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27/09/2022
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Klimaschutzprogramm bis 2030 unerreichbar?

Nader Mohamed (Berliner Kriminalitätszeitung):
Guten Morgen, Herr Professor Lorentz. Warum sind Sie heute da?

Prof. Dr. Bernhard Lorentz (Geschäftsführer der Stiftung Klimaneutralität):
Wir haben heute mit dem DIW [Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung] gemeinsam eine Studie vorgestellt, bei der es darum geht zu untersuchen, inwieweit die Programme der Parteien hinreichend sind, um die ambitionierten Ziele des Klimaschutzgesetzes 2030 vor allem zu erreichen.

BKZ:
Und welche Partei ist am besten realistisch diese Ziele zu erreichen?

Lorentz:
Die Studie des DIWs zeigt, dass die Grüne Partei am besten geeignet ist, aber keine der Parteien ist ausreichend in ihren Planungen und ihren Vorschlägen, um die ambitionierten Ziele des Gesetzes tatsächlich 2030 zu erreichen.

BKZ:
Das bedeutet wir schaffen das nicht bis 2030?

Lorentz:
Das bedeutet, dass wir sehr genau überlegen müssen, wie wir diese Ziele erreichen können, die so wichtig sind und die auch gesetzlich verankert sind und es eine Diskussion darüber braucht, wie man diese Ziele erreichen kann und welche Maßnahmen dafür notwendig sind.

BKZ:
Ich möchte gerne ein Wort zu Ihrer Stiftung.

Lorentz:
Die Stiftung Klimaneutralität haben wir im vergangenen Jahr gegründet, um Deutschlands Pfade und Wege auf dem Weg in die Klimaneutralität zu unterstützen und aufzuzeigen, wie man Klimaneutralität erreichen kann in Deutschland.

BKZ:
Die nächste Frage ist zur Finanzierung und Umsetzbarkeit der Programme. Jeder kann ein wunderbares Programm schreiben, aber kann das dann nie umsetzen, nur um die Wähler zu überzeugen, aber wenn sie dann an der Macht sind oder regieren setzen sie das nicht um. Gibt es eine Möglichkeit, dass das, was sie schreiben, wirklich umgesetzt wird?

Lorentz:
Ich glaube, dass die DIW-Studie sehr schön zeigt, welche Maßnahmen besonders wirkungsvoll sind und auch aufzeigt, wie kostspielig diese Maßnahmen sind. Insofern ist die Studie des DIWs ein wichtiger Beitrag, um besser und plausibler darüber diskutieren zu können, welche klimapolitischen Maßnahmen zu diesen Zielen führen.

BKZ:
Die Rechtsextremisten behaupten immer, Klimaneutralität bedeutet Massenarbeitslosigkeit, ein dunkles Szenario. Stimmt das?

Lorentz:
Ich glaube, dass Deutschlands Weg in die Klimaneutralität zu vielen neuen Arbeitsplätzen führen kann. Wir haben zahlreiche Untersuchungen, die belegen, dass wir ganz neue Chancen am Arbeitsmarkt schaffen und ich kann Ihnen aus langjähriger Erfahrung von Industriepolitik sagen, man verliert immer Arbeitsplätze. Das Wichtige ist, dass wir neue Arbeitsplätze schaffen und dafür müssen richtige und mutige Investitionen jetzt getätigt werden.

BKZ:
Können Sie die Wichtigkeit der Klimaneutralität für die Gesundheit beleuchten? Weil wenn die Menschen krank werden, dann muss die Regierung auch für diese Patienten zahlen.

Lorentz:
Wir wissen in der Zwischenzeit viel, durch zahlreiche Studien über die Folgen von Klimawandel für die Gesundheit von Menschen. Die Gesundheitsrisiken sind klar und deutlich erkennbar. Die Folgekosten von nicht konsequenter Klimaschutzpolitik sind wesentlich höher, das zeigen alle wissenschaftlichen Untersuchungen, als das, was uns jetzt konsequenter Klimaschutz kostet.

BKZ:
Zusammenfassend: Klimaneutralität kann zu Beschäftigungsneutralität, in der Rechnung, muss nicht 100% sein, führen. Hab ich Sie so richtig verstanden?

Lorentz:
Wenn man die Studien vergleicht, die wir über die arbeitsmarktpolitischen Konsequenzen von Klimapolitik haben, dann kann man sehen, dass im Großen und Ganzen wir in einer neuen Welt andere Arbeitsplätze haben, aber nicht weniger Arbeitsplätze haben, als wir sie jetzt haben.

Interview geführt von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Annabell Cassel

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