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01/12/2022
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Berlin bekommt neue, besonders qualifizierte Gästeführerinnen und Gästeführer

Nach erfolgreicher zweijähriger Ausbildung im Berlin Guide Institut haben Gästeführerinnen und  Gästeführer die Abschlussprüfung für die Stadtführung in Berlin bestanden. Ihre Zeugnisse wurden am 17.10.2022 von Dr. Anna Hochreuter, der Leiterin der Abteilung für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsordnung der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, überreicht.

Dazu betont Frau Hochreuter die Wichtigkeit des Berufs der Stadtführer in Berlin und bezeichnete diese Arbeit als eine sehr wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe in unserer Stadt. Sie fügte hinzu: „Jedenfalls brauchen wir diesen Beruf. Ich bin sehr froh, dass wir jetzt unsere Urkunden überreichen können und dass Sie auch in Zukunft für die Stadt Berlin sozusagen herausragende, fast allwissende Vertreterinnen und Vertreter sind und gute Werbung für unsere Stadt weiterhin machen. Alles Gute für Ihre berufliche Zukunft.“

Foto: Christiane Brannath, die Leiterin der Kommission für Berufliche Bildung des Bundesverbands der Gästeführer in Deutschland e. V.

Christiane Brannath hat anlässlich der Zertifikatsübergabe nach erfolgreicher Qualifizierung zum Gästeführer DIN EN 15565 in der Region Berlin die folgende Rede gehalten:

Sehr geehrte Frau Dr. Hochreuter,

Ich danke Ihnen jetzt ganz, ganz herzlich, Frau Hochreuter, heute für zwei Dinge: Zunächst erstmal möchte ich sagen, dass wir hier sein dürfen, also die große Gastfreundschaft, schon zum zweiten Mal darf ich hier mit dabeisein und Zertifikate überreichen. Und zum anderen aber natürlich, dass Sie dem Berliner Gästeführerverband so wohlgesonnen sind, den unterstützen, der Markus Müller-Tenckhoff hat’s mir mehrfach gesagt, wie wichtig das auch ist – gerade, wie Sie schon angesprochen haben, in diesen Zeiten.

Und willkommen an alle, die hier sind, ich freue mich sehr, dass ich hier jetzt wieder mit dabeisein darf beim Überreichen. Und ich hab’ im Vorfeld eine Mail geschrieben an die Jenny Schill vom Berlin Guide Institut, die ja für den Verband den Zertifizierungskurs organisiert haben, einfach um ein paar Infos zu kriegen. Und Jenny Schill, was die mir in ihrer Mail geschrieben hat… ich hab gefragt: „Was .. wie lief das alles ab?“ – Ich muss ehrlich sagen, das hat sich angehört wie ein Abenteuerroman, wie diese Zertifizierungsgeschichte 2019 bis 2021 lief.

Und ich les’ einfach mal drei Kostproben für neue Formate vor, die sich zwangsläufig entwickeln mussten, weil nichts anderes möglich war. So schreibt Jenny Schill: „Zu diesen neuen Formaten gehört z.B. das Beschreiben des Blicks aus den heimischen Fenstern auf die Stadt Berlin und dass in jedem Hinterhof, jeder Laterne, jedem Baum eben Berlin steckt, wo man hinschaut.“ Beeindruckend, ja? Es geht natürlich da um den Bereich Führungsfertigkeiten. Wie kann man lernen zu beschreiben, zu begeistern, und wenn man halt nicht auf die … zu den Objekten, vor dem Dom oder was weiß ich wo, hinkann, dann macht man’s so vom heimischen Wohnzimmer aus, ja?

Zweiter Punkt: „In besonders guter Erinnerung sind mir auch die 1:1-Staffelläufe während der Kontaktbeschränkungen geblieben.“ Da musste ich kurz nachdenken, aber dann war mir klar, was Jenny Schill meint, nämlich: Man darf sich ja … man durfte sich nicht so ballen. Und ich stell’ mir vor –  Frank, du wirst’s vermutlich bestätigen, wie das ablief – dass nämlich sozusagen einer an einer Stelle erzählt hat, und dann ging der zum nächsten Punkt und dann hat der Nächste erzählt und dann war … die anderen waren nicht ständig um einen rum. (Einruf: „Stimmt so!) Ungewöhnlich, aber … aber natürlich ’ne tolle Möglichkeit, um doch vor Ort was sagen zu können.

