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28/05/2022
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Urban Tech Republic Berlin (Kombination verschiedener Forschungs-, Wissenschafts-, Gewerbemöglichkeiten mit Industrie an einer Stelle)

Das Thema des Politischen Frühstücks des Korrespondentencafés am 16. Dezember 2021 im Hotel Am Kanzleramt Steigenberger mit Herrn Uwe BROCKHAUSEN, Reinickendorfs ganz neuem Bürgermeister (SPD) über die Nachnutzung von TXL, ein der größten Projekte Europas und die Zukunft des Bezirks Reinickendorf sowie die Präsentation des Bezirksporträts Reinickendorf

Die Gäste:
Uwe BROCKHAUSEN, Reinickendorfs ganz neuer Bürgermeister (SPD)
Gudrun SACK, Geschäftsführerin der Tegel Projekt GmbH / Urban Tech Republic
Benno HÜBEL, Geschäftsführer des Traditionsunternehmens SAWADE
Ralf ZÜRN, Werbeagentur Unit ZÜRN, Initiator des Bezirksporträts Reinickendorf

Moderator:

Ewald König: Der Österreichische Journalist und Träger des Papst-Johannes-XXIII.-Preises und des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich

Ewald König: Es geht um die Zukunft des Tegel-Geländes. Vorher, Frau Sack, sagen Sie mal ganz ehrlich: Tut es Ihnen nicht leid, dass der alte Flughafen geschlossen ist?

Sack: Ja, also, ich weiß nicht, ob Sie schon die Möglichkeit hatten, in den letzten Tagen und Wochen sich den Flughafen jetzt anzugucken. Und wenn Sie sich den Flughafen jetzt angucken, dann sehen Sie, der ist schon ganz schön runtergerockt, ne, also… Eigentlich erstaunlich, dass er noch so lange offen war. Und erstaunlich, wenn wir die Flughäfen der Welt angucken, dass wir mit diesem Tegel so lange – und das ist ja sehr nachhaltig, wenn man ihn so lange nutzt – … aber nein, da muss man ganz ehrlich sein.

Und ja, Herr Brockhausen hat es gesagt, große Last auf meinen Schultern! Noch mal guten Morgen auch von meiner Seite! Ich bin von Hause aus Architektin und bin jetzt im Tegel Projekt eingestiegen, um das Ganze projektkonform in die Umsetzung zu bringen. Herr Brockhausen hat schon sehr viel aufgebaut, es gibt eine sorgfältige, sehr zukunftsorientierte Planung für den ehemaligen Flughafen. Es soll ja ein Modellquartier, es soll das Modellquartier – das hatten Sie beide eben gesagt – für Berlin werden.

Und im Mittelpunkt steht die Urban Tech Republic .. ja, was verbirgt sich dahinter? Das ist im Prinzip das alte Hexagon, das Sie alle kennen, von dem wir alle immer geflogen sind, das wird in eine Hochschule verwandelt. Da gab’s eine Ausschreibung und die Technische Hochschule Berlin hat das gewonnen mit Studiengängen, die dorthin kommen, die sich in _Urban Tech, also die zukunftgewandten Technologien, die wir in den Städten in Zukunft brauchen – das können Lebensmittel sein, das kann natürlich Wasserstoff, technische Dinge, also alles, was sich um die … um dies Leben in den Städten der Zukunft dreht, das wollen wir dort ansiedeln. Und dann geht’s weiter: Von der Hochschule gibt’s außenrum ein Gewerbegebiet. Die Idee ist, dass sich die Studenten Startups gründen und sich dort ansiedeln.

Und wir haben auch – und das macht auch dieses Gebiet so besonders, diese Urban Tech Republic – wir haben auch Industrieansiedlungen, 82 Hektar sind für Industrie vorgesehen. Und das ist, glaube sehr an dieser Urban Tech Republic, dass Sie Platz haben zum Ausprobieren, dass es viel Platz gibt und dass Sie eine Kombination dieser verschiedenen Forschungs-, Wissenschafts-, Gewerbemöglichkeiten mit Industrie an einer Stelle haben.

Meine Damen und Herren, wenn wir über Nachhaltigkeit reden, dann geht es natürlich auch um die in der Stadt angesiedelten Arbeitsplätze. Es hat keinen Sinn, wenn wir dann immer die weiten Wege haben. Und das ist das, was vielleicht Tegel dann auch ausmacht: Wir haben dann mit dem Schumacher Quartier ein großes Wohngebiet in unmittelbarer Nähe – also Arbeiten und Wohnen unmittelbar nebeneinander. Und beim Schumacher Quartier, drei Töne dazu, steht auch die Nachhaltigkeit ganz vorne. Es wurde alles unter dem Zeichen des Klimawandels entwickelt. Was bedeutet das? Wir wollen tatsächlich all die 5000 bis 6000 Wohnungen komplett aus Holz bauen.

Und wir wollen – da sind wir ganz eng in Kontakt mit Berliner Forsten – wir wollen all dieses Holz nur aus den Berliner Forsten holen, d.h. keine Angst: Wir machen nicht den Wald kaputt! Wir wollen.. Nein, wir wollen den Wald umbauen. Und wir wollen Kiefern rausholen und den Wald dadurch .. das Ambiente in einen Mischwald umbauen. Aber aller Wald bleibt erhalten und allein durch die Kiefern – wir setzen jetzt bewusst auf ein Holzbaucluster Berlin-Brandenburg, auf die Kiefer und nur die Kiefern der Berliner Forsten schaffen es, das ganze Quartier zu errichten. Es gibt auch noch viel, viel mehr Punkte und da hoffen wir auch auf die Unterstützung jetzt des Bezirks.

