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19/05/2022
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Prof. Dr. Kreuzer: Ein Drittel der Bevölkerung Berlins hat ausländische Wurzel

Prof. Dr.  Edwin J. Kreuzer, der Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

Sehr geehrter Herr Staatssekretär,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

Sehr herzlich freue ich mich, Sie als Präsident der Union der Akademien der Wissenschaften zur Abendveranstaltung des Akademietages begrüßen zu dürfen. Ich freue mich sehr, dass wir trotz einiger Einschränkungen in diesem Jahr zusammen diesen Feiertag der Akademien hier in Berlin begehen können. Sehr gerne möchte ich auch diejenigen begrüßen, die von ferne uns zugeschaltet sind, und an Sie ein herzliches Willkommen!

Verehrter Herr Staatssekretär Dünow, es ist uns eine große Freude und Ehre, dass Sie heute hier bei uns zu Gast sind und gleich in Vertretung von Frau Ministerin Schüle ein Grußwort sprechen werden. Frau Schüle ist leider kurzfristig verhindert und musste absagen. Sie ist derzeit in die Koalitionsverhandlungen zur Bildung der neuen Bundesregierung eingebunden und da gibt es leider Gottes heute eine Terminüberschneidung – so passiert es eben bei solchen bewegten Zeiten! Wir freuen uns sehr, dass Sie da sind, lieber Herr Dünow, seien Sie ganz herzlich willkommen in unserer Runde! Herrn Staatsminister Sibler aus Bayern war es leider nicht möglich, persönlich nach Berlin zu reisen. Wir freuen uns aber, dass er uns eine Grußbotschaft geschickt hat, die wir dann noch später hören werden.

Der gemeinsam ausgerichtete Akademietag bildet einen wichtigen Höhepunkt, ich würde mal sagen, den Höhepunkt des Jahres für die Union. Der Akademietag ist inzwischen eine große Aktion geworden, wir führen ihn nämlich bereits zum 14. Male in diesem Jahr durch. Diese große Gemeinschaftsveranstaltung der Akademieunion, zusammengeschlossen sind dort die Wissenschaftsakademien der Länder, findet alle zwei Jahre in Berlin und dazwischen jeweils in einem anderen der Mitgliedsländer der Akademiestandorte statt. Die Akademieunion vereint in ihren acht Landesakademien mehr als 2000 namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Disziplinen, ganz so, wie es sich Gottfried Wilhelm Leibniz bei der Gründung der brandenburgischen Sozietät der Wissenschaften, der Vorgängerinstitution der brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, in deren Tradition auch die anderen Akademien stehen, erträumt hatte. Und diesen interdisziplinären Austausch, den möchten wir uns auch an den Akademietagen wirklich vornehmen und auch leben.

Hier am Gendarmenmarkt in Berlin ist zweifelsohne der richtige Austragungsort für einen Akademietag, der unter dem Motto „Ferne Welten ganz nah – Kultur im Austausch“ steht und sich in seiner Abendveranstaltung dem Thema Abends „Identität, Migration, Globalisierung. Große Zukunftsfragen gestern und heute.“ gewählt hat. Vielleicht sollten wir uns an dieser Stelle bewusst werden, dass über ein Drittel der Bevölkerung Berlins ausländische Wurzeln hat. Fragen und Kontroversen zu Identität, Migration, Pluralisierung entstehen da ganz von selbst und werden spannungsreich diskutiert. Schon die österreichische Schriftstellerin Vicki Baum, eine der bedeutendsten Literatinnen der Weimarer Zeit und Redakteurin beim Ullstein Verlag in Berlin Tempelhof, die als Jüdin bereits 1932 in die Vereinigten Staaten emigrieren musste, schrieb der Stadt zu, sie sei „so herrlich lebendig, so geladen mit einer seltsamen Elektrizität“.