Und die dritte Sache, die Jenny Schill angesprochen hat, das finde ich schon noch fast am allerspannendsten, nämlich die Telefonführung durch das Deutsche Historische Museum, die eigentlich als Führung für blinde Menschen konzipiert war und auf einmal ungeplant zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte, nämlich Führung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, also die Blinden, ja, und dann eben tatsächlich das Deutsche Historische Museum – genial gelöst, kann ich da nur sagen.

Jenny Schill hat in ihrer Mail auch geschrieben, dass sie unglaublich beeindruckt ist von diesem Ausbildungslehrgang, und ohne dass ich sie jetzt speziell erwähne, kann ich’s mir doch vorstellen, es sei gewesen ein unglaublich starker Wille bei allen Teilnehmern, eine gute … viel Mut und Kraft, hat sie geschrieben, haben alle an den Tag gelegt, und dann eben den großen Zusammenhalt in der Gruppe, und dafür möchte ich Ihnen jetzt im Namen des Bundesverbands ganz, ganz herzlich danken und Ihnen aber gleichzeitig sagen: Die Arbeit hat sich gelohnt, denn Sie gehören jetzt zur Crème de la Crème der Gästeführer in Deutschland. Sie haben die allerhöchste Qualifikation, die man überhaupt bekommen kann.

Markus hat heute– ganz wichtig –  von diesen sagenhaften 600 Stunden gesprochen, die Sie jetzt wissensmäßig draufhaben, aber eben auch was das Know-how, die Gästeführung durchzuführen, angeht. Also, danke, Gratulation! Und eine zweite, ganz persönliche Gratulation von mir, und damit bin ich dann auch fertig: Ich gratuliere Ihnen dazu, dass Sie in dieser unglaublich spannenden Stadt Berlin führen dürfen. Also, ich bin jetzt seit drei Tagen wieder hier, aber Markus weiß es, ich bin ganz großer Berlin-Fan und wenn ich noch mal anfangen würde und nicht meine ganzen Netzwerke in Süddeutschland hätte, ich glaub’ ich würd’ auch die 600 Stunden in Berlin auf mich nehmen. Also insofern Gratulation, dass Sie hier arbeiten! Alles, alles Gute!

Foto: Markus Müller-Tenckhoff, der erste Vorsitzende des Verbandes der Berliner Stadtführer, Berlin Guide e.V.

Die Rede von Markus Müller-Tenckhoff

Sehr geehrte Frau Dr. Hochreuter vom Wirtschaftssenat, liebe Christiane Brannath vom Bundesverband, liebe Kolleginnen und Kollegen auch vom Berlin Guide Institut,

schon die Geschichte hat es bewiesen: Wir Berlinerinnen und Berliner sind krisenerfahren und krisenerprobt. Nach Pest und drei Jahrzehnten Krieg wurde die Politik real und begriff, dass vertriebene Menschen, welche wir einluden, uns neues Wissen und Wohlstand brachten, die Bevölkerung stieg. Als Hunger die Menschen quälte, wurde taktisch der Kartoffelanbau eingeführt und zum Trotze sogar an das Kunstverständnis appelliert. Als die Konflikte zwischen den Einwohnern und ihren religiösen Ansichten anstiegen, wurde das Brandenburger Tor gebaut, zur Inspiration des universellen Gedanken…universellen Gedankens und an den Frieden. Als Napoleon uns mit einer starken Armee besetzte, gründeten wir eine Universität: Humanismus zur Stärkung des Selbstbewusstseins.

Nach der industriellen Revolution entstanden auch der soziale und später der moderne Wohnungsbau. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kartoffeln und Kohl auf dem Alexanderplatz geerntet. Während der Blockade flog die Luftbrücke Ersatzteile für ein Kraftwerk ein, um den Westsektoren wieder nachts zwei Stunden Strom zu liefern. Während der Teilung schafften wir es dennoch irgendwie gemeinsam, 750-jährigen Geburtstag zu feiern. Wäre da nur nicht die Mauer gewesen… In der Wendezeit schlugen Technobeats die Ost- und Westjugend und die Junggebliebenen zusammen und während der Corona-Pandemie entdeckten fast alle auch die Annehmlichkeiten einer Videokonferenz.

