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22/02/2026
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Der Weltgästeführertag 2026 in Berlin

Alljährlich seit 1990 veranstalten viele im Weltverband der Gästeführer (WFTGA) vertretene Organisationen am oder um den 21. Februar (Gründungstag des WFTGA) herum den „International Tourist Guide Day“. Der Weltverband der Gästeführer /World Federation of Tourist Guides Association (WFTGA) wurde 1985 gegründet. 1999 schloss sich der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V. (BVGD) dieser Tradition mit Schaffung des Weltgästeführertages (Weltgästeführertag (WGFT) an. Seitdem entscheidet die Mitgliederversammlung jährlich über ein bundesweites Thema, welches dann von den einzelnen Gästeführervereinigungen vor Ort entsprechend den lokalen Gegebenheiten angepasst und umgesetzt wird.

In Berlin haben am 21.02.2026 sieben Gästeführerinnen und die Gästeführer der ca. 300 Mitglieder des Berlin Guide e.V. mit der Aktion „Kostenfreie Führungen“ bei 7 verschiedenen Führungen auf die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung ihrer Berufstätigkeit hingewiesen. Sie luden zu jeweils zwei Führungen ein, die eine um 11:00 Uhr und die andere um 13:00 Uhr. Es gab 190 Meldungen für beide Termine, zuzüglich einer Dunkelziffer, da auch Teilnehmer ohne Anmeldungen kamen.

Organisiert wurde der Berliner Weltgästeführertag von Stefan Heitbrink, Mitglied des Vorstands mit dem Ressort Weltgästeführertag, Tag des offenen Denkmals, Redaktion und Webmaster von berlin-guide.org, Technische Betreuung Vorstandssitzungen & Mitgliederversammlungen. Er bedankte sich bei Tagesspiegel, TP Presseagentur, Deutsche Presseagentur (DPA) und den Berliner Büros der Medienhäuser, die alle den Berliner Verband bei der Vermarktung der Aktion unterstützt haben. Bei seiner Eröffnungsrede der Aktion Weltgästeführertag gab er eine Einführung in die Geschichte des Weltgästeführertags, des Weltverbands der Gästeführer, des Bundesverbands der Gästeführer in Deutschland (BVGD), den Berliner Verband (Berlin Guide e.V.), in die Persona von Herbert Baum und sein Denkmal sowie in das Programm dieser Aktion in Berlin-Mitte. Heitbrink fand die Aktion eine gute Möglichkeit, den Berlinerinnen und Berlinern die Aufgabe der Geisterfahrer näherzubringen. Diese Aufgabe bestehe darin, die Schönheit in der Geschichte, der Kultur aber auch den Alltag der Stadt zu erklären, damit die Gäste diese Informationen und Erlebnisse von denjenigen, die wissen, wovon sie reden, nach Hause mitnehmen können.

Der Treffpunkt war das Herbert-Baum-Denkmal auf der Museumsinsel gegenüber dem Berliner Dom. Dies ist ein bedeutendes Denkmal in Berlin, das an die Widerstandsgruppe um Herbert Baum erinnert. Die Gruppe, die 1942 einen Brandanschlag auf die antikommunistische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten verübte, war stark von jungen und jüdischen Widerstandskämpfern um den Kommunisten Herbert Baum geprägt. Der Denkmalstein wurde 1981 im Auftrag des Magistrats von Berlin (Ost) geschaffen und ist ein Symbol für die Geschichte der Gedenkpolitik der DDR und den Umgang damit nach 1989.

Herbert Baum wurde 1912 geboren und war Teil der nach ihm benannten Herbert-Baum-Widerstandsgruppe. Als jüdischer Mitbürger schloss er sich früh der kommunistischen Linken an. Seine Gruppe stellte einen intellektuellen Protest gegen die National-sozialisten dar. Herbert Baum wurde von den Nationalsozialisten als Zwangsarbeiter in Spandau eingesetzt. Später erhängte er sich in seiner Zelle, um der Hinrichtung zu entgehen. Daraufhin erfolgte  eine Vergeltungsaktion, bei der 150 jüdische Bürger verhaftet wurden. Die Hälfte von ihnen wurde hingerichtet und die andere Hälfte in Konzentrationslager geschickt. Auf der Südseite  des Denkmals führt ein Text in vier Sprachen die 34 Namen der unter den Nationalsozialisten hingerichteten, zumeist jungen und jüdischen Widerstandskämpfer um den Kommunisten Herbert Baum (1912-1942) auf.

