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02/10/2022
HomeBerlinInhaber von Sawade: Das meiste Marzipan gibt’s aber in Berlin, in Deutschland, nicht etwa in Lübeck.

Inhaber von Sawade: Das meiste Marzipan gibt’s aber in Berlin, in Deutschland, nicht etwa in Lübeck.

Das Thema des Politischen Frühstücks des Korrespondentencafés am 16. Dezember 2021 im Hotel Am Kanzleramt Steigenberger mit Herrn Uwe BROCKHAUSEN, Reinickendorfs ganz neuem Bürgermeister (SPD) über die Nachnutzung von TXL, ein der größten Projekte Europas und die Zukunft des Bezirks Reinickendorf sowie die Präsentation des Bezirksporträts Reinickendorf

Die Gäste:
Uwe BROCKHAUSEN, Reinickendorfs ganz neuer Bürgermeister (SPD)
Gudrun SACK, Geschäftsführerin der Tegel Projekt GmbH / Urban Tech Republic
Benno HÜBEL, Geschäftsführer des Traditionsunternehmens SAWADE
Ralf ZÜRN, Werbeagentur Unit ZÜRN, Initiator des Bezirksporträts Reinickendorf

Moderator:

Ewald König: Der Österreichische Journalist und Träger des Papst-Johannes-XXIII.-Preises und des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich

Hübel:

Danke, also ja, ich hab’ ’ne ganz andere Geschichte aus .. aus Reinickendorf zu erzählen. Ich bin Benno Hübel, Inhaber von Sawade, der ältesten Berliner Pralinen- und Trüffelmanufaktur, also ganz was Altes, gar nicht was Neues, ganz klein und nicht groß, nicht technisch, sondern lecker. Absolut, ganz fein! Ja, wir sind 1880 gegründet worden, tatsächlich nicht weit von hier damals, das ist heute Ecke Friedrichstraße ungefähr, von dem Ostpreußen Ladislaus Ziemkiewicz. Der ist aus Ostpreußen zunächst nach der Lehre nach Paris gegangen, um dort Konfekt Macher zu werden, und ist dann nach Berlin gekommen. Damals war das noch eher ein Süßwarengeschäft aufgemacht und völlig spezialisiert auf Pralinen und Schokolade und solche Dinge.

Und dann ist vielleicht das erste Schöne passiert, was wir dort noch wissen aus der Zeit: Er ist auf der einen Seite relativ schnell für die oberen Zehntausend der Lieferant für Süßigkeiten geworden. Also wir haben viele, viele Unterlagen von diversen Prinzessinnen, Prinzen, Königen, die dort eingekauft haben, aber vor allem ist er zu dem Namen unseres Unternehmens gekommen, und zwar durch seine Nachfolger. Wir denken, dass es seine Nachbarin gewesen ist, Marie de Sawade – damals wurde Sawade noch mit Akzent geschrieben – und die beiden muss eine innige Liebschaft verbunden haben.

Das Unternehmen ist dann, nach der Verwirrung durch den Zweiten Weltkrieg usw. am Ende des Jahres … Ende der 60er-Jahre in Reinickendorf gelandet und hat dort unser Werk errichtet, wo wir heute noch sind und wo wir seit 50 Jahren ungefähr verwurzelt sind. Unsere Mitarbeiter sind dort in einem ganz besonderen Beruf, nämlich Konfekt Macher, der wird heute leider Technologe für Süßwaren.. heißt nicht mehr Konfekt Macher, aber wozu sollen wir das verheimlichen: Wir nennen die immer noch Konfekt Macher.

Wir haben ungefähr 100 Menschen dort am Standort beschäftigt, wo wir Pralinen und Trüffeln herstellen. Wir sind vor allem in Berlin mit sechs Standorten vertreten und gut über die Stadt verteilt und auch in Deutschland haben wir so ungefähr 350 Fachhändler, die unsere Spezialitäten verkaufen.

Nun, ich selber bin erst 2013 ungefähr zu dem Unternehmen gelangt, als ich auf einer Autofahrt gehört habe, dass .. im Radio gehört habe, dass es dem Unternehmen schlecht geht und es in Schwierigkeiten ist und damals drohte, vom Markt zu verschwinden, und .. nun, ich bin zwar immer gern in Berlin gewesen, weil es hier so dynamisch ist und viele Start-Ups gibt und ganz neue, große Projekte und all diese Sachen, aber was mir gerad’ bisschen gefehlt hat, ist das Lokalkolorit und ein bisschen der Lokalpatriotismus und die eigenen Produkte, auf die der Berliner stolz sein kann und das fand ich irgendwie schade und deswegen habe ich mich damals sehr früh mit meiner Frau darum bemüht, das Unternehmen zu übernehmen und das haben wir auch gemacht und hab’ seitdem jetzt fast neun Jahre dort, ich denke, ganz gute Aufbauarbeit geleistet und vieles geschafft, mit vielen Höhen und Tiefen, die man dann so in 150 Jahren Unternehmen dann so hat, aber wir blicken sehr positiv jetzt in die Zukunft und denken, dass das so weitergeht.

