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29/09/2022
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BKZ: Das BKA warnt vor Korruptionsdelikten. Vor fünf Tagen gab es einen Bericht, dass die Korruptionsdelikte um 35 % gestiegen sind. Denken Sie, dass das Land ein Bundesamt für Korruptionsbekämpfung braucht wie es z. B. in Österreich der Fall ist? Österreich hat ein Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) oder ist es nicht genug, um ein Bundesamt oder eine Abteilung bei Ihnen z. B. nur für Korruptionsbekämpfung einzurichten?

BKA-Präsident: Na, ich glaube, dass das erstmal ein Hinweis darauf ist, dass das Thema auch sehr ernstgenommen wird. Und ein Anstieg heißt ja immer – es sind ja keine Anzeigendelikte, da kommt ja keiner in die Polizeiwache und zeigt Korruption an – dass wir mehr an Aktivitäten und mehr an Erfolg im Ermittlungssektor haben. Für mich ist das erstmal ein gutes Zeichen. Wenn wir in solchen Feldern einen Anstieg der Fallzahlen haben, dann kommen wir wahrscheinlich der Realität näher und es steigt auch die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Und es steigt auch die Akzeptanz von Vorsorgemaßnahmen, d. h. ich sehe hier im Moment keinen Anlass für strukturelle Veränderungen, sondern wir müssen an dem Thema dranbleiben.

Interview geführt von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

Der Direktor vom BAK (Österreich) Mag. Dr. Otto Kerbl, MA

BKZ: Das BKA warnt vor Korruptionsdelikten. Vor fünf Tagen gab es einen Bericht, dass die Korruptionsdelikte um 35 % gestiegen sind. Denken Sie, dass das Land ein Bundesamt für Korruptionsbekämpfung

BKA Präsident Holger Münch

BKZ: Guten Tag, eine Frage zu Geldautomatensprengungen: Finden Sie, dass das Einzelfälle sind oder ist das ein Phänomen, das Sie bekämpfen müssen?

BKA-Präsident: Das ist ein Phänomen, das in Deutschland in den letzten Jahren deshalb auch größer geworden ist, weil in den Niederlanden die Bekämpfung sehr stark intensiviert wurde und auch im Bereich der Prävention investiert wurde, d. h. Geldautomatensprengungen sind in den Niederlanden, wo viele Tätergruppierungen herkommen, nicht mehr möglich. Sie sind weniger geworden, sie sind entsprechend gesichert und deshalb weichen sie aus in andere Länder, insbesondere natürlich ist das Nachbarland Deutschland –  Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen – sehr stark betroffen. Das ist ein Thema, was wir auch in Kooperation mit den Ländern sehr intensiv angehen, d. h.  wir als BKA werten hier die Fälle auch über die Einzelfälle hinaus aus. Erkennen wir Zusammenhänge, erkennen wir Tatserien und dann wird dort wieder ermittelt, um auch Tätergruppierungen über einen Einzelfall hinaus zu ermitteln und letztendlich auch der Justiz zuführen zu können.

Das machen wir nach meiner Einschätzung auch recht erfolgreich – wir haben viele Ermittlungserfolge. Dennoch ist das Problem nach wie vor sehr groß. Das heißt, wir haben nach wie vor hier ein Handlungsfeld,  wie können wir die Prävention, die Sicherung solcher Geldautomaten verbessern? Braucht es so viele in Deutschland? Muss das sein, dass die an Orten sind, wo man am Ende über solche Sprengungen auch Menschenleben gefährdet? Das ist ein Thema, was auch auf der politischen Agenda mittlerweile ist.

BKZ: Aber im Fall eines Blackouts kann das sehr gefährlich sein. Teilen Sie da meine Meinung?

BKA-Präsident: Ja, das weiß ich jetzt nicht, ob da ein Blackout gefährlich ist, sondern hier geht’s eher da drum, dass die Vielzahl solcher Geldautomaten, die wir in Deutschland haben – Bargeld ist ja immer noch in Deutschland das beliebteste Zahlungsmittel – dazu führt, dass wir unglaublich viele Tatgelegenheiten haben und dass die Banken natürlich auch viel Geld investieren müssen, um diese Automaten so zu sichern, dass sie dann am Ende eben für solche Überfälle nicht mehr geeignet sind, und das machen sie nach einem Risikoansatz, nämlich dort, wo sie die größten Risiken vermuten. Und ich glaube, dass das noch nicht ausreichend ist, das sieht man auch an den Fallzahlen. Und da muss nachgelegt werden.

Und da sind aber auch die Banken in der Pflicht, ich hoffe nicht, dass wir irgendwann hier Menschenleben zu beklagen haben und erst dann angefangen wird, sondern dass wir das früher tun.

Interview geführt von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

BKA Präsident Holger Münch BKZ: Guten Tag, eine Frage zu Geldautomatensprengungen: Finden Sie, dass das Einzelfälle sind oder ist das ein Phänomen, das Sie bekämpfen müssen? BKA-Präsident: Das ist ein Phänomen, das

Nader Mohamed mit dem Bundeskanzler im Garten des Bundeskanzleramts

Am 10. September 2021 war der Bau der 1.416 km langen Pipeline Nord Stream 2 abgeschlossen und am 29. Dezember 2021 wurden auch die Test-Befüllungen abgeschlossen. Nord Stream 1 und Nord Stream 2 haben nach Angaben von Gazprom jeweils eine nominelle Transportkapazität von 55 Mrd. Nm³ pro Jahr, das entspricht etwa 550 TWh/a oder 63 GW Heizwert Dauerleistung. Das Investitionsvolumen für den Bau der Pipeline Nord Stream 2 wurde auf etwa 9,5 Milliarden Euro geschätzt.

Am 22. Februar 2022 gab Bundeskanzler Olaf Scholz in Reaktion auf die russische Aggression gegenüber der Ukraine bekannt, dass die dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unterstellte Bundesnetzagentur vorerst keine Zertifizierung ausstellen werde, und somit das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 bis auf weiteres aussetze. Die Lage müsse nun neu bewertet werden.

Zum Thema Nord Stream 2 als Überzeugungsmittel gegen einen Kriegsausbruch führte die Berliner Kriminalitätszeitung mit dem Bundeskanzler Olaf Scholz im Garten des Bundeskanzleramts am Tag der offenen Tür folgendes Gespräch:

BKZ: Herr Scholz, Sie haben sich mehrmals vor dem Kriegsausbruch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen und ihn angerufen. Haben Sie versucht, ihn mit der Betriebsaufnahme der Pipeline Nord Stream 2 vom Krieg abzuhalten?

Bundeskanzler Olaf Scholz: Ja, das war ein Thema unserer Gespräche, aber er wollte den Krieg.

Bundeskanzleramt

Brücke zwischen dem Kanzleramt und dessen Garten

Nader Mohamed mit dem Bundeskanzler im Garten des Bundeskanzleramts Am 10. September 2021 war der Bau der 1.416 km langen Pipeline Nord Stream 2 abgeschlossen und am 29. Dezember 2021 wurden

Bischof Anba Damian

Am Montag, 25. Juli 2022 um 18:46 Uhr wurde während der Sanierungsarbeiten an der Außenfassade der Koptisch-Orthodoxen Kirche St. Antonius. und St. Schenouda am Roedeliusplatz in Berlin-Lichtenberg, gegenüber dem Amtsgericht ein Brandanschlag verübt. Dabei brannte eine mobile Toilettenkabine aus Kunststoff völlig aus. Die aufsteigenden Flammen erreichten dabei das Baugerüstnetz an dem Gebäude, welches das Gerüst umkleidet, um die PassantInnen vor eventuell herunterfallenden Gegenständen  zu schützen. Das Feuer breitete sich rasant aus. Die noch auf dem Gerüst befindlichen Bauarbeiter alarmierten umgehend die Polizei und die Feuerwehr. Die Feuerwehr war schnell vor Ort und  konnte den Brand schnell löschen. Niemand wurde bei dem Vorfall verletzt.

Erwähnenswert: Es gab 2014 bereits einen Brandanschlag auf dasselbe Gotteshaus.

S.E. Bischof Anba Damian, der Diözesanbischof von Norddeutschland für die Ökumene und im öffentlichen Leben, will niemandem verdächtigen, aber er teilte mir mit, dass zwei unbekannte  uneingeladene junge Männer die Kirche besichtigt haben. Laut Bischof Damian, hat das LKA den Fall aufgenommen und die Ermittlungen dauern an.

Bischof Anba Damian Am Montag, 25. Juli 2022 um 18:46 Uhr wurde während der Sanierungsarbeiten an der Außenfassade der Koptisch-Orthodoxen Kirche St. Antonius. und St. Schenouda am Roedeliusplatz in Berlin-Lichtenberg, gegenüber

BKZ:

Warum sind Sie heute da, im Haus der Bundespressekonferenz?