Zugleich sind wir Wissenschaft und Forschung auch wirklich nahe in fernen Welten und auch natürlich ist dies jederzeit nah. Museen, Sammlungen und Archive Berlins, das eben fertiggestellte und im nationalen und globalen Kontext anhaltend kontrovers diskutierte Humboldtforum und nicht zuletzt die Berlin-Brandenburgischen eigenen Wissenschaften selbst – sie bieten den Alterungswissenschaften, den unersetzlichen kleinen Fächern wie der Altorientalistik und den Islamwissenschaften, aber auch ganz grundsätzlich den Geisteswissenschaften und Grundlagenforschungen die notwendige Fülle an Quellen, Überlieferungen und Materialien für ihre Arbeit.

Der Wissenschaftsstandort an der Spree und Havel, an dem zahlreiche herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland zusammenkommen, ist darüber hinaus hervorragend geeignet, vernetzt zu forschen und moderne Perspektiven der internationalen Zusammenarbeit zu entwickeln. Das Akademieprogramm, das gemeinsame Forschungsprogramm der acht deutschen Wissenschaftsakademien, bildet als geistes- und sozialwissenschaftliches Langzeitforschungsprogramm die Basis für solche Forschungen, die heute präsentiert hatten, die heutigen Präsentationen im Rahmen von Podiumsdiskussionen, das was ich eben beschrieben habe, eindrucksvoll belegen.

Das Akademieprogramm steht dabei wie kein anderes Förderprogramm aus nationaler wie auch internationaler Sicht für die wissenschaftliche Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung des globalen kulturellen Erbes. Seine besondere Rolle liegt darin, die vielfältigen historischen, politischen, gesellschaftlichen, künstlerischen und auch wirtschaftlichen Deutungs- und Sinndimensionen menschlichen Schaffens wissenschaftlich zu untersuchen und die Forschungsergebnisse für Wissenschaft wie Gesellschaft zugänglich zu machen.

Die Digitalisierung spielt bei einem solchen Thema natürlich heutzutage in all unseren Fächern eine immer größere Rolle. Der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland, hat ausgehend von der erst eineinhalb Jahre zurückliegenden Evaluierung klar empfohlen, diesen identitätsstiftenden Kern des Programms zu erhalten und ausbauend zu fördern. Durch die Forschungsanstrengungen im Akademieprogramm können die stummen Zeugen der Vergangenheit besser verstanden und ins kollektive Gedächtnis und ins kollektive Handeln überführt werden und dazu beitragen, aktuelle Zukunftsfragen zu verstehen und mit zu beantworten.

Daher haben wir im Rahmen unserer heutigen Programmvorstellungen auch Einblicke in die Forschungsarbeiten der Akademie gegeben. Wir wollen uns jedoch auch in laufende gesellschaftliche Debatten einbringen und Antworten auf aktuelle Fragen geben. Dies wird besonders deutlich am Thema des heutigen Abends „Identität, Migration, Globalisierung. Große Zukunftsfragen gestern und heute.“ Die Mitgliedsakademien der Union widmen sich in ihren Häusern durch eigene Tagungen, Diskussionsforen, Workshops in Verbindung mit der Expertise der in ihnen versammelten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den genannten Themen und laden die Gesellschaft als Ganzes zur Teilnahme an diesen Diskussionen ein.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass unsere Gäste dieses heutigen Abends, die diese großen Fragen gleich diskutieren werden, sich die Zeit genommen haben und unserer Einladung gefolgt sind. Ich begrüße sehr herzlich die Ethnologin und Präsidentin des Goethe-Instituts Frau Carola Lenz, sie ist ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Frau Naika Foroutan, Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung und Frau Karen Radner, Altorientalistin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ordentliches Mitglied der Bayrischen Akademie der Wissenschaften sowie als Moderatorin die Kulturjournalistin Frau Kupferberg.

Ich bin sehr sicher, dass es diesen exzellenten Diskutantinnen gelingen wird, durch Brückenschläge zwischen Vergangenheit und heute aufzuzeigen, wie vergangene Kulturen mit drängenden Fragen umgehen. Und ob es sich etwas aus den Antworten für unsere Gegenwart nutzbar machen lässt –  wir hoffen auf spannende Erkenntnisse und fruchtbringende Einsichten.

Aufgezeichnet von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

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