Eine schöne Sache dabei ist immer, Berlin ist vor dem Zweiten Weltkrieg eigentlich ’ne ganz große Süßwarenstadt gewesen, das Lustige ist – das ist sie noch heute, das (wissen) nur die wenigsten Leute. Ein Beispiel ist das Lübecker Marzipan, jeder kennt Lübecker Marzipan weltweit, denk’ ich.

Das meiste Marzipan gibt’s aber in Berlin, in Deutschland, nicht etwa in Lübeck. Und insofern, Herr Zürn, gibt’s ’n bisschen was zu tun, um das vielleicht noch ein bisschen nach vorne zu bringen.

Sack: Ein Marzipanbuch vielleicht!

Hübel: Ein Marzipanbuch, ein Süßwarenbuch für Berlin, da gibt es.. da gibt es.. 

Sack: Dann siedeln wir Sie doch in Tegel an!

Hübel: So ist es! Ich könnt’ mir auch vorstellen… z.B. es gibt bloß eine einzige Süßwarenfachschule in Deutschland, in Solingen. Das heißt, unsere Auszubildenden fahren regelmäßig nach Solingen, um dort ausgebildet zu werden, das wär’ doch auch was für Tegel, vielleicht.

Ewald König: Und warum beteiligt man sich an der Standortkampagne?

Hübel: Weil wir zunächst mal gefragt worden sind! Wir sind nur ein kleines Unternehmen, insofern würden wir uns nie anmaßen zu stellen, aber wir beteiligen uns sehr gerne da dran, weil wir denken, dass wir in Reinickendorf gut aufgehoben sind. Das passt uns gut, wir werden immer gut unterstützt vom Bezirk. Das ist eine sehr angenehme Zusammenarbeit, insofern gut.

Ewald König: Ist Corona gut jetzt in der Weihnachtszeit für Ihr Geschäft oder nicht?

Hübel: Also, Corona ist … ist zunächst mal sehr schlecht gewesen, dann hat man vielleicht gar nicht mehr so … vor dem ersten Lockdown haben wir dann gerade zwei neue Geschäfte aufgemacht gehabt und da wir zwar im weiteren Sinne zu dem … zum Lebensmitteleinzelhandel gehören und deswegen nicht geschlossen werden mussten, war’s aber dennoch so, dass vor allem unser Fachhandelsgeschäft zum Erliegen gekommen ist, dadurch dass alle Leute völlig unsicher darüber waren, was passieren sollte, und damit war’s zuerst sehr schlecht.

Das Ostergeschäft ist ausgefallen, und das ist für uns ein sehr wichtiges. Inzwischen ist es so, dass sich das eher umgedreht hat und wir uns sehr freuen, dass wir insbesondere in ganz lokalen Lagen, also das, wo der Trend eigentlich drüber weggegangen ist, nämlich in den Kiezlagen, wo wir unsere Geschäfte haben, sehr großen Zulauf haben. Das ist auf der einen Seite hat man den Online-Trend, der auch sehr stark ist, aber ganz, ganz stark Kiezgeschäfte, die gut funktionieren.

Ewald König: Als normaler Bürger dieser Stadt und natürlich merke, dass ich Sie nicht nur im KdW bewundern darf oder im Märkischen Viertel, sondern neuerdings auch am Ku’damm in Kooperation mit der KPM, in den ehemaligen Räumen von Kowals in der [unhörbar]straße.

Das hielt ich für beachtlich, dass hier eine Kooperation zustande kommt, die irgendwie Sinn macht, jedenfalls für mich als normaler Süßwarenesser, wenn ich denke, das ist Porzellan mit Ihren Pralinen in Kooperation, schien das für mich dem Marketing nach sofort einleuchtend zu sein.

Hübel: Ja, unbedingt, also … das haben wir sehr, sehr gerne gemacht, weil natürlich die Idee hinter der KPM eine ähnliche ist, das ist auch ein wirklich sehr traditionelles Berliner Unternehmen, noch viel älter als wir – da sind wir ja noch jugendlich – aber auch jemand, der dahinter steht, der sieht, der sich die Aufgabe gemacht hat, diese Tradition zu bewahren, und auch gegen .. ja, gegen den Trend vielleicht mal durchzuhalten, wenn’s schwierig ist.

Aufgezeichnet von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

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