BKA-Präsident:

Wir haben heute die Jahreszahlen der politisch motivierten Kriminalität 2021 vorgestellt, die uns leider Sorgen machen müssen, weil wir einen starken Anstieg haben von 23 % auf ein neues Allzeithoch von insgesamt 55.000 gemeldeten Straftaten.

BKZ:

Was für Bekämpfungsstrategien oder Präventionsmaßnahmen haben Sie vor, um diese Phänomene zu reduzieren?

BKA-Präsident:

Wir sehen ja diesen Anstieg schon über einen längeren Zeitraum, in einem Zehnjahreszeitraum haben wir eine Verdoppelung insgesamt, d. h. wir haben hier stark investiert und differenzieren unsere Bekämpfungsstrategien weiter aus. Punkt eins ist, wir kümmern uns sehr stark um bekannte Gefährder, relevante Personen. Diese Systematik haben wir in allen Phänomenenbereichen mittlerweile. Heute haben wir das System „Radar“, was wir im Bereich Islamismus eingeführt haben, angepasst, eingeführt jetzt auch im Bereich der politisch motivierten Kriminalität rechts. Wir intensivieren unsere Ermittlungen, um Netzwerke und unbekannte Personen früher zu erkennen. Auch hier haben Sie in der Vergangenheit eine Menge an Aufschlägen auf das BKA schon gesehen. Ich denke mal an die Atomwaffendivision als Beispiel. Der dritte Bereich ist Hass und Hetze im Netz, den wir intensiv verfolgen müssen, das ist der Nährboden für Gewalt. Hier haben wir sehr starke Anstiege. Die Amts- und Mandatsträger machen sich zu Recht Sorgen, wenn wir uns die Entwicklung der Straftaten angucken. Wir brauchen ein klares Stoppschild, wir haben eine zentrale Meldestelle zur Bekämpfung der Hasskriminalität eingesetzt. Eigentlich kommen schon Meldungen nach dem Netzwerk durch, dieses Gesetz anzunehmen, um diese Meldungen dann auf Strafbarkeit zu prüfen und Täter zu identifizieren. Wir setzen das jetzt aufgrund von Klagen ein in Kooperation mit Nichtregierungsorganisationen und wir machen uns auch bereit für die Umsetzung des Digital Service Act, d. h. eine ähnliche Regelung entsteht auf der europäischen Ebene, um am Ende solche Kriminalität schneller und konsequenter zu verfolgen, und das ist auch notwendig.

BKZ:

Das Leben bringt immer neue Probleme. Jetzt haben wir einen russisch-ukrainischen Krieg und es gibt antirussische, antiukrainische Propaganda. Haben Sie auch eine neue Task Force für dieses Phänomen, weil Ukrainer gegen die Russen hier auf bundesdeutschem Boden kämpfen werden?

BKA-Präsident:

Na, was wir machen, ist natürlich sofort anzufangen, solche Straftaten zu erfassen und zu gucken: Gibt es Muster, gibt es dann Anzeigen, wo wir neue Bekämpfungsstrategien entwickeln müssen? Wir haben eine Informationssammelstelle bei uns in den Staatsschutzabteilungen. Wir stellen fest, dass wir gerade am Anfang des Konfliktes doch pro Woche bis zu 270 Straftaten haben, dann auch, ja .. verzeichnen müssen. Mittlerweile geht das etwas runter, wir sind deutlich unter 200 mittlerweile und die Gewalttaten sind noch überschaubar. Das heißt, hier kümmern wir uns sehr stark um das Thema „Information, Aufklärung“, auch „Konfliktparteien auseinanderhalten“, das ist ja auch noch ein Thema gerade für den Bereich des Einsatzes der Polizei. Eine Entwicklung im Hinblick auf neue Phänomene und neue Bekämpfungsstrategien sehen wir aktuell noch nicht.

BKZ:

Wie ist es mit der Hamas, ist die Hamas jetzt eine Grauzone oder eine verbotene Organisation wie die Hisbollah? Die Hisbollah ist definitiv verboten von Herrn Seehofer, vor zwei Jahren oder so… Aber die Hamas ist irgendwie nicht klar definiert.

BKA-Präsident:

Ja klar, aber wenn es darum geht, dass man terroristische Vorhaben unterstützt, entsprechende Sammlungen durchführt, dann ist das ganz klar natürlich auch eine Straftat, insofern bewegen wir uns hier in dem Bereich „Ausländische Ideologien“ und auch das ist ein Thema, das sowohl bei den Verfassungsbehörden als auch bei den Staatsschutzabteilungen der Polizei natürlich auf der Agenda steht.

BKZ:

Aber wenn die Leute die Parolen der Hamas auf der Straße skandieren, ist das dann eine Straftat?

BKA-Präsident:

Das kommt immer genau darauf an: Was für Parolen sind es? Welche Symbole werden gezeigt? Sie wissen, dass die auch klar definiert sind, welche davon strafbar sind und welche nicht.

BKZ:

Letzte Frage: Jetzt sind die Querdenker eine neugeborene Organisation der Coronazeit, die Pseudostrukturen hat. Wie können Sie so etwas verfolgen, das keine klare Linie hat, nicht rechts oder links?

BKA-Präsident:

Nun, zunächst einmal müssen wir natürlich beobachten: Wer geht auf solche Protestveranstaltungen, wer begeht dort auch Straftaten? Und wir stellen fest: Ja, das ist eine Mischszene, es gibt nicht die eine klare Struktur. Natürlich gibt es jetzt auch darin Strukturen, wie z. B. die Querdenkerbewegung, die etwas klarer konturiert ist. Insgesamt heißt es aber stärker forschen, um zu gucken: Wo gibt es Schnittmengen auch zu anderen Bereichen und wie gehen wir mit dem Thema weiter um? Wir können aber sagen, dass die Grundstrategie, die ich eben gerade erklärt habe, nämlich einen personenorientierten Ansatz zu fahren, Netzwerke und Personen besser zu erkennen und Hasskriminalität zu bekämpfen, hier genauso gültig ist. Insofern wenden wir es hier auch eins zu eins an.  

BKZ: Vielen Dank für Ihre Zeit, dankeschön.

BKA-Präsident: Gerne.

BKZ: Warum sind Sie heute da, im Haus der Bundespressekonferenz? BKA-Präsident: Wir haben heute die Jahreszahlen der politisch motivierten Kriminalität 2021 vorgestellt, die uns leider Sorgen machen müssen, weil wir einen starken Anstieg

Alljährlich seit 1990 veranstalten viele im Weltverband der Gästeführer (WFTGA) vertretene Organisationen am oder um den 21. Februar (Gründungstag des WFTGA) herum den „International Tourist Guide Day“. 1999 schloss sich der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V. (BVGD) dieser Tradition mit Schaffung des Weltgästeführertages (Weltgästeführertag (WGFT) an. Jährlich entscheidet seit dem die Mitgliederversammlung über ein bundesweites Thema, welches dann von den einzelnen Gästeführervereinigungen vor Ort entsprechend der lokalen Gegebenheiten angepasst und umgesetzt wird.

Das Wort des ersten Vorsitzenden von Berlin Guide e.V. Markus Müller-Tenckhoff:

Liebe Berlinerinnen und Berliner,

der 21. Februar ist unser Tag. Der Tag der Guides – besser gesagt Stadtführer, Gästeführer und Fremdenführer. Der Weltgästeführertag wird seit 1989 weltweit als International Tourist Guide Day zelebriert. Gästeführerinnen und Gästeführer weisen mit Aktionen z.B. mit speziellen Führungen auf die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung ihrer Berufstätigkeit hin.

Das diesjährige Motto – festgelegt durch die Mitglieder des Bundesverbandes der Gästeführer in Deutschland – lautet „mit Leib und Seele“.

Tatsächlich sehen sich viele Gästeführerinnen  und Gästeführer als Botschafterin oder Botschafter ihrer Region. 

Gerne möchten wir – der Verband der Berliner Stadtführer Berlin Guide e.V. – den diesjährigen Weltgästeführertag ebenso nutzen, um unsere Wertschätzung und Dankbar zum Ausdruck zu bringen.

Wir danken dem Berliner Wirtschaftsenat, der Berliner IHK, der Visitberlin, der Stiftung Schlösser & Gärten, den Berliner Museen & Gedenkstätten und unseren Partnern Friends of Berlin & INTOURA für ihre Unterstützung zur Qaulitäsicherung von Gästeführungen in Berlin und den Berliner Bühnen, für ihre Wahrnehmung als Multiplikatoren.  

Wir bedanken uns bei allen lokalen, nationalen und internationalen Auftraggebern und Vermittlern. 

Persönlich möchte ich einen großen Dank aussprechen an alle Mitgliederinnen und Mitglieder von Berlin Guide e.V., welche sich in der Vergangenheit und Gegenwart ehrenamtlich für den Berufsverein eingesetzt haben. Wir wären heute nicht dort wo wir sind ohne das großartige ehrenamtliche Engagement der Kolleginnen und Kollegen.

