wollen eine demokratische und weltoffene Zukunft und wir tragen Verantwortung für den Umgang mit unserer Geschichte. Sie ist unsere Geschichte und sie bleibt unsere Geschichte und diese Geschichte geht uns alle an. Senden wir heute gerade von hier, von der Station Z, dem Krematorium und Vernichtungsort ein Zeichen der Mitmenschlichkeit und ein Zeichen des „Nie wieder!“. Die Toten mahnen uns. (Applaus)

Die Rede wurde von Mag. phil. Nader Mohamed aufgezeichnet
und von Kirsten Mische verschriftet

Der Regierende von Berlin Kai Wegner

Herr Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Sachsenhausen

Dr. Richard Fagot, israelischer Überlebender

Der Ministerpräsident von Brandenburg, Dietmar Woidke, hielt im Konzentrationslager Sachsenhausen eine Rede zum 80. Jahrestag der Befreiung von den Nationalsozialisten. Darin gedachte er der mindestens 55.000 Menschen, die dort zwischen