Das Programm des Weltgästeführertags 2026 hatte die Folgende Führungen:

  1. Berlin begann an den Ufern der Spree: Diese Führung zeigt, wie sehr die Geschichte Berlins mit dem Wasser verbunden ist. Die Spree diente nicht nur als Wasserquelle, sondern vor allem als Transportweg. Die Funktion der Spree hat sich heute geändert, ihre Bedeutung aber nicht.
  2. Berliner Lustgarten & Museumsinsel: Diese Führung zeigt den ehemaligen Nutzgarten der Hohenzollern und die Museumsinsel mit ihren Kunstschätzen.
  3. Mit offenen Augen durch Schinkels Berlin: Diese Tour gibt einen Überblick über die Bauten Schinkels – die, die noch stehen und die, die verlorengegangen sind.
  4. Mit offenen Augen durch die historische Mitte: Die Teilnehmenden erfahren auf dem Rundgang Wissenswertes über längst verschwundene Gebäude wie die Börse, Schloss Monbijou, die Garnisonskirche oder die Synagoge Heidereutherstraße.
  5. Street Art: Diese Street-Art-Tour gibt einen Überblick über Kunst im öffentlichen Raum – von verborgenen Schätzen bis zu bekannten Werken. Sie zeigt verschiedene Techniken, die Werke etablierter Künstler sowie aufstrebender Talente.
  6. Das Humboldt-Forum, verschwunden und rekonstruiert: Die Teilnehmenden entdecken einen Ort mit bewegter Geschichte, an dem einst das Berliner Schloss und der Palast der Republik standen. Sie erleben, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind.
  7. Verschwundene Gotteshäuser: Die Teilnehmenden entdecken Überreste der Denkmalkirche am Dom und der Alten Synagoge – zwei Gotteshäuser, die einst wichtig waren, heute aber längst vergessen sind.

Wie sahen die teilnehmenden Berliner Gästeführer die Bedeutung des WGFT für die Berlinerinnen und Berliner?

Anna Haase

„Der WGFT ist wichtig für Berlinerinnen und Berliner, damit sie darüber informiert werden, dass es unseren Verband gibt und darüber, was wir machen. In wie vielen Sprachen wir führen, wie vielfältig unsere Arbeit ist und welche Probleme wir haben.“

Gundula Schmidt-Graute

„Der WGFT ist wichtig für Berlinerinnen und Berliner, weil sie Unbekanntes in ihrer Stadt kennen und uns Gästeführer schätzen lernen. Ich habe meine Gäste zu den Orten nicht mehr existierender Gebäude in Mitte geführt. Erstaunlich, wie viele Menschen gekommen sind, um sich „nichts“ anzuschauen.“

Lillian Kapraun

wollte die Gelegenheiten nutzen, „mal in einem Thema, wo ich sonst in die Breite gehe, heute in die Tiefe zu gehen.“ Sie möchte einen guten Eindruck hinterlassen und Gäste begeistern, was unsere tolle Stadt alles zu bieten hat. Lillian ist Geschichtsnerd und sie denkt, es ist ganz wichtig, dass Menschen wissen, wo sie herkommen und wie ihre eigene Geschichte aussieht, um die Gegenwart zu verstehen.

Martin Januszewski

fasste die Bedeutung der heutigen Aktion mit wenigen Worten zusammen: „Man beschäftigt sich meistens wenig mit der eigenen Stadt, in der man lebt. Unsere Gäste können heute Berlin mit unseren Augen kennenlernen und Dinge erfahren, auf die man sonst nicht achtet, und das passt zu unserem diesjährigen Motto „Mit offenen Augen durch …“.

Pascal Jeanrenaud

„Viele Berliner glauben, ihre Stadt bereits gut zu kennen – manchmal so gut (oder auch so

schlecht), dass sie Berlin nicht unbedingt als ihre große Liebe bezeichnen würden. Und Stadtführungen? Sind die nicht nur für Touristen? Der Weltgästeführertag bietet die Möglichkeit zu zeigen, dass Gästeführer ein wichtiges Bindeglied in unserer Hauptstadt sind – für alle. Einmal im Jahr finde ich es besonders toll, dass so viele Gästeführer ganz unterschiedliche Themen anbieten – und das alles kostenlos, in der Hoffnung, das Interesse an Stadtführungen zu wecken. Wir zeigen Berlin in seiner ganzen Vielfalt und helfen dabei, die Stadt mit offenen Augen und echtem Interesse zu verstehen … und vielleicht sogar zu lieben. Ich jedenfalls liebe meine Stadt.“

Peter Putz

wollte als Fremdenführer einen kleinen Beitrag leisten. Er ist seit zwei Jahren Mitglied bei Berlin Guide e.V.,  stammt aus Bayern und lebt seit langer Zeit in Berlin. Er kann Führungen in Englisch, Deutsch und Niederländisch anbieten.

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