2019 feierte der Verband der Berliner Stadtführer sein 30 jähriges Bestehen. Berlin Guide e.V. zählt 320 Mitglieder. Durch unseren Ausbildungsträger – dem Berlin Guide Institut – werden Stadtführer nach EN 15565 geschult und trainiert. So wird garantiert, dass neue qualifizierte Kolleginnen und Kollegen in unseren Berufsverein eintreten können.  

Der Weltgästeführertag richtet sich primär an Einheimische. Unter der Leitung von Stefan Heitbrink haben sich Kolleginnen und Kollegen vom Verband der Berliner Stadtführer freiwillig angeboten am Berliner Weltgästeführertag 2022 mit Führungen zu wirken …mit Leib und Seele!

Sie haben die Möglichkeit, kostenlos diese Darbietungen zu besuchen. Alle wichtigen Informationen hierfür finden Sie auf unserer Webseite: www.berlin-guide.org

Viel Freude beim Weltgästeführertag 2022 in Berlin. Wir freuen uns auf Sie!

Markus Müller-Tenckhoff

Berlin, 21.2.2022 

Alljährlich seit 1990 veranstalten viele im Weltverband der Gästeführer (WFTGA) vertretene Organisationen am oder um den 21. Februar (Gründungstag des WFTGA) herum den „International Tourist Guide Day“. 1999 schloss sich

Foto Copywright: Emilio Esbardo

Thomas Fasbender, deutscher Industriekaufmann, Philosoph, Journalist, Publizist und Unternehmer.

BKZ: Guten Morgen. Wer sind Sie?

Fasbender: Thomas Fasbender im Moment aus Berlin.

BKZ: Und was machen Sie beruflich?

Fasbender: Ja, ich bin Autor und Journalist und Publizist, also in dem Rahmen. Aber ich war schon alles Mögliche, ich hab’ schon Unternehmen für Fuhrparkverwaltung geleitet in Russland und Weberei und Spinnerei bin ich Anteilseigner gewesen.. also ein buntes Leben. Ich bin ja schon ein bisschen älter.

BKZ: Wo sind wir jetzt?

Fasbender: Wir sind im Hotel Steinberger am Berliner Hauptbahnhof.

BKZ: Und warum?

Fasbender: Ja, ich hab’ heute die Ehre gehabt, mein Buch vorzustellen, was ich selbst erst seit zwei Tagen in eigenen Händen habe: „Wladimir W. Putin. Eine politische Biographie“ Das hat damit zu tun, dass ich 23 Jahre in Russland gelebt habe.

BKZ: Sie meinen Wladimir Putin, den russischen Präsidenten.

Fasbender: Den russischen Präsidenten, genau.

BKZ: Beginnen wir mit den russisch-deutschen Kulturbeziehungen. Lomonossow (Michail Wassiljewitsch Lomonossow), der Begründer der Moskauer Universität, war in Deutschland, hat hier studiert, gründete? Theater. Wie sehen Sie die historische Beziehung zwischen Russland und Deutschland? War die gespannt oder einigermaßen gut? Wie sehen Sie das?

Fasbender: Nein, wir haben insgesamt 300 Jahre einer sehr engen russisch-europäischen Beziehung hinter uns, vor allem auch einer russisch-deutschen Beziehung, das hat sicherlich auch damit zu tun, dass unsere Mentalitäten, also die kollektive deutsche russische Mentalität, relativ gut zueinander passen. Die Deutschen in Russland gehörten immer zu den größten Auslandsnationen und die Russen haben sich auch immer wieder in Deutschland wohlgefühlt. Allerdings müssen wir auch sagen, dass diese große Zeit mit der großen Zeit Europas zu Ende geht, ja? Europa tritt zurück international in die zweite Reihe, irgendwann in diesem Jahrhundert, geopolitisch. Und die Russen sind aus verschiedenen Gründen dabei, sich kulturell neu zu orientieren.

BKZ: Aber es gibt einen internationalen Partner, der keine gute Beziehung zwischen Russland und Europa will, das sind die Amerikaner. Meiner Schätzung nach wollen die Amerikaner keine gute Beziehung zwischen den Europäern und Russland. Habe ich da Recht?

Fasbender: Nein, so pauschal würde ich das nicht sagen. Die Amerikaner haben ein großes Interesse, das ist ihr geopolitischer Brückenkopf auf dem eurasischen Kontinent. Die USA als Inselmacht haben im Westen des eurasischen Kontinentes eben Europa, Westeuropa, Mitteleuropa, als wichtigen geopolitischen Brückenkopf, den sie brauchen, um ihre Macht nach Eurasien hineinzuprojizieren. Auf der anderen Seite, im Osten, sind das Japan, ist das Australien, ist das Südkorea. Dort sind zurzeit die Auseinandersetzungen noch größer als in Europa, aber wir sehen gerade konkret mit der Ukraine-Krise: Die USA sind sehr daran interessiert, also, die Territorien ihres Brückenkopfes hier zu konsolidieren und die Amerikaner wollen natürlich auch Kontrolle haben, auch Kontrolle über die Europäer. Andererseits sind die Amerikaner ja nicht unsere Gegner, die Amerikaner sind auch keine Gegner vernünftiger russisch-europäischer Beziehungen, sie wollen sich aber den Einfluss bewahren.

BKZ: Aber sie erlauben Russland keine internationale Rolle, nicht etwa wie China als „factory for the World“, sie wollen Russland auf internationaler Ebene keine große Rolle als Energielieferant oder so etwas zubilligen. Sie blockieren z.B. den Nord Stream 2, sie wollen Russland nicht so groß auf der Weltebene, oder?

Fasbender: Ich glaube, die Amerikaner haben zurzeit einen großen Rivalen auf dem Schirm, das ist China. China ist in den letzten 20, 30 Jahren enorm gewachsen. Seit zehn Jahren… ungefähr zehn Jahren nehmen wir China als geopolitischen Rivalen der USA wahr und natürlich ist es das amerikanische Interesse, jetzt den alten großen Rivalen, also Russland, damals in Form der Sowjetunion, in diesen Rivalitäten auf den zweiten Platz zu verweisen. Also man sieht das russische Störpotenzial für die Amerikaner, für den Westen, und dieses Störpotenzial möchten die amerikanischen Strategen begrenzen, ja? Sie möchten es am liebsten soweit kontrollieren, dass sie sich ganz auf die Auseinandersetzung mit China konzentrieren können. Es geht da nicht grundsätzlich um Russland, um Russland, sondern es geht wohl eher darum, dass eine tripolare Welt – also wenn man sich jetzt Washington, Peking und Moskau vorstellt – noch schwieriger zu organisieren wird als ’ne bipolare Welt. Unsere Politik ist an bipolare Zustände eher gewöhnt, aus dem 20. Jahrhundert heraus, als an tripolare oder gar noch multipolare, die sind noch viel komplizierter. Und insofern erkläre ich mir das Streben der Amerikaner, sie wollen vor allem für Ordnung sorgen im europäisch-russischen Verhältnis, sie wollen ihren Einfluss nicht verlieren und sie wollen sich auf China konzentrieren können.

BKZ: Aber ich behaupte, das Feindbild Russland wird übertrieben, dass die Amerikaner mit Absicht Russland überschätzen und sagen, es ist eine Gefahr. Und die Amerikaner wollen ihre Agenda durchsetzen, z.B. ihr Militärbudget erhöhen. Sie benutzen Russland dann als Feindbild, um ihr militärisches Budget erhöhen zu können. Und das wiederholt sich immer im Dezember, bevor sie ihr Militärbudget genehmigen, dann kommt Russland sofort aus der Erinnerung als Feindbild. Diese Geschichte wiederholt sich jährlich.

Fasbender: Wissen Sie, ich sehe das nicht so. Russland hat nicht mehr die Bedeutung. Wenn die Amerikaner ihr Militärbudget erhöhen, dann viel eher aufgrund der chinesischen Aufrüstung. Die Chinesen werden nicht nur wahrgenommen, die Chinesen sind objektiv eine größere Gefahr für die amerikanische Macht. Russland hat eher.. sagen wir mal..  Potenzial als Störfaktor, aber hat nicht das Potenzial, gleichwertig wirklich wie die Chinesen den Amerikanern die Welt streitig zu machen, das kann Russland nicht. Und auch das Feindbild, würd’ ich sagen … ich treff’ in Deutschland fast öfter auf so etwas wie ein Feindbild, als in den USA. Es ist da ganz bezeichnend, dass jetzt in den letzten Wochen und Monaten es die USA waren, die eigentlich gesagt haben. „Lasst uns zum Dialog.. lasst uns hinsetzen“, ja? In der europäischen Presse, in den europäischen Medien gibt es ’ne starke transatlantische Fraktion, die fast noch eher mit .. ja.. antirussischen, russophoben Argumenten operieren als die Amerikaner das tun. Ich seh’ die Amerikaner, die Rolle der Amerikaner im Moment eigentlich pragmatischer als die Rolle vieler deutscher Transatlantiker, die wirklich mit allen Rohren gegen den russischen Feind schießen.