Wir wollen ein Modell … ein Auto-armes Quartier, also kein Privatverkehr mehr auf den Straßen, wir wollen Straßen wieder für die Menschen, haben Beteiligungsverfahren gemacht, Aneignungsflächen entwickelt, dass die Leute selber die Straße mitgestalten können. Wir haben das Prinzip der Schwammstadt – kleiner Ausflug als Architektin. Früher haben sie immer so gebaut: Wasser .. oje.. ganz schnell in die Kanalisation und weg, damit … damit nichts passiert. Und heute im Zuge des Klimawandels wissen wir: Das ist keine gute Idee, das Wasser ganz schnell in irgendwelchen Röhren verschwinden zu lassen, deswegen haben wir jetzt besondere Dächer, also auf dem Dach kann 18 cm Wasser stehen.

Wir haben insofern Versickerungsflächen, also das Wasser soll in die Versickerung gehen und dann .. also .. umgekehrt, soll erst in die Verdunstung gehen und dann in die Versickerung, also eigentlich wieder in den Wasserkreislauf, damit das Wasser bleibt und dann die Versickerung im Notfall. Und wir haben im Quartierspark ein Überschwemmungsgebiet, also bei Jahrhundertregen kann dann dieser Park geflutet werden. Haben wir in Fronau auch schon, in Ansätzen, diese Idee, gibt’s überall, aber wir tun es in einem großen Maßstab umsetzen, nur um ein paar der vielen, vielen Dinge, die in den letzten Jahren überlegt wurden – ich glaube, wir hatten jetzt zehn Jahre Zeit zu planen – anzusprechen.

Ja, und dann haben wir noch ein drittes Element, das ist der Landschaftspark, das ist ein digitaler Landschaftspark, ich hab’s schon anklingen lassen. Wir haben sehr viel Forschung, es wurde geforscht, welche Tierarten wir dort ansiedeln, damit sozusagen ein ökologischer Haushalt in diesem Landschaftspark ist. Das wird eine Mischung aus einer bestimmten Schafsorte sein und Eseln, die werden dann eingezäunt, um selbst diese Begrünung sozusagen.. den Haushalt (zu) organisieren und das wird digital gemonitort, so wie das ganze Quartier auch sehr digital unterwegs ist. Ja, ich hoffe, ich hab’ Ihnen einen kurzen Überblick geben können.

Vielleicht eine Sache, die ich hier noch ansprech’: Wir haben ein Low-Energy-Netz, das ist das größte Low-Energy-Netz, wie es auch in Europa derzeit gebaut wird, das wurde vergeben schon an die EON und an die Stadtwerke Berlin. Das war ein Vorbildprojekt in Schweden und das ganze Quartier.. also die Wärmeversorgung des ganzen Quartiers wird zusammengedacht, also Wärme tagsüber, sozusagen Industrie hat Gewerbe, da fällt oft Abwärme an und alles wird immer in dieses Netz eingespeist. Und abends, wenn das Wohnquartier dann sozusagen erwacht, kann man diese Wärme wieder entnehmen.

Alles wird im Verbund gedacht, wir haben Erdwärme, wir haben Photovoltaik, wir haben kleine Windräder, das ist also ein Potpourri an Energieerzeugern, die alle in dieses Netz eingespeist werden und das ist eben viel effizienter, wenn Sie Haustechnik nicht mehr für ein Gebäude denken, sondern im Verbund denken für das gesamte Quartier. Ja, ich kann nicht alles ansprechen, was wir in Planung haben, aber es gibt Führungen, wir haben einen Info-Point, wir sitzen auch auf dem Gelände selber, Sie können Führungen machen über das Gelände und … ja, 2022 soll es losgehen, die ersten B-Pläne sind fertig und unterschrieben.

Eine Sache muss ich doch noch erwähnen: Ja, wir sind nicht nur ein ökologisches Modellprojekt, wir sind auch ein soziales Modellprojekt, da bin ich sehr stolz… Der ganze Flughafen wird nicht verkauft, sondern er wird auf Erbbaurecht vergeben. Und im Wohnungsquartier geht es nicht um Rendite, sondern es wird zu 50 % von den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften entwickelt und zu den anderen 50 % von Baugenossenschaften. Da ist mir persönlich auch wichtig, dass wie die Baugenossenschaften Reinickendorfs mitnehmen, so wie die GEWOBAG und Berliner Scholle usw. Mit denen sind wir allen im Gespräch und ich versuche sie alle nach Tegel zu bekommen, weil ich denke, sie gehören, und es ist also sozusagen ein soziales Wohnquartier für die Bürger, es geht hier nicht um Rendite, es werden keine Grundstücke verkauft, sondern es wird versucht, einen Wohnraum für die Menschen.. für alle Menschen möglich kostengünstig zu errichten. Ja, für Fragen stehe ich zur Verfügung, aber so viel in Kürze. Jetzt gebe ich an Sie weiter.

Ewald König: Sie erwähnten ja, Sie hätten zehn Jahre Zeit zur Vorbereitung. Das muss sich doch alles.

Sack: Aber manchmal macht ja so viel Zeit auch Sinn. Da kann man sehr sorgfältig planen.

Aufgezeichnet von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

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