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27/09/2022
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OKR Martin Vogel über die Bedeutung der Gedenkstätte Leistikowstraße

OKR Martin Vogel (Länderbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz):
Sehr geehrter Herr Klausch, sehr geehrte Damen und Herren, in den verschiedenen Ämtern und Funktionen – Sie gestatten mir diese Verkürzung beim Begrüßungsparkour. Den evangelisch-kirchlichen Hilfsverein möchte ich dafür danken, dass er den Weg zum Aufbau einer Gedenk- und Begegnungsstätte zu einem wirklichen Herzensanliegen gemacht hat und nunmehr seit beinahe 3 Jahrzehnten begleitet. Nicht zuletzt die konstruktive und alles andere als selbstbezogene Form dieses Haus- und Grundstücksbesitzers hat es befördert, dass die Potsdamer Stadtgesellschaft diesen wichtigen Erinnerungsort nutzen kann. Vielen Dank dafür. Ebenso möchte ich all denjenigen danken, die in den 90er Jahren an den Wochenenden hier vor dem Haus mit Campingtisch und Thermoskanne standen und dafür kämpften, dass dieses KGB-Gefängnis in einem früheren Pfarrhaus erhalten bleibt und besucht werden kann. Bund und Land haben dann den Bürgerwillen aufgenommen und förderten dieses Anliegen. Ein herzliches Dankeschön an die Kolleginnen und Kollegen aus dem Kulturministerium der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und BKM.

Und natürlich, liebe Frau Dr. Reich, Herr Warnemünde, Frau Dr. Steinberg, Frau Hildebrand, wie gut, dass sie alle da sind und dadurch das Lernen am historischen Ort, sowie Begegnung und Gedenken ermöglichen, weil das Haus offengehalten werden kann. Als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats möchte ich natürlich allen danken, den aktiven und den früheren Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats. Sie begleiten seit Jahren mit ihrer jeweiligen Erfahrung und Expertise die Beratungen in diesem Gremium und damit die Entwicklung in der Leistikowstraße. Im Beirat ist es so, dass Zeitzeugen, Angehörige ehemaliger Häftlinge, Wissenschaftlerinnen und Fachpersonen mit unterschiedlichen Perspektiven gemeinsam um den besten Weg ringen. Das war in den zurückliegenden Jahren wichtig, fachlich und auch hin und wieder emotional beanspruchend und eine gute Einübung in einen verantwortbaren Umgang mit einer schweren historischen Bürde. Haben Sie alle dafür herzlichen Dank. Als Kind bin ich in der Friedrich-Ebert-Straße aufgewachsen.

Ich wurde 1975 in die heutige Eisenhart-Schule eingeschult und jeden Dienstagnachmittag bin ich zur Christenlehre in die hier um die Ecke liegende Pfingstkirchengemeinde unterwegs gewesen. Eisenhartstraße, dann über die Johannes-Dieckmann-Allee, danach ein Stück Große Weinmeisterstraße und dann, ein nicht ganz erklärbarer Bogen über die Hessestraße. Unterwegs gab es immer wieder grün-gestrichene Metalltore mit rotem Stern, Wachturm und russischen Soldaten. Alle Straßen nach rechts waren Sackgassen, die immer auf so ein Tor zuliefen. Als Kind wusste ich, dahinter leben die Russen, irgendwas mit Armee war da. Soweit war das für mich damals alles klar.

Dass es aber hinter den Mauern ein Gefängnis gab und Menschen dort eingesperrt, in dunklen Kellerzellen saßen, das kam in meiner kindlichen Vorstellung nicht vor. Heute Jahrzehnte später ist der Zugang zur Leistikowstraße, Gott sei Dank, über die Glienicker Brücke, aber auch von den verschiedenen Seiten Potsdams leicht zugänglich. Ich begrüße es ausdrücklich, dass wir ein Erinnern für die Zukunft befördern, hier an diesem Ort und ich meine, für die weitere Arbeit lohnt es sich ziemlich viel Anstrengung auf sich zu nehmen. Allein der Gang durch den Zellentrakt, ein Gespräch mit ehemaligen Häftlingen, macht sehr schnell deutlich, welch kostbaren Schatz wir als Bürgerinnen und Bürger eines demokratischen Landes in unseren Händen halten. Und ein Blick nach Belarus, nach Hongkong oder Teheran verdeutlicht uns ja in Windeseile, dass es sich lohnt für die Grundwerte unserer Verfassung einzustehen. Ich denke an die Presse- und Meinungsfreiheit, die unabhängige Justiz, Gewaltenteilung oder das Recht auf freie Religionsausübung. Meine Damen und Herren, die Bewahrung dieser Grundrechte ist eine Gemeinschaftsaufgabe und sie liegt in unser aller Händen und sie stellt sich jeden Tag neu. Haben Sie Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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