BKZ: Vermisst Russland bzw. Putin Merkel jetzt? Die Beziehung zwischen Merkel und Putin war definitiv besser als jetzt. Scholz ist neu im Amt, aber … was meinen Sie?

Fasbender: Es war vor allem ’ne starke Beziehung. Ich würd’ gar nicht sagen, dass es unbedingt ’ne gute Beziehung war, sicher keine leichte, für beide nicht. Aber es war ’ne starke, sie haben sich … sie wussten, was sie aneinander haben. Sie sind sich auf Augenhöhe begegnet und sie waren wirklich Erstligaspieler, beide. Ich glaub’ schon, dass Putin die Möglichkeit eines vertrauten Ansprechpartners vermisst, denn die haben viel mehr, viel öfter miteinander telefoniert als wir das in der Öffentlichkeit wahrgenommen haben. Und vor allem ist Frau Merkel auch jemand, der natürlich aufgrund der Sprachkenntnisse und auch aufgrund des persönlichen Hintergrunds, also Aufwachsens in der DDR, die Bedingungen eher verstanden hat, unter denen Putin arbeitet und denkt und fühlt. Und das .. da kommt jetzt so ’ne Außenministerin, Annalena Baerbock, die sehr außenpolitisch an den USA geschult ist, die eine Basis hat, eine Parteibasis, die ausgesprochen bürgerrechtlich, menschenrechtlich, ist, demokratiebewusst, und das wird natürlich in Russland, aber auch in China und anderen Ländern, deren Gesellschaftsordnung bewusst autoritärer gestaltet ist als bei uns, wird das auf Schwierigkeiten stoßen.

BKZ: Aber wenn wir auf die Weltlandkarte gucken, sehen wir eine Konkurrenz zwischen dem Westen und Russland. Schauen wir auf Syrien, sehen wir die Amerikaner und ihre Verbündeten auf einer Seite und Russland auf der anderen Seite. Das gleiche in Libyen, in Äthiopien, in der Türkei, wie es mit Erdogan ist. Immer gibt es Konkurrenz in der Außenpolitik zwischen dem Westen und Russland. Oder finden Sie, diese Konkurrenz ist normal? Ist es legitim, dass jeder die Welt beherrschen will?

Fasbender: Nein, ich glaube, dass wir definitv einen Konflikt haben, den wir in dem Ausmaß vor zehn Jahren nicht gehabt haben, sagen wir mal. Das hat sich alles seit 2014 sehr geändert, zum Schlechteren, so gesehen. Man kann den Konflikt auch durchaus als hybriden Konflikt bezeichnen, weil er gleichzeitig weltanschaulich und dann im Cyberspace stattfindet, und zwar auf beiden Seiten, ja? Beide Seiten streben im Prinzip danach, einander zu destabilisieren, beide Seiten streben danach, Punkte auf Kosten des anderen zu machen, ob das jetzt in Nordafrika ist oder in Mali ist, ob es in anderen Regionen ist. Und beide Seiten suchen auch noch ihre Rolle. Wie ich vorhin sagte, eine bipolare Welt, eine tripolare Welt, noch sind das wie so junge Katzen, die so’n bisschen rumbalgen, oder alte Katzen, die noch balgen wollen.

BKZ: Letzte Frage: Putin lebt nicht für immer und ewig. Keiner lebt für immer und ewig. Wie sehen Sie den Machtübergang von Putin zu seinem Nachfolger? Wie wird er das entwickeln? Ist es wieder ein Militär, ein KGB-General, der an die Macht kommt, oder wie sieht es aus? Oder wird es in Russland einen Bürgerkrieg geben, wie in den Ländern, die nicht aus der Russischen Föderation hinauswollen? Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung?

Fasbender: Also der Machtübergang wird im Zweifel eher schwierig sein, weil die Wahrscheinlichkeit, dass es ’n glatten Übergang gibt, ist gerade unter den dortigen Verhältnissen, wo es ja eigentlich keinen Wettbewerb demokratischer Parteien oder keinen Wettbewerb verschiedener Führer gibt, sondern alles sehr monolithisch organisiert ist. Im Idealfall folgt auf Putin ein Mensch, der in der Lage ist, in der Bevölkerung sehr rasch eine Mehrheit auf sich zu vereinigen, so wie Putin das die ganzen Jahre über getan hat. Wenn es dazu nicht kommt, wird es auf jeden Fall Schwierigkeiten geben, wird es möglicherweise auch kurze .. kurzzeitige Führer hintereinander geben, oder Staatsführerinnen, -präsidentinnen. Die Frage, inwieweit die Geheimdienste dort ’ne  Rolle spielen – ich glaub’ schon, dass der Sicherheitsapparat in den letzten Jahren jedenfalls den Primat über den liberalen Flügel der Gesellschaft, den es ja weiterhin auch gibt, auch den der politischen Klasse, gewonnen hat. Im Zweifel heute kommt eher ein Nachfolger aus dem Sicherheitslager, dem sogenannten Militärlager. Aber das Allerentscheidendste wird am Ende sein, es muss ein Mensch sein, der in der Lage ist, rasch die heutige Putin-Mehrheit hinter sich als neue Mehrheit zu galvanisieren. 

BKZ: Und ist jetzt Nord Stream 2 für immer tot?

Fasbender: Nein, nein, nein!

BKZ: Warum nicht?

Fasbender: Die Pipeline liegt, die Pipeline liegt! Jetzt ist sie erstmal Objekt und Opfer politischer Auseinandersetzungen. Vielleicht liegt sie ein Jahr, vielleicht liegt sie zwei Jahr – ich glaub’, ehrlich gesagt, nicht, dass Europa, das gleichzeitig aus allen jetzt schwer CO2 … umfangreich CO2 erzeugenden Energien aussteigen will, dass dieses Europa ohne Erdgas als relativ CO2- freundliche fossile Energie überleben kann. Aber das werden wir möglicherweise in fünf Jahren anders sehen, also in fünf Jahren, glaub’ ich.. also meine Wette wäre, wird das laufen, spätestens.

BKZ: Also Sie meinen, nachdem Annalena Baerbock das Auswärtige Amt verlässt, weil sie das auf keinen Fall erlaubt, oder?

Fasbender: Nein, auf keinen Fall ? Kein Politiker erlaubt irgendwas auf keinen Fall oder unbedingt, ja ? Politiker … oder die Kunst der Politik ist die Kunst des Möglichen und das Mögliche ist eben immer, dass nichts ausgeschlossen ist. (lacht)

BKZ: Aber Sie haben schon von Anfang an gesagt, dass sie proamerikanisch ist und antirussisch.

Fasbender: Ja, aber das heißt ja nicht…  In Amerika gibt’s ja auch Stimmen, die sagen: „Lasst den Europäern mal ihre Pipeline! Das hat auch andere Vorteile.“

BKZ: Vielen Dank für Ihre Zeit, dankeschön.

Fasbender: Gerne.

Interview geführt von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

Foto Copywright: Emilio Esbardo Thomas Fasbender, deutscher Industriekaufmann, Philosoph, Journalist, Publizist und Unternehmer. BKZ: Guten Morgen. Wer sind Sie? Fasbender: Thomas Fasbender im Moment aus Berlin. BKZ: Und was machen Sie beruflich? Fasbender: Ja, ich

Thomas Fasbender, deutscher Industriekaufmann, Philosoph, Journalist, Publizist und Unternehmer.

Ewald König: Der Österreichische Journalist und Träger des Papst-Johannes-XXIII.-Preises und des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich

Fasbender:

Meine Damen und Herren, es freut mich sehr, dass so viele gekommen sind. Das deutet auf ein bestimmtes Interesse hin, ich hoffe, mehr an dem Objekt meiner Neugier als an mir selbst. Es stimmt nicht ganz, was Herr König gesagt hat, dass es keine Biographie gibt. Es gibt seit.. also diese Biographie, meine, ist seit 22 Jahren die erste eines deutschsprachigen Autors. Der Alexander Rahr, der Name wird Ihnen was sagen, Russlandexperte, hat zwar im Jahr 2000 schon eine Biographie – sehr lesbar – damals eben über den jungen Präsidenten geschrieben unter dem Namen „Der Deutsche im Kreml“, auch ein interessanter Name, gar nicht so daneben. Seitdem gibt es also aus deutschsprachiger Feder keine.

Es gibt – was derzeit vorhanden ist – die Biographie von Steven L. Myers aus einem US-Amerikaner, aus dem Jahr 2015 „The New Tsar“, die auch im Deutschen als „Der neue Zar“ übersetzt 2016 herausgekommen ist, noch etwas dicker als meine paar Seiten, aber natürlich erst einmal nur bis 2015 und auch aus einer naturgegeben US-amerikanischen Perspektive heraus, dennoch ein sehr gut lesbares Werk.

