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19/05/2022
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Franz Schopper: Klosteranlage von Neuzelle, herausragendstes Denkmalensemble Brandenburgs

Fotoquelle: Landtag Brandenburg

Die Rede von Prof. Dr. Franz Schopper, dem Direktor und Landesarchäologen Brandenburgs auf der Pressekonferenz des Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums zu den Restaurierungsarbeiten der Neuzeller Passionsdarstellungen, am 01.11.2021 in Wünsdorf

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ehrt mich, Sie heute hier in Wünsdorf zu diesem äußerst erfreulichen Anlass begrüßen zu dürfen. In unserer hiesigen Zentrale des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und archäologischen Landesmuseums haben wir nicht so oft so viele Gäste. Mancher mag sich ohnehin wundern, was wir so weit draußen so alles machen. Lassen Sie mich ganz kurz erklären, was wir so treiben und wie es dazu kommt, dass die Neuzeller Kulissen hier in unseren Räumen restauriert werden. Als landesweit agierende wissenschaftliche Denkmalfachbehörde vereinen wir ein breites Spektrum von Spezialistinnen zu den verschiedensten Themenbereichen rund um Archäologie und Denkmalpflege.

Neben der Verwaltung, die dies alles zusammenhält, arbeiten wir in drei fachlichen Säulen: der archäologischen Denkmalpflege, der Bau- und Kunstdenkmalpflege sowie dem archäologischen Landesmuseum. Mit uns arbeiten KunsthistorikerInnen, PrähistorikerInnen, RestauratorInnen, ArchäobiologInnen, ArchitektInnen, ChemikerInnen und noch andere Disziplinen.

Unser gesetzlicher Auftrag wurde im brandenburgischen Denkmalschutzgesetz in knappe Worte gefasst, umschließt aber eine breite Palette. Wir beraten BürgerInnen im Umgang mit Denkmalen, wir beraten Verwaltungen auf allen staatlichen Ebenen und bringen uns als Träger öffentlicher Belange möglichst früh in Planungsprozesse ein. Wir unterhalten fachwissenschaftliche Sammlungen und publizieren unsere Ergebnisse.

Wir bilden ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger aus und berufen sie für ihre Aufgabe. Ganz grundlegend obliegt uns die Feststellung der Denkmaleigenschaft, die Führung der Denkmalliste und explizit auch die Erforschung der Denkmale. Hierzu sind Standards zu entwickeln, zu implementieren und zu überprüfen. Datenbestände müssen ständig gepflegt und aktualisiert werden. Methoden der Denkmalerfassung und Denkmalkonservierung sind zu entwickeln und umzusetzen, dies nicht nur für unsere eigenen Objekte, die archäologischen Fundstücke im Landesbesitz. Diese sind zu erhalten, zu erforschen, für externe Nutzer bereitzustellen und allen InteresssentInnen im Ausstellungsbereich des archäologischen Landesmuseums in Brandenburg an der Havel zu präsentieren. Aber nicht nur dort vermitteln wir den reichhaltigen Strauß unseres archäologischen und baudenkmalpflegerischen Erbes.

Durch das Land wandern die Sonderausstellungen und weit über das Land gestreute Leihgaben in kommunalen Museen sowie Projekte an und um die Denkmale vor Ort komplementieren unsere Vermittlungsarbeit. Eines der herausragendsten Denkmalensembles des Landes Brandenburg ist ohne Frage die Klosteranlage von Neuzelle. Mit seinen archäologischen Spuren im Boden, seinen Baudenkmälern, seinem Barockgarten und seinen beweglichen Denkmalbestandteilen, dem Inventar, ist es ganz außergewöhnlich und beschäftigt die Landesdenkmalpflege seit Jahrzehnten auf allen fachlichen Ebenen. Mit den Partnern vor Ort, der Stiftung Stift Neuzelle, der Landesbauverwaltung, der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie mit der Unterstützung vor allem durch Bund und Land konnte viel bauliche Substanz gesichert und der Garten wieder erlebbar gemacht werden.

Heute steht aber ein absolut singuläres Kleinod im Mittelpunkt: die barocken Theaterkulissen, die Passionsdarstellungen. In ihrer Vollständigkeit sind sie nicht nur in Brandenburg einmalig. Sie stellen alle Beteiligten aber auch vor einmalige Probleme. Zumal nicht nur die Schäden an Leinwand, Holz und Malerei festgestellt und dokumentiert werden mussten, sondern erstmal ein Weg zu finden war, wie dies bei diesen hochkontaminierten Objekten überhaupt möglich ist und wie eine Konservierung erfolgen kann. Das Ganze natürlich auch so, dass man sie hinterher auch ausstellen kann. Ein dicker, dicker Brocken, dem alle hier Versammelten seit Jahrzehnten in verschiedenen Projekten zu Leibe rücken.

Nur hier im Landesamt für Denkmalpflege und archäologischen Landesmuseum waren die Fachkompetenz und die räumlichen Voraussetzungen gegeben, in einem von Frau Noll-Minor geleiteten Pilotprojekt Methoden der Erfassung und Konservierung zu erarbeiten sowie die Kulissen in ihren kulturgeschichtlichen Rahmen einzuordnen. Nur hier waren und sind die Restauratoren, die räumlichen und technischen Voraussetzungen gegeben, die Kulissen fachlich korrekt und entsprechend der notwendigen Arbeitssicherheitsbestimmungen zu bearbeiten.

Wir sind stolz, dass das Projekt bei uns im Hause umsetzbar ist. Umsetzbar ist es aber nur, weil geeignete Fachkräfte gewonnen werden konnten und die Finanzierung ermöglicht wurde. Neben der Stiftung Stift Neuzelle ist unserem brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur als auch der Staatsministerin für Kultur und Medien zu danken.

Herr Staatssekretär Dünow und Herr Graf, Herr Kannowsky, bitte nehmen Sie unseren Dank mit in Ihre Häuser. Aber wie so oft reichen staatliche Mittel alleine nicht aus und es braucht auch potente private Förderer. In Neuzelle wie auch an anderen Orten ist dies die ostdeutsche Sparkassenstiftung. Sehr geehrte Frau Werner, der ostdeutschen Sparkassenstiftung und, Herr Deckert, natürlich auch der Sparkasse Oder-Spree möchte ich von ganzem Herzen Dank sagen für die langjährige Begleitung des Projektes. Ohne Ihr Durchhaltevermögen und Ihre Bereitschaft, sich nachhaltig finanziell zu engagieren, stünden wir heute nicht vor dem Endspurt. Ganz herzlichen Dank!

Aufgezeichnet von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

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