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30/09/2022
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Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2021 der Wirtschaftsforschungsinstitute

Prof. Dr. Oliver Holtemöller, Sprecher, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH Halle)

BKZ: Dem Thema Rohstoffe und Energiepreise haben Sie die Seiten 22 – 25 in Ihrem Gutachten gewidmet. Jetzt herrscht in Europa eine Energiekrise. Wie wird die Wirtschaft eines energiearmen Landes wie Deutschland betroffen sein? Werden Sie immer noch optimistische Prognosen für die nächsten Quartale oder Jahre abgeben oder nicht?

Holtemöller: Also klar wir haben eine Risikoansprache dazu im Text, wenn es natürlich so ist, dass sich Energie deutlich verknappt und dass dann entsprechend die Preise für Energie deutlich steigen, dann wird das an der deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorübergehen. Wir wissen das sehr gut in Bezug auf den Ölpreis. Das hat es in der Vergangenheit schon öfter gegeben, dass der Ölpreis sehr stark gestiegen ist. Wir haben schon Schwerpunkt Kapitel gehabt in der Gemeinschaftsdiagnose, die sich mit den Defekten von Ölpreisen auf die deutsche Konjunktur beschäftigen und klar da kommt immer raus, wenn Öl knapper wird, wenn das Öl teurer wird dann spürt das die deutsche Wirtschaft auch bei der realen Entwicklung. Das Argument lässt sich wahrscheinlich auch grundsätzlichen auf andere Energieträger übertragen, aber wir können das gegenwertig nicht quantifizieren, weil wir keine empirische Evidenz aus der Vergangenheit dazu haben. Also da kann man im Moment nur eine qualitative Antwort geben. Klar, wenn Energie knapper wird, dann wird das die Wirtschaft vor Anpassungsprobleme stellen und die reale Aktivität beeinträchtigen.

BKZ: Also ich habe gelesen, dass China und Indien viel vom Energiemarkt gekauft haben und die Europäer verschlafen haben. Warum haben Ihre Institute nicht Alarm geschlagen, dass eine Krise kommen wird?

Holtemöller: Ja, also wenn sie nun immer genau wüssten wann welche Krise auftritt. Wenn das möglich wäre, dann würde ich Ihnen rechtgeben, dass wir das verschlafen haben, aber wenn Sie die Risikoansprachen in unseren vorherigen Prognosen lesen, dann werden Sie feststellen, dass das Thema dort angesprochen wird. Im Frühjahr oder beispielsweise auch schon im letzten Herbst haben wir nicht in unser Basisszenario, aber in den Risikoansprachen auf die Probleme hingewiesen. Wir wussten aber natürlich damals nicht wann und in welchem Ausmaß diese Probleme auftreten werden. Das wissen wir auch heute nicht. Das Wesen von Krisen ist, dass man den genauen Zeitpunkt des Eintretens nicht vorhersagen kann. 

Interview geführt von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Rauja EL Khatib

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