Darüber hinaus gibt es natürlich in allen Sprachen, nicht zuletzt in deutscher, jede Menge Monographien über Putin als Person, über seine Politik, über bestimmte Aspekte seiner Regierungszeit, aber was es nicht gibt, ist eben eine Biographie, die wirklich im klassischen Rahmen wie meine beginnt mit dem Großvater, der 1923 Lenins Leibkoch in Gorkij war, das Sanatorium im Süden von Moskau, und geht dann über die Eltern, einfache Leute im zerschossenen Leningrad der Nachkriegszeit hin zu diesem sehr lange sehr obskuren KGB-Offizier, der nach zehn Ausbildungsjahren 1985 in die DDR geschickt wurde – weiß Gott kein Prestigeposten – nach Dresden, der bis 1990 in dieser Organisation, dem KGB, geblieben ist und dann in den 90erjahren einen von sehr viel Geheimnissen und Rätseln begleiteten Aufstieg durchlebt hat, zu dem es – also zu diesem Aufstieg – zu dem es also jede Menge Theorien gibt. Es ist im Prinzip … will mal kurz sagen, meine Biographie als solche…

Lassen Sie mich mal sagen, wie ich darauf gekommen bin.. Das Ganze entstammt einem Gespräch oder wurde initiiert in einem Gespräch kurz vor Corona, Ende 2019, Spätherbst 2019, wo wir im Prinzip … ich weiß gar nicht mehr, wer das damals war, aber redeten eben über die literarische Abdeckung des Themas „Putin“ und da kamen wir darauf, es gibt ja gar keine oder seit langem keine Biographie. Damals ist es entstanden und dann ist es auch für mich … also mein privates Corona-Produkt. Ich gehöre also wirklich zu den Corona-Gewinnern, in dem Sinne, als dass Corona mir enorm viel Zeit geschenkt hat, dieses Buch zu machen.

Ich hab’ dann auch sehr große Sorge gehabt, dass das Buch am Ende wegen einer Corona-Infektion leidet, deswegen gehöre ich also zu den wenigen Leuten, die auch viermal geimpft sind. Ich hab’ mich im Frühjahr zweimal mit Sputnik in Russland impfen lassen und dann noch zweimal mit Moderna nachher hier im Herbst.

Es ist also mein persönliches… es wird auch mein Leben lang meine persönliche Corona-Erinnerung bleiben. Das Buch hat eigentlich drei Felder, Ansätze. Also das erste … die erste Hälfte …  etwas weniger als die erste Hälfte beschäftigt sich wirklich mit der Zeit von Putins Kindheit, Jugend.. also vergessen wir mal die Großeltern- /Elterngeneration, aber Kindheit, Jugend und der Eintritt in den KGB, für den Putin.. wo Putin sich –  gerade 16 geworden – freiwillig meldet, in Leningrad, das hatte es ungefähr noch nie gegeben, dass jemand sich als gerade 16-Jähriger in das sogenannte „Große Haus“ – das ist das Leningrader KGB, die KGB-Hauptverwaltung –  in das Große Haus begibt und dort beim Pförtner sagt, er möchte hier gerne arbeiten, gerade 16 geworden. Dann erst nach dem Studium nimmt er dann diese Arbeit auf.

Da ist dann einmal die Frage: Welche Rolle spielt der KGB bei den verschiedenen Stationen? Das beginnt bei der Universität: Er kommt, obwohl er ein mittelmäßiger Schüler ist, auf die sehr prestigeträchtige Leningrader staatliche Universität, in die juristische Fakultät, das war einer der … das war der Kernratschlag, den der KGB-Offizier ihm Ende der 60er gegeben hat: Er muss also entweder den Militärdienst machen oder was Anständiges studieren. Er hat ihn dann gefragt: „Was ist denn was Anständiges?“ „Das ist Jura!“ Leningrader staatliche Universität, 40 Bewerber auf einen Studienplatz und Putins Eltern – auch der soziale Hintergrund ist wichtig bei dieser Biographie – , einfache Leute.

Man möchte bitte nicht unterschätzen, welche Rolle die soziale Herkunft auch in der Sowjetunion gespielt hat –  also von wegen klassenloser Gesellschaft.  Und er schafft das, er wird aufgenommen und natürlich ranken sich seitdem die Fragen darum: Hat der KGB im Hintergrund geholfen? Weil gemerkt hat man ihn sich, den Namen, ja schon. Man hat sich dann auch im Laufe des Studiums wieder an ihn gewendet. Rätsel und ungelöste Fragen, die ich auch nicht beantworten kann, begleiten diese Laufbahn, den ganzen Werdegang dieses Mannes bis in die heutige Zeit. Ich kann Ihnen vielleicht dazu noch mal hinterher ein, zwei Stellen daraus vorlesen.

Ich versuche alle diese Fragen zu benennen und aufs Papier zu bringen und ich schrecke immer dann vor einer Antwort zurück, wenn ich nicht hundertprozentig sicher bin, dass ich sie geben kann. In den meisten Fällen ist das so, wenn ich nicht hundertprozentig sicher bin, welches die richtige Antwort ist. Dann geht es weiter, dieser hochinteressante.. diese hochinteressante Karriere, die ihn dann zuerst 1996 nach Moskau bringt, nach vier Jahren.. nein, nach fünf, sechs Jahren in St. Petersburg als rechte Hand des damaligen Bürgermeisters Anatoli Sobtschak,’96 dessen Verlust bei der Wahl Putin wieder in.. vor Stunde Null seiner Karriere wieder oder auf „back to square one“, er dann 1996 nicht mehr weiter weiß, schafft es dann mit Glück und ein bisschen Nachhilfe von anderen nach Moskau und legt dann in Moskau von 1996 bis 2000 eine wunderbare Karriere gegenüber den Stufen der Kreml-Verwaltung hin, nicht die Präsidialverwaltung, wo er für das Auslandsvermögen zuständig ist, sagen wir mal, das ist ’ne Abteilungsleiterposition in der Kreml-Verwaltung. Dann ein Jahr später kommt er in die Präsidialverwaltung als stellvertretender Staatschef, was in Russland nun auch letzten Endes nur eine Abteilungsleiterposition ist, Stellvertreter gibt es normalerweise wie Sand am Meer, wichtig ist der Erste Stellvertreter, das ist schon bei den Ministern so. Erster Stellvertreter des Staatschefs, also des Chefs der Präsidialverwaltung, wird er 1998.

Drei Monate später wird er schon Chef des Geheimdienstes, ja.. im Sommer 1998, und dann ein Jahr später Premierminister und noch einmal vier Monate später amtierender Präsident und noch einmal drei Monate später gewählter Präsident – also eine schwindelerregende Karriere aus dem Nichts. Ich benutze zwei, dreimal den Begriff „vom Kellner zum Koch“ und man muss das auch immer… man muss das auch in einem gewissen Moment an Ironie sehen, weil die Person ist so unauffällig wie begabt und fähig, ja?

Das fällt einem immer in den 90erjahren auf, dass wirklich niemand gesagt hat, auch von Zeitzeugen, auch von deutschen Zeitzeugen… es gibt ja nicht wenige in den damaligen Jahren, es gab intensiven Austausch Anfang der 90er zwischen Hamburg und St. Petersburg, als er stellvertretender Bürgermeister war. Es gibt nicht wenige, die ihn damals kennengelernt haben und eigentlich weder unter Russen noch unter Deutschen hat er den Eindruck erweckt, aus ihm wird in der Zukunft etwas Großes werden und dann ist es doch so geworden, dass er 22 Jahre Präsident dieses Landes ist. Jetzt kann man von ihm halten.. oder von dem Land halten, was man will, aber 22 Jahre ist ’ne Hausnummer. Damit bin ich auch schon beim zweiten Thema, da geht es dann um die Bewertung der Präsidentschaften. Es sind ja insgesamt vier Präsidentschaften, wobei man sagen muss .. also die eine, die vierte, läuft noch bis 2024.. wobei man sagen muss, zum Teil sind die ersten beiden, dann gab es dieses Interregnum, ja, also den Präsident Medwedew. Und dann ist er 2012 wiedergewählt worden und seine Amtszeit läuft.

Er ist genauso wie die allermeisten Russen seiner Zeit erfüllt, jener Zeit…. Er kommt also nicht … es gibt diese Stimmen, dass er immer der KGB-Rächer gewesen ist und nie etwas anderes vorhatte als so viel zu restituieren der alten Sowjetmacht, der alten KGB-Macht, des alten Kommunismus wie möglich, aber ich bin nicht dieser Ansicht, aus anderen Gründen.

