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28/05/2022
HomeBerlinAnne-Marie Descôtes über die deutsch-französische Beziehung

Anne-Marie Descôtes über die deutsch-französische Beziehung

Nader Mohamed (Berliner Kriminalitätszeitung):
Warum sind wir heute da? Was feiern wir?

Anne-Marie Descôtes (Botschafterin Frankreichs in Deutschland):
Ja, wir feiern hier heute 30 Jahre Weimarer Dreieck und auch dieses Jahr 60 Jahre bestehendes Centre Français de Berlin.

BKZ:
Womit rechnen Sie nach dem Ende von Angela Merkel, die Ära Angel Merkel. Bleibt die französisch-deutsche Beziehung wie sie ist oder wird es Änderungen in der Zukunft geben? Also, jetzt nach dem die 16 Jahre von Merkels Regierung vorbei sind.

Descôtes:
Im Moment arbeiten wir mit Frau Bundeskanzlerin Merkel und sie wird – wie Sie wissen – auch geschäftsführend hier sein, unsere Gesprächspartnerin sein, bis zum letzten Tag und dann werden wir sehen. Es hängt von den Wahlen ab, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass die deutsch-französische Beziehung weiter sehr intensiv sein wird.

BKZ:
Und es wird auch ein anderer französischer Präsident kommen. Falls das kommt, gibt es immer ab und zu zwischen den Franzosen und den Deutschen ein nicht 100%iges Verständnis in der Außenpolitik, oder?

Descôtes:
Ich möchte nicht kommentieren über was vielleicht in einem Jahr kommen soll oder nicht. Das Einzige, was ich betonen möchte, ist warum die deutsch-französische Zusammenarbeit so wichtig ist. Nicht weil Deutschland und Frankreich die Besten sind, nicht weil Deutschland und Frankreich denken, sie sollen allein Europa führen, sondern weil Deutschland und Frankreich eine besondere Verantwortung haben. Wegen der Geschichte, wegen ihrem Gewicht in Europa und wir wissen, wenn Frankreich und Deutschland sich nicht verständigen, dann ist kein großes Projekt möglich. Und was wir immer wieder feststellen, wir sind sehr unterschiedliche Länder. Wir haben bei, wir unterhalten uns über alles, wir tauschen uns über alles aus. Über alle Themen ist immer die erste Frage: „Was denkt Deutschland für uns?“ und umgekehrt. Aber wir wissen auch, dass die Herangehensweise am Anfang immer unterschiedlich ist. Also, deshalb müssen wir uns sprechen und verständigen und natürlich immer die Tür offen lassen für die anderen. Für Polen, aber für die anderen des Weimarer Dreiecks. Aber wie gesagt, Deutschland und Frankreich haben eine gewissen Verantwortung und eben, weil wir so unterschiedlich sind, weil wir anders denken, müssen wir uns abstimmen, damit das Rad dann läuft und der Motor dann auch läuft.

BKZ:
Sehr gut. Letzte Frage: was waren die Highlights der letzten Jahre zwischen der französischen und deutschen Beziehung, große Projekte, die beide Länder geführt haben und Erfolg dabei hatten?

Descôtes:
Ja, ja, es gibt ganz viele. Also, in den letzten 3, 4 Jahren, ich würd sagen im Bereich Verteidigung/Sicherheit, da sind nie so große Schritte nach vorn gemacht wurden, wie in den letzten Jahren auf EU-Ebene, mit dem Europäischen Funk, mit der PESCO, mit anderen Einsätzen, wo wir zusammen arbeiten, aber auch mit großen Projekten wie FCAS und MGCS, das heißt Panzer und Flugzeug der Zukunft, Projekte, die auch offen sind für andere. Wir haben natürlich auch sehr große industrielle Projekte im Bereich der Batterie, jetzt im Bereich des Wasserstoffs, im Bereich Luftraum auch. Das ist auch sehr strategisch. Im Bereich künstliche Intelligenz und natürlich, ich glaube der historische Schritt, das war letztes Jahr der Wiederaufbauplan, dann Next Generation EU. Das war, also diese Entscheidung, die in der Pandemie entstanden ist und das war wirklich ursprünglich die Idee von Herrn Macron und Frau Merkel, die sie dann auch mit den anderen Mitgliedsstaaten besprochen haben, die sie auch verteidigt haben und ich glaube alle haben dann erkannt, dass Europa das braucht, um eben aus dieser Pandemie herauszukommen.

Interview geführt von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Annabell Cassel

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