So simpel und plakativ und mit so wenigen undifferenzierten Beispielen wie just getan darf man natürlich keine Gäste führen. Na klar! Es soll auch nur widerspiegeln: Es geht doch immer irgendwie weiter. Wir werden das Kind schon schaukeln, na und? Machen wir aus ’ner Not eine Tugend! Keine Furcht, weiter geht es! Als der Verband der Berliner Stadtführer turnusgemäß erneut einen Träger für die Ausbildung und Schulung von Gästeführerinnen und Gästeführern ausschrieb und wir den Vertrag mit dem Berliner Institut verlängerten, da hatten wir … da hätten wir die Prognose einer Virus-Pandemie wie eine Science-Fiction verstanden, wie einen Horrorfilm. Training und Schulungen fanden immer selbstverständlich präsent statt. Während des neuen Ausbildungskurses wurde die Science-Fiction Realität.

Schulen wurden geschlossen und die Berliner Straßen waren menschenleer. Dennoch nicht aufgeben und weitermachen, das war nicht nur das Motto der Berlin Guide Institut-Veranstalterin und –Veranstalter – in dem Fall Jenny Schill, Frank Gorgas und Jodock – , sondern auch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach Absprachen mit dem Bundesverband und dem Berlin Guide e.V. wurden – mit Einhaltung aller strengen Corona-Verordnungen – immer neue Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten erfunden – wie wir ja alle sehr schön erfahren haben –  die es möglich gemacht haben, die Gesamtschulung nach einer Verzögerung schließlich zu vollenden.

Unsere Wertschätzung geht damit an Jenny Schill, Frank Gorgas, Jodock und ihrem Team für die hervorragende Improvisation mit Einhaltung aller notwendigen Regeln und Verordnungen.

Sehr geehrte Frau Dr. Hochreuter,

die freie Wirtschaft ist schillernd und schnell. Sie erlaubt es, dass z. B. auch in Berlin jeder wer mag Gäste führen darf. Ob einmalig oder nachhaltig, ob nebenberuflich oder hauptberuflich, als Einwohner der Stadt oder auch als durchfahrender Reiseleiter. Und das ist auch gut so, denn nicht jeder will sich immer gleich Gästeführerin oder Gästeführer nennen und sich ausschließlich als Gästeführerin oder Gästeführer identifizieren. Oft wird der Person erst viel, viel später bewusst, wie interessant unsere Tätigkeit doch ist. Oft ist gar nicht bekannt, dass es hierfür eine Ausbildung gibt.

Wir danken Ihnen sehr für Ihre Wertschätzung, denn obgleich wir lange auch sehr unflexibel und konservativ auf viele gewirkt haben: Eine Mitgliedschaft beim Verband der Berliner Stadtführer Berlin Guide e. V. bedarf eines Qualifikationsnachweises. Eigenartigerweise und wunderbarerweise wird dies jetzt, wo ich nun endlich wieder auf viele Menschen treffen darf, von vielen Partnern innerhalb der Berliner Wirtschaft sehr geschätzt und bestätigt mit „Richtig so!“.

Qualitätssicherung erachten wir als unumgänglich und unabdinglich. Kostenlose interne Veranstaltungen sichern die kontinuierliche Weiterbildung der Vereinsmitglieder.

Berlin Guide e. V. ist ein zuverlässiger Pool an Fachkräften für den Berliner Tourismus. Wir bleiben – trotz der unsicheren Zeiten – stabil und konstant, ein Fels in der Brandung und Hafen.

Sehr geehrte Frau Dr. Hochreuter, wir bedanken uns sehr für Ihre Unterstützung und Wertschätzung. Liebe Christiane, vielen Dank, dass du die Kommission der beruflichen Bildung beim Bundesverband leitest und jetzt hier bei uns bist. Danke an das BGI und allen Kursabsolventen für das Vertrauen in Schulung und Ausbildung und für Euer Durchhalten.

aufgezeichnet von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

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