Aber was geschieht? Eben nach 2000 kommt es zu einem Umbruch, den wir jetzt inzwischen auch im Westen bemerken, den wir lange Zeit nicht bemerkt haben. Und im Jahr 2010… um das Jahr 2010 hat erstmals die Wirtschaftsleistung … die globale Wirtschaftsleistung des sogenannten Westens –  also wenn wir mal Europa und alle europäischstämmig besiedelten Länder zusammennehmen – die Wirtschaftsleistung des Westens ist erstmals seit erste Hälfte des 19. Jahrhunderts unter 50 % der Weltwirtschaftsleistung gefallen.

Dieser sogenannte Westen trägt nur noch mit rund 10 % zur Weltbevölkerung bei, eine sehr stark schwindende Zahl, das werden nur noch so ungefähr 7 % sein im Jahr 2050. Wir haben dieses auch im Jahr 2000 eigentlich noch unabsehbare Comeback Chinas, 2013 die Ausrufung der Neuen Seidenstraße und dann 2014 dieses erste Aufbäumen und für den Westen da sehr erschütternde… also für uns sehr.. ja, mehr als erstaunliche und schwer verdauliche Aufbäumen Russlands mit der Annektion der Krim in Reaktion auf die politischen Veränderungen in der Ukraine und seitdem eine wachsende Spannung, die also zu unserer heutigen Situation der dazu geführt haben. Ich sehe also hier ein Politikerleben, dass vor allem durch die Länge seiner Herrschaft ja interessant ist.

Diese Herrschaft fällt in die Zeit dieses beginnenden und sich vollziehenden Umbruchs hinein, endemischen? und globalen Umbruchs infolge der Globalisierung, infolge natürlich auch demographischer Veränderungen auf der ganzen Welt  – aus meiner Sicht hier immer noch nicht angemessen wahrgenommen bei uns. Wir fühlen uns immer noch in einer Sicherheit, die eigentlich nicht mehr legitim ist.

Diese Gleichzeitigkeit, und das ist also, glaub’ ich, der letzten Endes entscheidende und für die Gegenwart und Zukunft dann auch wichtigste Teil meines Buches, wenn man mal von dem Referieren von Vergangenheit absieht… da spring ich an dem Punkt gleich hinein… genau…: „Es gibt die Position, wonach Russland nach dem Ende der Ära Putin in den europäischen Mutterschoß zurückkehren wird. Der Autor – also das bin ich – der Autor kann daran nicht glauben. Unter Putins Ägide vollendet sich der 300-jährige russische Connection to Europe“. So wie Zar Peter I sein Land um 1700 in den Orbit des vielfach überlegenen Kontinents gezwungen hat, so verlässt Russland diesen Orbit auch wieder, seit Europa an relativer Masse und Anziehungskraft verliert. Vor diesem Hintergrund hat Putin die Krim annektiert, Russlands Krallen gezeigt und die Entfremdung vom Westen betrieben, genauso wie der Westen seine Entfremdung von Russland betreibt.

In diesem Konflikt gibt es weder Henne, noch Ei. Er ist schlichtweg eine Reaktion auf die Veränderung der globalen Kräfteverhältnisse im frühen 21. Jahrhundert. Im Zentrum steht der Wiederaufstieg Chinas zur Weltmacht. 250 Jahre galt, dass technischer Fortschritt und Wirtschaftswachstum nur in einer liberalen Gesellschaft nach europäischem Muster möglich sind. Mit China tritt ein weltanschaulich kulturell rivalisierendes Modell ins Scheinwerferlicht, eine autoritäre Ein-Parteien-Gesellschaft, der es gelingt, private Initiative und staatliche Koordination zu ungeahnter Dynamik zu kombinieren. Damit verliert die europäische Aufklärung ihr Fortschrittsmonopol, Bedeutungshoheit über den historischen Prozess. Fukuyamas Ende der Geschichte verweht wie Asche im Wind. Nach einer kurzen Phase vermeintlicher Gewissheit ist die Weltgeschichte wieder ergebnisoffen. Noch hält der Westen, hält Westeuropa an seiner Illusion fest.

Die weitere Putin-Herrschaft und wahrscheinlich die gesamten kommenden Jahrzehnte stehen im Zeichen dieser Konfrontation. Solange Putin einer militärischen Auseinandersetzung mit der NATO oder einzelnen ihrer Mitglieder ausweichen kann, stabilisiert der Konflikt seine Macht und seinen Staat. Die geopolitische Pattsituation, die beide großen Rivalen von einem Krieg abhält – China ist noch nicht stark genug, die USA sind es nicht mehr – könnte eine Nachfolgeregelung in Putins Sinn sogar erleichtern. Das Kalkül ist offensichtlich: Während seiner ersten Präsidentschaften stand er unter Rechtfertigungsdruck.

Russland war stolz darauf, dabei zu sein: G8-Mitgliedschaft, Teilhabe an der Entscheidungsfindung der NATO und der EU. Doch es waren auch Zeiten der Zähmung, kein Jahr, in dem Russland nicht gemaßregelt wurde. Ob es der Umgang mit den Medien war oder mit den Oligarchen, mit den Tschetschenen, anderen Minderheiten oder der Opposition, die fragwürdigen Wahlen, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und, last not least, die Korruption –  der westlichen politischen Klasse haben die Russen es nie recht gemacht.“

Jetzt komme ich auf dieses Thema noch, kurz, Verhältnis zur Ukraine.

„Es ist angeklungen, gutes Verhältnis zur Ukraine, oder eigentlich der Traum von der ostslawischen Einheit ist die Achillesferse, der emotionale Schwachpunkt des kalten Autokraten Putin. Sein historisches Trauma ist die Spaltung der Großrussen, Kleinrussen, Neurussen und Weißrussen in souveräne Staaten, die zum Spielball geopolitischer Interessen werden. Wenn er den Untergang der Sowjetunion betrauert, geht es primär um die ostslawische Dimension. Das von Stalin annektierte Baltikum ist insofern wie die imperialen Kolonien in Zentralasien, den Nordkaukasus regiert er als Suzerän, empathiefrei, „irgendeiner muss den Job machen“. Im osteuropäischen Dazwischen kollidieren Putin und der Westen, der 2014 in der Ukraine einen wichtigen Etappensieg erringt. Wobei das westliche Interesse nichts weniger als einheitlich ist.

Den einen geht es um Demokratisierung, den anderen um Eindämmung, wieder andere hängen alten, halbvergessenen Zeiten nach. Im Juli 2020 haben Litauen, Polen und die Ukraine im polnischen Lublin das sogenannte „Lublindreieck“ ins Leben gerufen. Eben dort entstand 1569 die polnisch-litauische Rzeczpospolita, eine Großmacht der frühen europäischen Neuzeit von der Ostsee bis zur Schwarzmeersteppe.Angestrebt wird die Umwandlung des „Lublindreiecks“ in ein „Lublinquadrat“, die drei genannnten Staaten plus Belarus.“

So zum Schluss… das ist ja kein Roman, da kann man am Ende … verrät man nichts. Jetzt les’ ich den allerletzten Absatz vor:

„Im 22. Jahr seiner Herrschaft“ – wir sind ja schon im 22. –„ im 22. Jahr seiner Herrschaft begreift der Putin-Staat sich als Wagenburg gegen den Angriff auf das System und seine Eliten, gegen die politisch-kulturellen Hegemonieansprüche des Westens, gegen die zeitgenössische Dekadenz. Doch das sind die falschen Fronten: Die zeitgenössische Dekadenz wird in Russland verdorren, die Auswüchse der Identitätspolitik und des Individualismus. Die ausländischen Agenten sind auch keine Werkzeuge westlicher Hegemonie. Was die suchen, hat der Westen gar nicht mehr im Angebot. Wertvorstellungen, in denen Gemeinschaft, Gleichheit, Gerechtigkeit, Respekt und Anstand sich verzwirnen. Unter dem Firnis des Raubtierkapitalismus lebt die Sehnsucht nach den kommunistischen Idealen,“ – jetzt kommt ein Zitat, das spielt vorher im Buch eine Rolle – „die bekanntermaßen den christlichen Geboten gleichen: nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen usw. Die Zukunft Russlands entscheidet sich nicht in der Konfrontation mit dem Westen. Die Angst der alten Männer im Kreml gilt einem Scheinriesen. Ob unter Putin oder nach ihm – Russland geht seinen eigenen Weg. Der wird nicht eurasisch, nicht europäisch, nicht asiatisch sein. Im Norden des ungeheuren Kontinents, dessen Osten im Aufstieg begriffen ist, während der Westen im Abendlicht glänzt, ist vielleicht Russland das neue Dazwischen, wir wissen es nur noch nicht.“

Also das als Einstimmung auf den .. zumindest den offenen Ausgang, ja? Ich könnte jetzt noch jede Menge vorlesen über Putins Leben, Werdegang und alles,  aber ich hoffe, dass einige von Ihnen es sich mitnehmen, es sich zu Gemüte führen und würd’ mich freuen, wenn es Ihnen gefällt.

