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27/09/2022
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Dietmar Woidke: Der Bau eines Synagogenzentrums in der Mitte der Landeshauptstadt eine richtige Entscheidung

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident des Landes Brandenburg

Verschriftung der Rede von Dietmar Woidke bei der Grundsteinlegung der Neuen Synagoge in Potsdam am 08.11.2021

Verehrter Abraham Lehrer,

verehrter Josef Schuster,

verehrter Andreas Lenz,

liebe Manja Schüle,

liebe Katrin Lange,

lieber Oberbürgermeister, lieber Mike Schubert,

lieber Jost Haberland,

liebe Gemeindemitglieder!

Ich möchte Sie heute hier ganz, ganz herzlich zur feierlichen Grundsteinlegung für das jüdische Synagogenzentrum in Potsdam begrüßen. Kurz gesagt, Sie erleben hier gemeinsam mit uns einen großen Tag. Und ich bin glücklich, dass ich diesen Tag mit Ihnen gemeinsam begehen kann. Das Jahr 2021 ist ein besonderes Jahr. Es ist ein Jahr, in dem sich Ereignisse in Deutschland häufen, auch hier bei uns in Brandenburg in besonderer Art und Weise.

In Erinnerung an das Edikt des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von 1671 feiern wir in diesem Jahr 350 Jahre jüdisches Leben in Brandenburg. Außerdem hat sich vor 30 Jahren die jüdische Gemeinde Land Brandenburg gegründet, die erste jüdische Gemeinde nach dem Ende der DDR hier bei uns.

Und überall in der Bundesrepublik wird 2021 an 1700 Jahre jüdische Geschichte in Deutschland erinnert. Ein symbolträchtiges Jahr also, genau das richtige Jahr, um den Grundstein für das neue jüdische Synagogenzentrum hier in Potsdam zu verlegen. Gleichzeitig jährt sich am morgigen 9. November die Reichspogromnacht zum 83. Mal. Dieses Nebeneinander von unfassbarem Leid, aber auch von großer Freude prägt die Geschichte des Judentums in Deutschland, prägt die Geschichte des Judentums auch hier bei uns in Brandenburg.

Das zeigt sich, meine sehr verehrten Damen und Herren, auch in diesem Gebäude. Wenn wir heute den Grundstein für eine neue Synagoge in Potsdam legen, dann nur deshalb, weil die frühere Synagoge zerstört wurde. Aber die Synagoge war ein Symbol, ein Symbol, dass nachdem sie zerstört wurde, Menschen jüdischen Glaubens in der Nazi-Diktatur erbarmungslos verfolgt worden sind. Wenig später galt Potsdam sogar in der perfiden Darstellung des Nazi-Regimes als „judenfrei“.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir müssen uns das unermessliche Leid der Shoah ins Gedächtnis rufen, um wirklich zu verstehen, was für ein großes Geschenk für uns alle der heutige Tag ist. Dass Juden Deutschland und den Deutschen wieder Vertrauen schenken, dass Juden bei uns ihre Zukunft suchen, ist auch heute noch alles andere als selbstverständlich. Es ist für uns Deutsche eine Verpflichtung, eine Verpflichtung alles zu tun, damit sich Geschichte nicht wiederholt. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass wir heute den nächsten Schritt gehen, damit Jüdinnen und Juden in Potsdam eine echte Heimstatt erhalten. Für ihr großes Engagement und die tatkräftige Begleitung dieses Projekts möchte ich den Herren Präsidenten Lehrer und Schuster stellvertretend für alle Beteiligten in der Zentralen Wohlfahrtsstelle und des Zentralrats der Juden danken. Ebenso danke ich allen Engagierten aus unseren jüdischen Gemeinden hier in Potsdam für ihre Mitwirkung. Mein herzlicher Dank gilt Frau Ministerin Schüle und ihrem Team für den unermüdlichen Einsatz, um diesen Bau umzusetzen. Den Architekten des Büros Haberland danke ich für die Ideen und Pläne für dieses ganz besondere Gebäude.

In der Mitte der Stadt und in Sichtweite des Landtags wird die Synagoge ein klares Bekenntnis zum Judentum in Brandenburg sein und dieses Bekenntnis, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist mehr als notwendig. Wir haben in den vergangenen Jahren zunehmend abscheuliche Angriffe und offenen Antisemitismus erleben müssen. Hass und Hetze im Internet, tätliche Angriffe auf Menschen, die als Jüdinnen und Juden erkennbar sind, der Anschlag auf die Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag, dem Jom Kippur. Es ist die Verantwortung der Politik, der Gesellschaft und es ist die Verantwortung von jedem Einzelnen von uns, solche Entwicklungen nicht nur nicht zu übersehen, nicht nur nicht zu ignorieren und nicht zu akzeptieren.

Es ist unsere Pflicht, dafür zu sorgen und alles dafür zu tun, dass Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland ohne Angst leben können. Natürlich nicht nur, aber auch deswegen ist der Bau dieses wunderbaren Synagogenzentrums in der Mitte unserer Landeshauptstadt genau die richtige Entscheidung.

Zu Potsdam gehören die Stolpersteine, zu Potsdam gehören Mahnmale, die uns an die unvorstellbaren Verbrechen des Nazi-Regimes erinnern.

Zu Potsdam gehören aber eben auch fünf aktive jüdische Gemeinden, die den Jüdinnen und Juden eine Gemeinschaft bieten und sich darüber hinaus gesamtgesellschaftlich engagieren. Zu Potsdam gehören die School of Jewish Theology an der Uni Potsdam, das Abraham Geiger Kolleg, das Zacharias Frankel College und das Moses Mendelssohn Zentrum, die zusammen einen einzigartigen Mittelpunkt jüdischer Kultur und jüdischen Geisteslebens bilden. Und ich bin von ganzem Herzen dankbar, dass sehr bald auch die Neue Synagoge in der Schlossstraße zu Potsdam gehören wird.

Möge das Bauwerk, für das wir heute gemeinsam den Grundstein legen, symbolisch aber eben auch tatsächlich die Heimstatt der jüdischen Gemeinschaft in Potsdam werden, Ausstrahlungswirkung in das Land Brandenburg hinein entfalten und zur guten Entwicklung jüdischen Lebens hier in Potsdam und in Brandenburg beitragen.

Den Bauleuten wünsche ich für ihr Werk viel Erfolg und ganz persönlich möchte ich sagen: Auch nach vielen, vielen Stunden und vielen, vielen Tagen und Jahren der Diskussion bin ich heute ein sehr glücklicher Mensch. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit, dankeschön.

Aufgezeichnet von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Kirsten Mische

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