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25/05/2022
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Tobias Dünow über die Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Inhaftierten des sowjetischen Untersuchungsgefängnisses in der Potsdamer Leistikowstraße

Nader Mohamed (Berliner Kriminalitätszeitung):
Herr Dünow, warum sind Sie heute da?

Tobias Dünow (Staatssekretär für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg):
Weil heute der zentrale Gedenktag für dieses Mahnmal in der Leistikowstraße in Potsdam ist. Ähm, und ich glaube das ist ein, ein Mahnmal über das man ganz viel lernen kann, über den stalinistischen Terror, über das Unrecht, das Menschen dort, äh, angetan wurden ist, aber auch über, ähm, sozusagen großes ehrenamtliches Engagement, das dafür gesorgt hat, dass wir das jetzt als Gedenkstätte noch haben. Also, ein ganz vielschichtiger Tag und für mich ganz wichtig hier zu sein.

BKZ:
Und was war eigentlich hier in diesem Gebäude?

Dünow:
In diesem Gebäude war bis, äh, in die 90er Jahre zunächst ein Gefängnis, eine, ein Untersuchungsgefängnis und ein, ja, ein Untersuchungsgefängnis, ähm äh, des russischen Militärgeheimdienstes. Ähm, bis in die 50er Jahre wurden hier auch deutsche inhaftiert. Ähm, danach hauptsächlich russische Staatsangehörige. Das Ganze war Teil der, eines, ja, eines großen Militärareals zu dem normale Potsdamer keinen Zutritt hatten und wir haben heute eben eine ganz eindrucksvolle Geschichte gehört über einen Insassen, der hier zu Unrecht, ähm, lange saß und dann ein Martyrium erlebt hat, äh, ja im Gulag-System, im stalinistischen Gulag-System. Und ich bin sehr beeindruckt, dass er uns das heute nochmal nahgebracht hat, was damals passiert ist.

BKZ:
Kann man sagen, dass hier nur politische Gefangene waren oder gab es hier auch Kriminelle?

Dünow:
Nein, das war, das ist, das ist ja das, das, das, was die, das Erinnern so wahnsinnig schwer macht. Es waren, die Geschichte, die wir eben gehört haben, das war ein Willkürurteil, aber hier wurden auch Leute inhaftiert, wenige, aber Leute inhaftiert, von denen ich sagen würde, es war richtig, dass sie inhaftiert wurden. Ähm, das macht die Geschichte ja so wahnsinnig schwierig, ändert aber nichts an der Tatsache, dass das ganze System, ähm, was dahinter stand ein Unrechtssystem war und durch nichts zu rechtfertigen ist.

BKZ:
Waren auch Nazis hier?

Dünow:
Hier waren auch Nazis, in der Tat. Das wird auch, ähm, in der Ausstellung thematisiert. Ähm, ich hab das auch in meiner Rede kurz angesprochen, eine KZ-Wächterin, die hier saß, äh äh, die hier einsaß und dann auch verurteilt wurden ist, in einem nicht rechtstaatlich Verur-, äh äh, Verfahren, aber zurecht verurteilt wurden ist. Das macht das Erinnern so, glaub ich, so wahnsinnig schwierig.

BKZ:
Können Sie uns beleuchten mit viel Geld das Land Brandenburg solche Gedenkstätten unterstützt? Über die Stiftung?

Dünow:
Also, hier die, die, dieses konkrete Gedenkstätte unterstützen wir mit etwas mehr als 200.000€ im Jahr. Das ist aber gar nicht das Entscheidende. Ich glaube das Entscheidende ist nicht das Geld, sondern das Entscheidende ist, das wir die Erinnerung wachhalten und das wir möglichst viel darüber sprechen, was geschehen ist, damit wir gemeinsam dafür sorgen, dass sich sowas nie wieder wiederholt.

BKZ:
Und Sie kommen heute am Sonntagnachmittag zu solch einer Veranstaltung? Also, kann man sagen, das ist sehr wichtig für das Land Brandenburg.

Dünow:
Ja. Das ist sehr wichtig für das Land-, ja klar, selbstverständlich. Ich find’s auch übrigens sehr wichtig für mich, weil ich’s einfach, weil das eine Geschichte ist, die ich nicht so gut kenne und die ich spannend finde und von der ich wich-, ich es wichtig finde, dass man dran erinnert.

Interview geführt von Mag. phil. Nader Mohamed
verschriftet von Annabell Cassel

Zur kompletten Rede von Herrn Dünow kommen Sie hier:

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