König: Das was Sie ganz am Schluss jetzt da zitiert haben, könnte die Ausgangsbasis sein für ein neues Buch.

Fasbender: Es wird sicher ein neues Buch kommen.

König: Herr Fasbender, wollen wir gleich in die Mitte der Dinge springen?

Fasbender: Das ist jetzt nicht nur Putis Sache, das betrifft die gesamte politische Klasse. In Russland hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass die sogenannte europäische Friedensordnung.. Welt- und Friedensordnung, die seit den 90erjahren … in den 90erjahren gewachsen ist –  gerade auch mit Blick auf die Ukraine, die Charta von Paris und auch eine von Budapest –  dass diese Friedensordnung … dass diese Ordnung eigentlich dem Ziel dient – wie gesagt, ich referiere jetzt eine russische Sichtweise, ja? – eigentlich und nicht zuletzt dem Ziel dient, einen möglichst großen Teil des nichtrussischen Europas unter westlichen.. vor allem unter USA-Einfluss zu bekommen – russische Sichtweise, ja? Es ist nicht meine Ansicht, es ist nicht meine Bewertung, aber es ist die Sichtweise, die sich durchgesetzt hat. Plus – jetzt kommt etwas hinzu – die russische Außenpolitik hat in ihrer Geschichte immer Wert darauf gelegt, dass niemals in Europa eine einzige dominierende Macht geherrscht hat. Es hat zwei Fälle gegeben, in denen das anders war, als Napoleon Russland .. nein, als Napoleon Europa beherrscht hat. Das hat 1812 mit der Invasion geendet. Und als 1940 Hitler praktisch das gesamte Europa… Deutschland das gesamte Europa beherrscht hat. Das endete in der Invasion 1941. Uns fällt es schwer, ja, wenn wir als Westler oder als Mitglieder der NATO.. uns vorzustellen, dass man von außen auch die Hegemonie der USA oder der westlichen Kultur als eine Bedrohung wahrnehmen kann. Wenn mir jemand sagt: „Du kannst das doch nicht vergleichen!“ oder „Die Russen können das doch nicht vergleichen, 1812, 1941 und 2021!“ – da fällt mir immer ein.. ein Argument ein, das mir in Russland vor vielen Jahren mal jemand gesagt hat, als das System – vor vielen Jahren – noch nicht virulent war, dieser Konflikt, da hat er gesagt: „Wenn ein Russe in Berlin im Juni 1931 gesagt hätte „In zehn Jahren werdet ihr uns mit 156 Divisionen angreifen“ , dann hätte jeder Deutsche ehrlichsten Herzens, sogar jeder NSDAP den 1931 für verrückt erklärt. Und das ist jetzt kein logisches … das ist jetzt keine Legitimation einer bestimmten Handlung – ich legitimiere nicht – aber ich versuche zu erklären, dass Russland einfach die Ausbreitung der NATO und zwar weder die Ukraine in die NATO – danach sieht’s ja sowieso nicht aus – , noch die NATO in die Ukraine – also darauf richtet sich ja vor allem der gegenwärtige Zorn  –  beides wird Russland nicht akzeptieren. Ob wir das wollen oder nicht, ob es gegen Ordnung oder Regeln oder Verträge verstößt, beides wird es nicht akzeptieren. Die Europäer ..  der Westen kann wiederum aus seiner eigenen Logik heraus weder eine Finalisierung? der Ukraine, noch den Übergang der Ukraine in eine russische Einflusszone … also, kann keine Beschneidung der ukrainischen Souveränität zulassen. Aus dieser Kollision .. Ich hab’ das hier im November geschrieben, ja? Warten Sie mal!

„Diese Lublin-Initiative“ – von der ich gesprochen habe – „der Ostmitteleuropäer bezeugt jedenfalls deren neues Selbstvertrauen und die Befürchtung, dass auf die USA und Westeuropa letztlich kein Verlass sein wird. Die Urangst, als Verhandlungsmasse der Nachbarn in Ost und West zu enden“ – da geht’s jetzt um Polen und Baltikum natürlich – „konkurriert mit der Erinnerung an eigene Großmachtzeiten. In der Summe entsteht ein explosives Gemisch. Die „Bloodlands“ , wie Timothy Snyder den Raum nennt, sind noch lange nicht befriedet. Und auch hier in Ostmittel- und Osteuropa birgt die tragische Lust am Rechthaben und Rechtbehalten auch den Keim eines neuen europäischen Kriegs.“

Also ich halte den Krieg für eine reale Option und ich gehe davon aus, dass die Russen das auch tun. Ich gehe davon aus, dass unsere Militärstrategen das ebenfalls tun. Unsere Politiker mögen das Wort noch nicht in den Mund nehmen, aber ich sehe im Moment, wenn sich nicht eine Seite, nein, wenn sich nicht beide Seiten massiv bewegen – und danach sieht es nach der letzten Woche nicht aus – keine Chance. Und die Russen haben ja selber gesagt: „Dialog brauchen wir nicht mehr“ und auch auf hiesigen Druck –  in unseren hiesigen Pressestimmen ist immer wieder zu lesen: „Was soll das? Sinnloser Dialog“ –  werden die Russen sich sowieso nicht bewegen.

Aufgezeichnet von Victoria Baxter
verschriftet von Kirsten Mische

Thomas Fasbender, deutscher Industriekaufmann, Philosoph, Journalist, Publizist und Unternehmer. Ewald König: Der Österreichische Journalist und Träger des Papst-Johannes-XXIII.-Preises und des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich Fasbender: Meine Damen und Herren,

Am 18.01.2022 um 17:00 Uhr sprach im Audimax anlässlich des diesjährigen 6. Sport-Empfang der Universität Potsdam als Partnerhochschule des Spitzensports die brandenburgische Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle ein Grußwort:

Meine Damen und Herren,

liebe Frau Schulze,

Ihnen auch noch mal einen guten Abend, vor allem aber Ihnen,

liebe Sportlerinnen und Sportler

und liebe Studierende und Studierenden.

Ich weiß, ich bin eingeladen zu einem Empfang, der jetzt zum sechsten Mal stattfindet, aber ich bin zum ersten Mal eingeladen, für mich ist das also eine Premiere und ich bin mindestens genauso aufgeregt wie die junge Künstlerin, die vorhin hier getanzt hat.

Und wer mich ’n bisschen kennt, wie beispielsweise der Präsident der olympischen Ringer, der hier in der zweiten Reihe sitzt, der weiß, ich bin ein megagroßer Sportfan, ich bin wirklich ein richtig großer Sportfan. Olympische Spiele, Sommer, Winter, Para, Weltklasse, EM’s, WM’s – ich bin mit Leidenschaft, mit hohem Puls, mit ganz viel Körpereinsatz, mit zum Zerreißen angespannten Nerven, und das Ganze gerne vor dem Fernseher. Aber ich bin nicht nur passiv ganz bewusst dabei, manchmal bin ich auch aktiv dabei, nämlich wenn es um das Zentrum für Hochschulsport geht, da bin ich nämlich regelmäßiger Gast und da stärke ich mein Rückgrat, nicht mein politisches, damit ist es ganz gut bestellt, sondern mein gesundheitliches.

Und da trifft man zuweilen Spitzensportlerinnen und Spitzensportler der Universität Potsdam oder aber auch – und jetzt erzähle ich ein kleines Geheimnis – man trifft auch manchmal den Präsidenten der Universität Potsdam, das wird dann ganz besonders nett. Und außer Haus bin ich einmal nicht Sportministerin, das werden die Herren Peesholt und Dr. Höppner aus dem Sportministerium bestätigen können, sondern ich bin Wissenschaftsministerin, und daher für die städtischen Spitzensportler/innen und/oder für die spitzensportlichen Studierenden zuständig.

Und da bin ich bei der Frage, was der Spitzensport mit einem erfolgreichen, ausgezeichneten Studium an der Universität Potsdam – der größten und übrigens erfolgreichsten Hochschule unseres Landes –  gemein hat. Um sportliche Höchstleistungen zu erbringen, sind Begabungen, aber vor allen Dingen sehr viel Disziplin und zeitlicher Aufwand verbunden. Gleiches gilt für die Absolventinnen und Absolventen der Universität Potsdam, die wir jeweils gesondert feierlich verabschieden und dabei immer wieder herausragende wissenschaftliche Leistungen ­würdigen.

Die Kombination also, Spitzensport und Studium, nun ja, die ist ziemlich herausfordernd, um nicht zu sagen, ziemlich sportlich. Um den höchsten Anforderungen auf dem Platz oder im Hörsaal gerecht zu werden, ist eben nicht allein die Tagesform entscheidend, sondern der lange Atem. Studierte Spitzenathletinnen und –athleten machten Spagat zwischen Studium und Spitzensport – ich glaube, der tut manchmal ganz schön weh und deshalb haben wir mit verschiedenen Partnern das Projekt „Partnerhochschule des Spitzensports“ ins Leben gerufen.

Und nach der Terminpause im vergangenen Jahr freue ich mich umso mehr, dass der sechste Sportempfang in Präsenz, wenn auch nicht voll besetzt, aber zumindest in Präsenz stattfinden kann. Die vergangenen beiden Jahre waren eine große Herausforderung für uns alle, aber vor allen Dingen für Sie, denn außer den für uns alle geltenden Einschränkungen leiden Sie vor allen Dingen ja besonders darunter, dass viele Wettkämpfe, viele Meisterschaften ersatzlos ausgefallen sind.

Und ja, es gibt alternative Wettkampfformate wie e-Tournaments, beispielsweise im Karate, die dann auch schnell ins Leben gerufen worden sind und die immer wieder auch so’n kleiner Lichtblick waren. Aber viele sind eben ersatzlos ausgefallen. Es ist so auch bei den Sachen der Lehre. Darauf hat Herr Kabbe ja bereits schon hingewiesen, kam dabei den meisten Athletinnen und Athleten ganz gut entgegen, Online-Seminare und –vorlesungen konnten eben sensationell gut mit dem anspruchsvollen Trainingstag und den Wettkämpfen in Einklang gebracht werden.

Und unsere Hochschulen, und damit meine ich auch alle Hochschulen, auch die Hochschulen, an denen keine Spitzensportlerinnen und Spitzensportler eingeschrieben sind, alle Hochschulen haben wirklich die letzten beiden Jahre, die letzten vier Semester, außerordentlich kreativ und flexibel gearbeitet und immer dafür gesorgt, dass das Leben, dass die Lehre auch noch ermöglicht wurden. Darauf bin ich sehr stolz und ich glaube, wenn wir sozusagen in ausreichendem Denken darüber sprechen würden, dann wäre das sicherlich der Diskussion würdig.

So, aber es geht ja auch ein bisschen darum, deswegen … so verstehe ich zumindest die Einladung zum Sportempfang, auch darüber zu reden, dass warme Worte durch die „junge Frau“, wie ich da gerade bezeichnet worden bin und auf einer Bühne versprüht.

Bislang engagiere ich mich nur für eine verlängerte Studienzeit, um darauf eben auch Bezug zu nehmen, dass es schwieriger geworden ist, in einer Pandemie gegebenenfalls den regelhaften Studienabschluss zu erreichen, und für Sportler ohnehin immer schwieriger. Wenn den Tagessatz des Studentenwerks aufgestockt, wenn Studierende in so große Not geraten sind, dass sie nicht mehr wussten, wie sie ihre Miete oder wie sie am Ende ihr ganzes Essen bezahlen sollen.

Und wir haben ein Sofortprogramm für digitale Hochschullehrer aufgelegt. Wir sind den ganzen Weg mit den Hochschulen über zwei Jahre zusammen gegangen. Und wir haben vor allen Dingen immer darauf geachtet, dass Präsenzformate immer auch möglich waren, Präsenzprüfungen genauso im übrigen wie auch Begegnungen, wenn sie auch vielleicht nicht immer stattfinden. Natürlich wissen wir nur zu gut, Spitzensport braucht den direkten Austausch, braucht die persönliche Begegnung. Es geht nicht nur den Sportlern, es geht nicht nur Ihnen so, sondern uns Menschen auch.

Ich brauche, auch wenn man’s mir manchmal nicht abnimmt, ich brauche den direkten Austausch mit meinen Hochschulpräsidentinnen und Hochschulpräsidenten, genauso, aber für Sportler ist es natürlich noch mal wichtiger. Und es ist egal, ob in der Wettkampfarena oder im Hörsaal, im Training oder im Seminar, auf der Matte, auf dem Wasser, Kanal, oder auf der Bahn oder eben in der Mensa: Ihre Leistungen, Ihre psychischen und Ihre physischen, liebe Athletinnen und Athleten, sind angesichts der pandemiebedingten Unsicherheit, ob Wettkämpfe stattfinden, ob Meisterschaften stattfinden, auf die man sich so wahnsinnig lang vorbereitet hat, besonders herausragend zu bewerten.

Sie waren bei allen nationalen und internationalen Wettkämpfen außerordentlich erfolgreich. Die Medaillenbilanz ist ja gerade hier schon präsentiert worden; zwei Gold, elf Silber, elf Bronze… und Jacob Schopf, Ihnen stellvertretend allerdings noch für alle anderen 39 Spitzensportlerinnen und Spitzensportler sei an dieser Stelle natürlich gedankt. Aber Ihre mentale Stärke und Willenskraft – die sind einzigartig, und ganz ehrlich, dies ist auch unschätzbar nicht nur im Spitzensport. Bewahren Sie sie sich, allen Widrigkeiten und allen Pandemien zum Trotz auch weiterhin!

Und im Namen der Landesregierung darf ich Ihnen von Herzen danken uns uns gemeinsam einen wunderbaren Abend wünschen. Ganz vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Aufgezeichnet von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

Am 18.01.2022 um 17:00 Uhr sprach im Audimax anlässlich des diesjährigen 6. Sport-Empfang der Universität Potsdam als Partnerhochschule des Spitzensports die brandenburgische Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle ein Grußwort: Meine Damen und

Lauterbach: Karl Wilhelm Lauterbach, deutscher Mediziner, Gesundheitsökonom und Politiker (SPD), seit dem 8. Dezember 2021 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz

Wieler: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Lothar H. Wieler seit März 2015 Präsident des Robert Koch-Instituts

BKZ: Herr Lauterbach, ich habe die Wörter „Impfgegner“ und „Impfverweigerer“ vermisst in dieser Diskussion. Also ich meine damit die Ungeimpften ohne Ausnahmegrund. Wahrscheinlich weiß Herr Wieler, wieviele Leute dies sind. Der Umgang des deutschen Staates ist irgendwie sehr, sehr höflich mit dieser Menschengruppe, oder, wenn man so sagen kann, ist weich. Also in Österreich gibt es ab Mitte März Geldstrafen von bis zu 3600 Euro für diese Menschengruppe, die ohne Ausnahmegrund ungeimpft sind. wie sehen Sie diese Sache? Gibt es irgendwann eine Geldstrafe oder etwas Stärkeres? Denn diese Krise zieht sich überlang hin und dann sterbe ich irgendwann wegen der Maske. Dankeschön.

Lauterbach: Ja, vielen Dank. Ich habe ja schon mal meine Haltung dargelegt, dass ich ein Befürworter einer Impfpflicht bin und ich glaube, dass eine Impfpflicht uns hier weiterbringen würde. Wenn wir jetzt also über die Impfunwilligen .. ich sage mal „schlecht“ sprechen würden, also sie geringschätzen oder abwerten, das bringt uns ja nicht weiter. Das bringt uns ja nicht .. Das verhärtet nur die Lager. Wenn man der Meinung ist, dass eine Impfpflicht erforderlich ist, Stichwort „Sonst kommen wir im Herbst wieder in eine ähnliche Situation“ –  sie ist geeignet, so etwas zu beseitigen. Die Impfstoffe können das ab… in Kombination mit den Medikamenten abwenden, also geeignet. Und es ist auch noch maßvoll, weil die Impfung sehr sicher ist und mittlerweile milliardenmal eingesetzt worden ist. Wir wissen, es gibt kaum Nebenwirkungen. Dann ergibt sich aus diesem Dreieck „Es ist erforderlich, es ist geeignet und es ist maßvoll“ die Notwendigkeit zu handeln. Das ist meine persönliche Einschätzung. Trotzdem, also ich finde es nicht richtig, dass man darüber spekuliert, weshalb Leute sich nicht impfen lassen wollen, dass man diese Leute herabwürdigt. Ich kenne auch Leute, die sich nicht impfen lassen wollen, weil sie einfach Dinge nicht verstehen oder weil sie ganz anderer Meinung sind im Zweifelsfall. Das kann alles akzeptiert werden. Das ist von mir nicht zu bewerten, ich mache keine Unterschiede bei den Gründen. Aber ich mach’ schon einen Unterschied, wenn die Frage kommt: Ist derjenige, der all das vorträgt, in der Pflicht, sich impfen zu lassen? Das ist er aus meiner Sicht.

BKZ: Wie groß ist diese Menschengruppe, die sich auf keinen Fall impfen lassen will?

Wieler: Ja, also ganz aktuelle Zahlen kenne ich nicht, aber wir gehen davon aus nach Befragungen, die ich im Kopf habe vom vorletzten Jahr, dass es etwa 5 % vielleicht sind der Bevölkerung, etwa in diesem Umfang ist das, aber die genaue Zahl kann ich nicht sagen.

Interview geführt von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

Lauterbach: Karl Wilhelm Lauterbach, deutscher Mediziner, Gesundheitsökonom und Politiker (SPD), seit dem 8. Dezember 2021 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz Wieler: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Lothar H. Wieler seit